Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Archive for Mai 2013

Finanzblogs (Teil IV) – Trendsetter und Resonanzverstärker

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Letzter Teil meiner vielschichtigen Betrachtung: Der Weg zum erfolgreichen Finanzblog ist kürzer als die längste Verbindung zwischen zwei Punkten.

Zieht man die amerikanischen Vorbilder heran, wird deutlich, wohin sich die Wirtschafts- und Finanzberichterstattung entwickelt. Denn letztlich gelangen die Trends aus den USA mit zeitlicher Verzögerung auch nach Deutschland. An fundierten Studien dazu mangelt es bislang.

Eine der bis dato seltenen Forschungen zu deutschen Finanzblogs findet sich in dem schon etwas älteren Sammelband Journalismus online – Partizipation oder Profession? Hrsg: Thorsten Quandt und Wolfgang Schweiger, VS Verlag (2008). Siehe dazu den Aufsatz von Ralf Hohlfeld & Steffen Dörsam: Börse im Blog. Eine Analyse medienintegrierter und unabhängiger Finanz-Weblogs, S. 95-110.

Blicken wir aber weiter nach vorne: Dass man mit Finanzblogs keine höheren Besucherzahlen generieren kann, dieses Klischee hat das Vorbild Businessinsider bereits widerlegt. Wirtschaftlicher Erfolg ist also möglich. Welches ist das Erfolgsrezept der US-Blogs? Hinter ihnen stehen zweifellos professionelle Akteure, die sich ganz und zum Teil mit erheblichen personellen Ressourcen auf ihre Inhalte und neue Methoden in der lesergerechten Aufbereitung konzentrieren.

Und die Trendsetter schaffen dies gerade mit hohem Tiefgang der Beiträge. Die Akteure greifen komplexe Themen auf, sie durchforsten das Kleingedruckte, analysieren schwer verdauliche Gutachten, und sie präsentieren ihren Lesern alternative Sichtweisen zum medialen Mainstream. Dabei erweist es sich als vorteilhaft, dass es in den USA weit weniger Berührungsängste zwischen den etablierten Printformaten und den elektronischen Medien gibt.

Abschließend stellt sich die Frage: Was macht nun ein gutes Finanztagebuch aus? Wie können Unternehmen ein lebendiges neues Format auf die Beine stellen? Zum einen sollte der richtige Ansatz auf der Erkenntnis fußen, dass es nicht die nackten Zahlen sind, die das besondere Flair ausmachen. Es ist vielmehr der damit verbundene individuelle Blickwinkel auf das finanzielle Geschehen, durchaus mit bewusst subjektiver Färbung. Die Grenzlinie zwischen gut gedacht, aber schlecht gemacht, ist dabei fließend.

Deshalb sollte die grobe Richtung vor dem Einpflegen der Inhalte stimmen. Anders gesagt: Wenn etwa eine Bank sich mit Finanzbloggern nur deshalb vernetzt, um die eigenen Produkte über diese Zielgruppe nur als missbrauchte „Reichweitenverstärker“ an das Publikum zu bringen, dann wäre dieser konzeptionelle Ansatz zum Scheitern verurteilt.

Denn gerade in der „Bank der Zukunft“ geht es um Vertrauen. Wenn hier die Produktbasis nicht stimmt, dann kann von einer aktiven Kommunikationspflege über Finanzblogs nur abgeraten werden. Auch die Blogger selbst würden sich durch billige, oder gar versteckte Werbung für Banken und andere Finanzdienstleister in der eigenen Community als unseriös diskreditieren. Denkbare Strategien eines konsequent implementierten „Corporate Finance Blogs“ könnten demgegenüber folgende Eckpfeiler sein:

Erstens: Spannende Experten-Diskussionen jenseits von elitären Zirkeln zu branchenbezogenen Leitthemen initiieren, die auch in die breite Öffentlichkeit abstrahlen.

Zweitens: Das unverwechselbare Profil und Alleinstellungsmerkmal des eigenen Unternehmens möglichst fundiert – und nicht werblich fixiert – herausstellen.

Drittens: Neue Wege und Zukunftstrends in der Branche aufzeigen, die nur beim Gehen und beim konstruktiven Dialog und in der alltäglichen Reibung entstehen.

