Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Social Banking der besonderen Art: Kreative Mittelschicht in London geht betteln

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Zunächst einmal nach einer kleinen schöpferischen Auszeit vielen Dank an all jene, die auf meinen Fragebogen für das Buchprojekt zur Bank der Zukunft rasch und ausführlich geantwortet haben.

http://www.dpunkt.de/buecher/3270.html

Hier gehts nochmal zur Umfrage:

https://lochmaier.wordpress.com/2009/07/10/leser-umfrage-wie-soll-die-bank-der-zukunft-aussehen/

Insbesondere gilt mein Dank den Autoren bzw. engagierten Bloggern vom Blicklog – www.blicklog.com –  und von Eachtradingday  – www.eachtradingday.com, die sehr ausführlich zu den Fragen Stellung genommen haben.

Was gibts Neues in der Finanzwelt – Es hat sich über den Sommer beim Social Banking 2.0 zwar nichts gravierendes getan, die große Evolution dauert eben länger, aber sie kommt langsam in Gang.

Das lässt sich z.B. daran ersehen, dass etwa Smava, eine Plattform, die auf seriöse und transparente Weise unbürokratisch zu interessanten Konditionen Kredite von Mensch zu Mensch vermittelt, im Juli umsatzmäßig deutlich zugelegt hat: Und zwar gleich über neunzig Prozent , das waren laut www.smava.de 190 Kreditverträge mit knapp zwei Millionen Euro. Und das in einem eher lauen Sommermonat. 

Quelle: http://www.smava.de/Startseite+981+Pressemitteilungen+Im-Internet-trotzen-die-Menschen-der-Kreditklemme.html

Vor allem Selbstständige und kleine Existenzgründer wollen so der Kreditklemme  durch die Banken entkommen, kein Wunder, die Banken leihen sich Geld quasi zum Nulltarif, und packen für das Risikomanagement ordentlich was drauf. So machts auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die erfolgreich die hungrigen Mäuler der künftigen Macher des Landes speist – das sind etwa die bildungshungrigen Studenten – die dann Bildungskredite zu leider gestiegenen Konditionen in Kauf nehmen müssen. Die Zinssätze sind vor allem für den Kreditgeber variabel:

http://www.kfw-foerderbank.de/DE_Home/Bildung/Wissenskredite_fuer_Studenten/Bildungskr48/Konditione.jsp

Angesichts der doch ganz netten Topmargen kann sich derzeit fast jeder Kreditgeber angesichts der niedrigen EZB-Leitzinsen auf jeden Fall höhere Ausfallraten leisten.Wohl dem aber, der seine Schulden nach Studienende noch wird zurück zahlen können. Die Uhr für mehr Generationengerechtigkeit tickt bereits lauter.

Es wird angesichts eines gewissen schlummernden Konfliktpotentials in der Gesellschaft aber sicherlich nicht ausreichen, wie bereits zutreffend im Weblog Finance 2.0 nachzulesen, wenn die Banken und Finanzdienstleister sich nur auf die große Ruhe nach dem Sturm verlassen:

http://electrouncle.wordpress.com/2009/07/17/mit-social-banking-paroli-bieten/

Warum die Banken trotzdem ihren eigenen Spielregeln ziemlich orientierungslos unterworfen sind, und sie dem bunten Treiben im finanziellen Mitmachweb bislang eher passiv zuschauen – hat Blicklog-Autor Dirk Elsner gestern auf der Plattform sharewise ausführlicher beleuchtet:

http://www.sharewise.com/news_articles/8698-FinanzmarktundBanken

Nachdenklich stimmt, dass die Mittelschichten in den hoch industrialisierten Ländern immer mehr unter Druck geraten werden. Sie werden die Zeche der Finanz- und Wirtschaftskrise in den nächsten Jahren bezahlen müssen. Ein Vorgeschmack darauf liefert eine etwas abstruse Form des Social Banking oder Lendings, – sie findet in London statt. Kreative Menschen gehen auf die Straße, und verdienen sich ein Zusatzbrot durch Betteln. So beschreibt es jedenfalls die Daily Mail:  

 http://www.dailymail.co.uk/news/article-1205553/Professional-beggars-earning-200-night-supplement-day-job.html

Dass dies eher hilflose Versuche sind – und vor allem grobe Übertreibungen von der Boulevard gesteuerten Presse –  lassen wir hier mal nur am Rande erwähnt. Fakt ist: Das Geld liegt sicherlich nicht auf der Straße, weder für Straßenmusiker, noch für sonstige Bittsteller.

