Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Mangelhafte Bankberatung 1.0 treibt Kunden ins Social Banking 2.0

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Der Blätterwald der Fach-, Tages- und Wirtschaftsmedien ist derzeit prall gefüllt mit Kritik an der Qualität der Kundenberatung in den Banken. Scharfe Kritik formulieren etwa Verbraucherschützer im ZDF-Wirtschaftsmagazin „Wiso“. Fazit: Nur einer von 25 Bankberatern sei in der Lage, den finanziellen Hintergrund und Spielraum des Kunden hinreichend auszuleuchten. 

Filmkritik: Trotz ein paar allzu reißerischer Bildsequenzen zu Beginn der rund 40-minütigen Dokumentation ist der Einblick in die alltägliche Bankberatung flächendeckend ernüchternd. Wenn dann noch erklärt wird, dass die SPD-Regierung unter Gerhard Schröder seit 1998 einerseits massiv für die private Altersvorsorge und das Riestern geworben hat, und heute etwa dessen ehemaliger Regierungssprecher Béla Anda die Presseabteilung des Finanzdienstleisters AWD leitet, dann verliert man die Lust an der wie auch immer gearteten Geldanlage fast ganz. 

http://www.awd-gruppe.de/awd_holding/de/home/presse/ansprechpartner.html

Dass bei der AWD Gruppe auch einer der Architekten der privaten Altersvorsorge, Professor Bert Rürup, heute als  Chefökonom  seine Brötchen verdient, trägt auch nicht unbedingt dazu bei, das Vertrauen in den bürgernahen und von Lobbyinteressen weitgehend keimfreien Gestaltungswillen der politisch-ökonomischen Führungsriege zu stärken. Zur Vita von Bert Rürup:

http://www.awd-gruppe.de/awd_holding/de/home/awd_research/team/Prof__Dr__Bert_Ruerup.html

Das komplette Video der WISO-Dokumentation „Die große Gier“ vom 29.06. gibts hier in der ZDF-Mediathek:

http://wiso.zdf.de/ZDFde/inhalt/17/0,1872,7599377,00.html

Fazit: Spätestens das nächste Jahr dürfte für die Bankenbranche zum Nadelöhr werden, durch das ein Kamel sich bekanntlich nur schwerlich hindurch bewegen kann. Denn das trotz Finanz- und Wirtschaftskrise nicht vollzogene freiwillige Abrücken vom reinen Provisionsgeschäft könnte nun zur Stolperfalle werden, mit der die Bank 1.0 den Wandel zum Social Banking 2.0 befördert – statt diesen selbst aktiv zu gestalten. 

Natürlich: Die Banken haben „Altlasten“, sprich IT-Systeme, Technologien, Bankprozesse und letztlich auch in entsprechende Leitlinien zur „Gewinnoptimierung“ verwobene Mitarbeiter im Vertrieb – alle Strukturen sind über Jahrzehnte gewachsen und lassen sich nicht binnen Monaten „entsorgen“, so argumentieren nicht wenige Entscheider. Wer sich aber der Veränderung nach wie vor konsequent verschließt, wird irgendwann von der Geschichte bestraft. Das wissen auch Insider und Branchenkenner.

Das bestätigt indirekt auch Commerzbank-Chef Martin Blessing in einem Interview mit dem Handelsblatt:

Zitat: „Wir müssen verhindern, dass das Kasino wieder öffnet. Dazu brauchen wir international koordiniert mehr Transparenz, aber nicht mehr, sondern bessere Regulierung. In meinen Augen müssen Gesetzgeber und Aufsichtsbehörden schnell handeln. Meine große Sorge ist, dass einige Banken im kommenden Jahr wieder satte Renditen im Investment-Banking erzielen und sich trotz impliziter Staatshilfen deutlich höhere Boni genehmigen, während die Arbeitslosigkeit steigt und viele Unternehmen ums Überleben kämpfen.“

Quelle:

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken-versicherungen/das-kasino-darf-nicht-wieder-oeffnen;2402485

Kommentar: Das Kasino hatte nie geschlossen, es braucht also nicht wieder zu eröffnen.

Dazu passt auch die scharfe Kritik in der Financial Times Deutschland an dem Geschäftsgebaren der  Landesbanken – formuliert immerhin vom ehemaligen Wirtschaftsminister in Schleswig-Holstein, Werner Marnette. Der stammt aus dem politisch unverdächtigen Lager der CDU und ist auch als Unternehmer und früherer Firmenchef der Norddeutschen Affinerie durchaus sturmerprobt.

http://www.ftd.de/politik/deutschland/:Marnettes-Wutrede-Bankster-in-den-Landesbanken/532532.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Werner_Marnette

Das Interview mit Werner Marnette in Spiegel online vom 06.04.2009 „Das ist ein Wahnsystem“ spricht eine ziemlich deutliche Sprache:

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,617645,00.html

Die Anleger in Deutschland haben die Macht, wem sie ihr Geld künftig anvertrauen.

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Written by lochmaier

Juni 30, 2009 um 6:16 am

Veröffentlicht in Uncategorized

Eine Antwort

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  1. […] schwertun mit neuen Entwicklungen rund um das Social Banking. Dabei zeigt ein aktueller Beitrag auf Social Banking 2.0 mit viel Quellmaterial wieder zahlreiche Defizite der Branche […]


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