Die gelernten Lektionen zum Status Quo der Finanzblogs lassen sich am Ende dieser kleinen Serie folgt bilanzieren: Unternehmen können sich unabhängig von ihrer jeweiligen Branchenzugehörigkeit durch lebendige neue Kommunikationsformate als „Leitwolf“, sprich als Trendsetter und Trendverstärker, positionieren. Für viele Unternehmen aus der Finanzbranche sollte diese Option deutlich attraktiver sein, als sich nur als Mitläufer am durchschnittlichen Marktgeschehen zu beteiligen.

Über das Thema „Geld“ sollte man aber auch jenseits von Banken in klein- und mittelständischen Betrieben oder Konzernen aktiv sprechen. Gut positionierte und vernetzte Corporate Finance Blogs schaffen Mehrwerte und Synergien, sowohl in die klassische Medienwelt hinein, als auch zu anderen Stakeholdern und Multiplikatoren.

Fest steht: Wer im Web 2.0 dem bunten Treiben nur vom Rand aus zuschaut, der verpasst das Leben. Eine passiv verharrende Beobachterrolle bedeutet letztlich nichts anderes, als anderen Protagonisten bereitwillig das Spielfeld zu überlassen. Das gilt auch oder gerade für Banken, die in der alten Medienwelt verhaftet bleiben.

Written by lochmaier

Mai 29, 2013 at 8:00 vormittags

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Finanzblogs (Teil III) – Tumblr zwischen Innovation, Börse und Ökonomie

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Spieglein, Spieglein, an der Wand, sag mir, welches Format den Kunden in seiner Kaufentscheidung wirklich beeinflusst. Das dachte sich wohl auch Yahoo, als es kürzlich den Blogging-Dienst Tumblr für ein bisschen mehr als Kleingeld aufkaufte.

Tja, was der mehr als eine Milliarde Dollar schwere Deal bringt, steht in den Sternen, fest steht nur: Irgendwas muss dran sein an diesen kleinen Tagebüchern von Millionen Nutzern im Netz. Beeinflußen diese etwa auch die doch ach so konservative Finanzwirtschaft. Wird wohl so nicht kommen, beruhigt sich der eine oder andere Entscheider in der bequemen und wohl temperierten  Businesslounge.

Auch mir wird manches Mal schwindlig vor all den englischen Fachbegriffen im Netz. Denn es gibt so viele Social Monitoring Dienste, die die Weisheit allesamt mit Löffeln gefressen haben. Von Peer Influencer Analysis ist da die Rede, von der 90-9-1-Regel nach dem Webguru Nielsen, von Massen Konnektoren (wohl so was wie elektrische Verteilstationen) und Mass Mavens (Experten), die man als Unternehmen unbedingt auf dem Radarschirm haben sollte.

Ganz ehrlich: Ich halte von den meisten dieser recht pseudowissenschaftlich agierenden Recherchemethoden und Tools nicht übermäßig viel. Ich bin kein Social Media Evangelist. Sicherlich, Werkzeuge wie Followerwonk, SocialBro, Tweetlevel oder Google+ Ripples sind nützlich, aber die relevanten Informationsstränge und –kanäle vollziehen sich im Netz gerade bei Finanzthemen oftmals jenseits der großen Kulisse. Nicht immer sind es die am meisten verlinkten Beiträge, die das intensivste Echo auslösen.

Will heißen: Mit der Analyse der Schlüsselbeeinflusser sieht man nur die Spitze des Eisbergs, nicht aber jene 80 Prozent an interessanten Formaten, die sich unterhalb der Wasseroberfläche befinden. Bleiben wir also bodenständig, statt dem hippen Zeitgeist zu verfallen. Durch gut gemachte Finanzblogs wächst die Nische für „echte“ Geschichten zum Anfassen, mit unterschiedlichen Akteuren und Unternehmern.

Die Berichterstattung bewegt sich damit partiell, verstärkt durch den sozio-ökonomischen Paradigmenwandel in der Finanzwelt, weg von Stereotypen und Hochglanzbildern, zumindest wenn diese einer genaueren Überprüfung durch die Gesellschaft nicht mehr standhalten. Fest steht vielmehr, dass sich die Grenzen zwischen Innen- und Außenwahrnehmung als Folge eines „kollaborativen Journalismus“ – gerade mit Hilfe von Finanzblogs als wichtigen Trendverstärker – weiter auflösen werden.

