Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Bank 2.0: Spanien „a la marcha“ schlägt „German Angst“

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Viva España! Irgendwann kehrt jeder mal dahin zurück, wo er studiert hat – bei mir ist das nicht anders: Bin seit kurzem zurück von einem beruflichen Spanien-Trip, wo ich neben meinem alten Studentenquartier (war das ein kleines dunkles Zimmer) vor allem die ökologischen Fortschritte der Hauptstadt Madrid in Sachen ökofreundliches Verkehrssystem unter die Lupe genommen habe. Die Reportagen dazu sind schon in der Mache. 

Was mir aber noch bei meinen Gesprächen aufgefallen ist: Das Land hat sich nicht nur in den vergangenen 20 Jahren wirtschaftlich dynamisch entwickelt, auch die Menschen haben uns in ihrer Innovationsfreudigkeit „abgehängt“, wo sie doch die zwar etwas „maschinenhaften“ aber erfolgreichen „Alemanes“ vor zwanzig Jahren aufgrund ihrer Zielstrebigkeit noch bewunderten.

Womit wir beim eigentlichen Problem wären – Der „German Angst“ – nirgendwo auf der Welt sonst wird die soziale Dynamik des Mitmachwebs so zerredet wie bei uns. Wir lieben eben die reine Schwarz-Weiß-Malerei, denn solange wir noch ausgiebig diskutieren, brauchen wir ja nichts zu tun (das ist der Grund, warum ein Google, Amazon und wie sie alle heißen, bei uns undenkbar wäre):

http://de.wikipedia.org/wiki/German_Angst

Ganz anders die Spanier: Sie sind „a la marcha“ – das heißt frei übersetzt so etwas, sie sind ständig unterwegs, auf dem Sprung, ausgehwillig und offen (wir geben zu, auch ein bisschen vergnügungssüchtig, aber ist doch viel besser als nur gelangweilt unkreativ zu Hause rumzuhängen).

Das Entscheidende: Kommunikation macht den Leuten Spaß und hat einen Eigenwert, während sie bei uns nur „effizient“, zielgerichtet“ und weitgehend „uninspiriert“ statt findet. Diese Nestbeschmutzung muss an dieser Stelle leider mal abgesondert werden, denn sie hindert uns daran, besser zu werden. Zwischenmenschliche Töne dienen allenfalls als Kulisse fürs Geschäft.

Ich habe mal längere Zeit in Südamerika gelebt. In Chile waren Witze, wo die Deutschen das Opfer waren, sehr beliebt. Und diese „Don Otto y Don Fritz“-Mentalität“  hindert uns auch heute daran, konstruktiv und spielerisch mit den Möglichkeiten des Web 2.0 umzugehen. Kostprobe:

http://www.scribd.com/doc/3997347/Zur-Sonderstellung-der-deutschen-Minderheit-in-Chile-54-a-92

Nicht die Technik ist die Innovation, sondern die Menschen, die sie kreativ und intelligent nutzen. Wie das in Spanien anhand von Dienstleistungen rund ums  Banking 2.0 geschieht, lässt sich auf dem Blog Finance 2.0 nachlesen: 

http://electrouncle.wordpress.com/2009/07/08/social-banking-star-caja-navarra/

Neben der Caja Navarra gibts auch die BBVA, die mit  Cuentas (du zählst – das ist durchaus ernst gemeint) einen neuen Standard gesetzt hat (siehe dazu diese aktuelle Presseinfo):

http://www.businesswire.com/portal/site/google/?ndmViewId=news_view&newsId=20090706005113&newsLang=en

Der Weblog dazu http://tucuentas.bbvablogs.com/ wird zwar etwas kryptisch gepflegt, aber es bleibt doch festzuhalten: Während bei uns das „Bedenkenträgertum“ gesellschaftlich den Ton angibt, experimentieren andere längst.

Spanien hat etwa beim Mobile Banking neue Maßstäbe gesetzt, es gibt zahlreiche Banken, die das Terrain längst kreativ besetzen, statt nur über „Bad Banks“ und neue „Good Guys“  zu diskutieren (zum Trost sei gesagt: Beide gibts nicht wirklich).  Und wir schauen, wie so oft, wenn es sich um das Internet als soziale Innovation handelt, dem fahrenden Zug hinterher und springen irgendwann an der letzten Haltestelle auf.  Und als sei nichts geschehen – dann tun wir auch noch so, als ob wir es schon immer genau so oder sogar noch besser gewusst haben…

Natürlich kann man die Diskussionen rund ums Thema „Geld“ auch nicht ganz so verbissen sehen. Wer der spanischen Sprache mächtig ist, kann mal auf Youtube sehen, wie einfach der spanische „Doctor Ahorro“ (der Spardoktor) vom Internetportal „El economista“ http://www.eleconomista.es/ die Regeln im täglichen Umgang mit dem lieben Geld erklärt:

http://www.youtube.com/watch?v=FSKuvqEaE90

Benchmarking gefällig? Wird wohl nicht klappen mit der Übertragbarkeit – denn hier lauert schon der nächste Fallstrick unserer „German Angst“: Bei uns muss es immer ein junger, hipper, cooler Typ oder die adrett zurecht gebügelte trendige Marketingfrau sein, die einem im Web 2.0 was beibringen (allenfalls wird gelegentlich noch der verwuschelte Nerd akzeptiert).

Oh Gott! El Doctor Ahorro 2.0 hingegen ist fast im Rentenalter – und hat einen Bart, sitzt gemütlich wie der unretuschierte Nachbar im Wohnzimmer, und erklärt ohne viel Schnickschnack, worum es beim Thema Finanzen geht. Bestechend einfach.

Das ist es ja gerade! – Denn bevor wir uns herunterlassen können, so etwas nachzuahmen, müssen wir jetzt erst mal in die Therapiestunde, wegen der äußeren und inneren Balance, wo doch klar ist, dass hierzulande sowieso nur Zählbares wirkliches zählt. 

Das Menschliche ist doch trotz der vielen blühenden sozialen Netzwerke in unserer Wertigkeitsskala der „Störfaktor“ schlechthin – Oder liege ich da falsch und gibt es beim Social Banking doch mehr „a la marcha 2.0“ hierzulande?

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Written by lochmaier

Juli 8, 2009 um 3:38 pm

Veröffentlicht in Uncategorized

3 Antworten

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