Insofern zeigen derart skurrile Nachrichten nur, dass wir eine Art soziale Bugwelle in einem etwas morschen Kahn vor uns herschieben. Weil es unten nichts zu holen gibt und oben nur wenig Geld in die Mitte durchsickern wird.

Nach der Wahl wird auch in Deutschland die Zeit der leeren Versprechungen vorbei sein, und die Belastungen für Angestellte und Selbständige – in welcher Form auch immer – deutlich zunehmen. 

Bereits die Krise von 1929 hat gezeigt, dass der Staat und die Eliten hier ein reichhaltiges Instrumentarium zur Verfügung haben. Wer dies jetzt für die große Panikmache hält, dem sei mit auf den Weg gegeben, dass selbst in der Aufschwungsphase die Reallöhne bereits sanken, berichtet der Spiegel:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,641909,00.html

Auch für die Selbstständigen und Gewerbetreibenden gäbe es kreative Wege, diesen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Einige Gemeinden haben bereits kurzfristig – ohne Vorwarnung per Gebührenerlass – massiv die Gewerbesteuer angehoben.

In der blühenden aber leider haushalttechnisch völlig abgewirtschafteten Hauptstadt gab es kürzlich noch eine bessere Idee: Der neue Finanzsenator in Berlin fand im Mai sogar in dem „Arm aber Sexy“ Bürgermeister Klaus Wowereit einen prominenten Fürsprecher. Und zwar für die Idee, Freiberufler – davon gibt es nicht wenige in Berlin – mit einer Gewerbesteuer auszustatten, ein wirklich eleganter haushaltstechnischer Winkelzug:

http://www.morgenpost.de/berlin/article1097045/Wowereit_unterstuetzt_Vorschlag_von_Nussbaum.html

Erst einmal sind derartige Pläne wieder vom Tisch – bis nach der Bundestagswahl zumindest. Ansonsten kämen wohl noch mehr Menschen auf die Idee, aus ihrem angesammelten Frust heraus, die eine oder andere nicht ganz so schicke Partei zu wählen, die sich gegen die zunehmenden Übergriffe des Staates in die Privatsphäre der Bürger wehrt, wie etwa die Piratenpartei.

So richtig begeistert bin ich zwar auch nicht von einigen Positionen und schillernden Piraten-Figuren. Zu viel Robin Hood Romantik trübt den Blick. Aber man sollte das Potenzial und die Inhalte ernst nehmen. Einige Parteien üben sich derweil unterwürfig – wohl um schnell noch einige Stimmen abzugreifen – schon mal im Schmusekurs mit der illegal organisierten Macht der Internetgemeinde, berichtet Heise online:

http://www.heise.de/newsticker/SPD-und-Gruene-versuchen-sich-im-Umgang-mit-der-Piratenpartei–/meldung/143445

Die Zukunft wird spannend, aber sie wird in den nächsten Jahren etwas weniger ruhig verlaufen, als viele sich dies derzeit vorstellen können.

Written by lochmaier

August 13, 2009 um 1:12 pm

Veröffentlicht in Uncategorized

Eine Antwort

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  1. Hallo Herr Lochmaier,
    hatte Sie schon vermisst. Vielleicht schauen Sie hinsichtlich weiterer Antworten auf Ihre Umfrage noch einmal auf die Kommentare meines entsprechenden Blogeintrags. Dort haben nämlich noch weitere Blogs an der Umfrage sich über Trackbacks verewigt.
    http://www.blicklog.com/2009/07/22/umfrage-von-social-banking-20-zu-banken-der-zukunft/
    delsner

    delsner

    August 16, 2009 at 6:50 pm


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