Der inhaltliche Megatrend zur Differenzierung am Markt besteht darin, neue Wege im konstruktiven Kapitalismus aufzuzeigen. Lesercommunities und eine dadurch erhöhte Dialogbereitschaft gehören nicht nur zur schicken Fassade, wenn Macher und Rezipienten sich auf Augenhöhe begegnen. Eine deutlich bürgernahere und weniger hierarchisch gruppierte Wirtschafts- und Finanzberichterstattung dürfte die Folge sein, bei der sich Fach- und Gastbeiträge um aktive Feed-back-Elemente und Dialogformate ergänzen, über unterschiedliche Frequenzen und Kanäle, manches Mal auch in Echtzeit.

Das Tumblr für die Bankenwelt?

Fazit: Einbahnstraßenkanäle und selektives Nachrichtenmanagement mit vermeintlich exklusiven Geschichten verlieren angesichts einer neuen Medienvielfalt an Gewicht. Zweifellos verstärkt sich dadurch der Trend zum personalisierten Wirtschafts- und Finanzmedium im Netz, mit einer weiteren Vertiefung in Richtung Themen- und Spartenkanäle, die der Leser in einer Art Baukastenprinzip individuell konfigurieren kann.

Dies führt dazu, dass gerade die Leitmedien nicht umhin kommen, neue Spieler wie Blogs, soziale Medienkanäle oder andere vermeintlich rudimentäre Nachrichtenseiten ernst zu nehmen und sukzessive kreative Spielelemente in ihr eigenes Geschäftsmodell einfließen zu lassen. Der Trend birgt für die künftige Generation der Kommunikatoren eine große Chance in sich, indem sie neuen Charakter einer ungleich stärker vernetzten Ökonomie 2.0 in seiner ganzen medialen Vielfalt wider spiegelt und aktiv begleitet.

Nicht nur eröffnet dieser Umstand seitens der betrieblichen Kommunikationsformate die Chance, jenseits von modischen Accessoires eine mehr-direktionale Beteiligungswelle mit effizientem Zuschnitt einzuleiten. Das neue Rollenspiel bietet darüber hinaus die Option, die eigene Wertschöpfungskette gründlich an die neuen Erfordernisse anzupassen, um daraus belebende Konzepte zu entwickeln, die das eigene Profil, die Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Verweildauer schärfen oder gar erhöhen. Eine deutlich größere Medienvielfalt „von unten“ bietet somit für versierte Unternehmen und deren öffentlich sichtbare Fachautoren die Chance, sich über Mehrwertdienste am Markt zu (re)differenzieren.

Zwar sind „Best Practices“ und verlässliche Standardkriterien noch nicht in Sicht. Hier jedoch aus meiner Sicht einige denkbare Qualitätskriterien, die letztlich zum langfristig orientierten Community Building von Corporate Finance Blogs beitragen können (mehr dazu auch im letzten Teil):

  1. Unternehmerisches Denken und Handeln
  2. Mut zur Subjektivität (kontrolliert und moderierend)
  3. Solides journalistisches, stilistisches und visuelles Handwerk (Recherche, Aufbereitung, Darstellung)
  4. Individualität (z.B. Kreativ(op)position zum Mainstream in Medien und auf den Finanzmärkten)
  5. Interaktion (mit Blogosphäre und Lesern)

Written by lochmaier

Mai 27, 2013 at 2:18 nachmittags

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Finanzblogs (Teil II) – Neue Formate und Inhalte beleben

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Finanzblogs haben großes Nischenpotential. Den Weg vom Außenseiter zum Vorreiter in der vernetzten Wirtschaftskommunikation beleuchte ich im zweiten Teil der vierteiligen Serie.

Jenseits einer allzu optimistischen Prognose zur neuen Spezies Finanzblogs steht der nüchterne Befund. Ein kritisches Fazit zieht Felix Salmon, der im Magazin der Süddeutschen Zeitung zehn Gründe aufgelistet hat, warum Blogs in Deutschland generell noch nicht so erfolgreich sind wie in Großbritannien oder den USA. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, sind gerade thematisch hoch spezialisierte Blogger deshalb oftmals auf die Unterstützung der klassischen Medienwelt angewiesen, um an Reichweite und Durchschlagskraft zu gewinnen.

Andererseits lässt sich auch in der „Nische“ ein gewisser Expertenstatus heraus bilden. Mit Blick auf die Finanzwelt gibt es in der internationalen Perspektive bereits eine Reihe aus der Masse herausragender Formate, freilich mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten, von der Kapitalismuskritik bis hin zum Börsenblog. Ein Überblick über relevante Formate zum Thema Banken und Finanzen bietet etwa der Nachrichtendienst thefinancialbrand: Best Banking Blog Readers Choice 2012.

Von einer Revolution oder gar Etablierung eines neuen Medienformats zu sprechen, erscheint zwar für manche verfrüht. Dennoch: Die Szene der klassischen Wirtschaftsberichterstatter, Marktanalysten und Finanzpropheten wird durch die einschlägige Blogosphäre bunter, vielfältiger, mitunter auch erheblich detailreicher und kritischer. Zweifellos spielen profilierte Wirtschafts- und Finanzblogs künftig in der qualitativ hochwertigen Nische eine prägende Rolle, dessen Charme sich auch der mediale Durchschnitt nicht entziehen kann, um frische Ideen aus dem Reservoir der Tagebücher zu schöpfen.

Eine visionäre Entwicklung in Richtung „Finanzjournalismus 2.0“ scheint greifbar, das seinen Markt von den medialen Rändern her ausweitet. Online-Portale mit Blogcharakter wie Businessinsider oder Zerohedge kombinieren bereits heute auf geschickte Art und Weise die Welt der Nachrichten mit hintergründiger Berichterstattung. Einige Adressen haben als relevante Meinungsführer und Multiplikatoren sowie Newsaggregatoren jenseits vom reinen Blogformat die Nische verlassen.

Mittlerweile verfügen Businessinsider und Co. in den USA nicht nur über nennenswerte Reichweiten, Werbeeinnahmen und personelle Ausstattung. Sie gehören auch zu den von Leitmedien immer wieder genannten Quellen, etwa wenn es sich um exklusive Geschichten oder persönlich eingefärbte Hintergrundberichte handelt.

Deutschland zieht langsam nach

Wer die Argumente des Finanzjournalisten Felix Salmon indes genauer unter die Lupe genommen hat, der versteht, warum gerade thematisch hoch spezialisierten Blogs kein rasanter Durchbruch bevor stehen kann. Gerade komplexe Themen entziehen sich dem intellektuellen Durchschnitt. Hinzu kommt die von Salmon beschriebene spezifisch deutsche Befindlichkeit.

Oder provokanter zugespitzt: Wer nicht durch eine Institution geadelt ist und deren Glanz – unabhängig von den eigenen Fähigkeiten – auf sich herunter fallen lassen kann, der hat als individueller Außenseiter kaum eine Chance, von den etablierten Experten- und Medienzirkeln wahr genommen zu werden.

Doch betrachten wir die Thematik jenseits von Schwarz-Weiß-Malerei. Eine Übersicht über die deutsche Szene der Finanzblogger gibt beispielsweise die Webseite finanz.de.

Der informellen Mediengattung widmen sich mittlerweile aber auch Wissenschaftler und Marktforscher. So erwarten die Kommunikationswissenschaftler der Fachhochschule Mainz einen deutlichen Wachstumsschub für die deutsche Bloglandschaft. Siehe dazu: Andrea Beyer/Lothar Rolke: Deutschland Deine Blogger, ein persönlicher Report aus der Blogosphäre, Mainz 2013.

Welche Brückenfunktion spielen Blogger nun für die Öffentlichkeitsarbeit in den Unternehmen? Das beschreibt Professor Thomas Pleil in einer zweiteiligen Serie auf seinem eigenen Weblog. Erster Teil: Blogger verstehen und identifizieren. Zweiter Teil: Blogger verstehen und identifizieren.

Was die Auswahl von ebenso geeigneten wie methodisch praktikablen Key Performance Indikatoren angeht, so tasten die Experten sich erst noch heran. Denn die Kriterien „Beitragsmenge, Reichweite, Verlinkung, Leserzahl und direkte Vernetzung“ sind gerade bei speziellen Themen oftmals zu grob gestrickt, um wirklich aussagekräftig zu sein. Zweifellos steht die Bedeutungsanalyse, neudeutsch „Blogsemantik“, erst am Beginn ihrer Forschung.

Immerhin: Seit dem vergangenen Jahr ermittelt das Fachmagazin Pressesprecher gemeinsam mit der Kommunikationsagentur aserto die „Meinungsführer“ in ihren jeweiligen Spezialgebieten, also 20 bis 30 Plattformen, die in ihrer Branche als relevant einzustufen sind. Zu den beleuchteten Zielgebieten gehören die Bereiche Energie, Versicherung, Netzpolitik, Medienrecht, Finanzthemen, Medien und Auto. Auch an dieser grobmaschigen Differenzierung ist sicherlich noch weiter zu arbeiten. Im Klartext: Nicht Masse ist gefragt, sondern Klasse, um sich in der „Nische“ vom Wettbewerb zu differenzieren.

Written by lochmaier

Mai 23, 2013 at 8:39 vormittags

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Crowdfunding: Interview mit LeihDeinerUmweltGeld

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Bereits vor zwei Jahren wurde in Mainz die LeihDeinerStadtGeld GmbH gegründet, die sich auf die Beteiligung von Bürgern bei der Finanzierung von kommunalen Vorhaben via Netz spezialisiert hat. So gelang es ihr im Herbst vergangenen Jahres, über die Plattform „LeihDeinerStadtGeld“ bei den Bürgern Geld einzusammeln, um dringend benötigte Funkgeräte für die Freiwillige Feuerwehr anzuschaffen.

Die erfolgreich verlaufene Finanzierung hat das Unternehmen offenbar dazu ermuntert, den neuen Dienst nun auch auf die Finanzierung von Umweltprojekten zu erweitern. Über die Plattform „LeihDeinerUmweltGeld“ kann sich der (Netz-)Bürger bereits mit kleinen Beträgen an der Finanzierung von Umweltprojekten beteiligen.

Und das funktioniert so: Engagierte Bürger kaufen und verkaufen ihre Kredite direkt untereinander. Der Plattformbetreiber wiederum steht für die gesamte Abwicklung des Handels gerade. Dabei soll der Kapitalgeber aber nicht leer ausgehen.

Im Unterschied zu einer reinen Spendenplattform will „LeihDeinerUmweltGeld“ aber eine Investmentplattform sein, die ihre Kapitalgeber am Erfolg der Projekte in Form von Zinsen oder Gewinnausschüttungen beteiligt. Der große Vorteil dieses Finanzierungskonzepts ist, dass es als privat zu qualifizieren ist, Banken außen vor lässt – und damit aufwändige Genehmigungsverfahren der Finanzaufsicht (BaFin) entfallen.

Und mit dieser Aussage sind wir beim vorerst letzten Teil meiner Artikel- und Interviewserie zu den grünen Crowdfunding Start ups, hier mit Blick auf die Unternehmensstrategie und die banktechnische Verbindung. Kurze Auskunft über die Plattform “leihDeinerUmweltGeld”  erteilt Jamal El Mallouki.

Social Banking 2.0: Wer ist als “Bank” und sonstiger Partner an Bord?

Jamal El Mallouki: Als Bankpartner bauen wir wieder auf die Fidor Bank AG, die Dank der starken Technologiefokussierung einen elementaren Vorteil für uns als Dienstleister bietet. Die Fidor Bank wird, wie auch schon für LeihDeinerStadtGeld, ein Treuhandkonto zur Verfügung stellen und als Zahlungsdienstleister fungieren.

SB 2.0: Wie sieht die Motivation hinter der technischen Umsetzung aus?

Das technologische Prinzip bei LeihDeinerUmweltGeld entspricht dem bei LeihDeinerStadtGeld – deshalb das neue Angebot. Wichtig ist uns auch die breite Partizipation von Bürgern ohne als Genossen, Gesellschafter oder anderer Funktion tätig werden zu müssen.

SB 2.0: Wie sieht es aufsichtsrechtlich aus? In welcher Rechts- und “Finanzform” erfolgen die Beteiligungen?

Die Beteiligungen werden ausschließlich als Nachrangdarlehen mit qualifiziertem Rangrücktritt angeboten. Die Rendite kann hierbei in Form eines reinen Festzinses, einer reinen Gewinnbeteiligung oder einer Mischung aus beidem erfolgen.

SB 2.0: Was eignet sich besonders (Wind, Solar, Bio), was wird eher ausgeschlossen?

Die ersten Projekte, die wir bereits vorbereiten, werden in Hessen und Niedersachsen stattfinden. Dort sind es Solaranlagen, in die die Bürger eine niedrige sechsstellige Summe investieren können.

Grundsätzlich eignen sich alle Projekte, bei denen Bürger in regenerative / dezentrale Energieträger investieren können. Jedoch sind die Anforderungen an die Refinanzierung einer Windanlage andere als bei einer Photovoltaikanlage. Die Volumina beginnen bei Windanlagen und Biokraftwerken meist im hohen sechsstelligen, eher Mio.-Bereich. Photovoltaik kann bereits mit kleinen Volumina gestartet werden.

Interview: Lothar Lochmaier

Written by lochmaier

Mai 21, 2013 at 3:08 nachmittags

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Green Crowdfunding: Interview mit Milkthesun über solare Effekte

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Als reiner Vermittler, ähnlich wie die Auktionsplattform eBay, sieht sich Milk the Sun. Das Unternehmen fungiert in erster Linie als Online-Marktplatz für Photovoltaik-Anlagen. Der Betreiber überlässt es dem Geschick der Anleger, jedes Vorhaben selbst durch einen individuellen Qualitätscheck auf Herz und Nieren zu überprüfen. Wie das funktioniert, erklärt im virtuellen Schlagabtausch Simon Edel von der Milk the Sun GmbH in Berlin.

Social Banking 2.0: Welche Erfolgschancen bieten Crowdfunding-Plattformen zur (dezentralen) Energiewende generell?

Simon Edel: Crowdfunding ist eine hervorragende Möglichkeit, um gemeinschaftlich Projekte finanziell zu unterstützen und zu finanzieren. So kann sich jeder privat an den Erneuerbaren Energien beteiligen. Dezentral heißt in diesem Falle dann auch, dass nicht nur große Energieversorgungsunternehmen im Besitz der Kraftwerke sind, sondern dass der Bürger vor Ort seinen Strom selbst mitproduzieren kann. Das senkt auch den Strompreis, weil es den Besitz verteilt und den Konkurrenzdruck erhöht. Dieser Zusammenhang macht letztlich Crowdfunding bzw. generell die Teilhabe an Erneuerbaren Energien für jeden interessant.

SB 2.0: Inwieweit unterscheidet sich der internetbasierte Ansatz bei milkthesun von der “klassischen” Energiegebeteiligung?

Milk the Sun ist als Online-Marktplatz für Photovoltaik-Projekte und Anlagen in erster Linie dafür verantwortlich, für Leute den passenden Gesprächspartner zu finden. Wir stellen einen direkten Kontakt zwischen denjenigen, die investieren wollen und denjenigen, die Investoren suchen, her. Als Marktplatz sind wir dahingehend natürlich von dem Angebot abhängig, das Leute bei uns einstellen. Rechtliche Details klären die Verhandlungspartner dann unter sich. Der große Vorteil unseres Marktplatzes sind die geringen Transaktionskosten, weil Vermittlerketten, wie sie im Offline-Geschäft häufig auftreten, ausgeschlossen werden und damit keine Zusatzkosten verursachen können.

SB 2.0: Wie sind die bisherigen Erfahrungen, hier die Geschäftspartner bei PV-Projekten zusammen zu bringen, bislang verlaufen?

Wir spüren, dass ein großes Interesse an der Energiewende und an Photovoltaik besteht. Die Geschäftspartner, die wir zusammen bringen, zeigen sich sehr kooperativ und versuchen, sich auf die jeweiligen Gegenüber einzustellen. Das führt zu einem guten Verhandlungsklima und auch dazu, dass unser Aufwand erheblich reduziert wird. Und genau das ist ja Sinn der Sache – der direkte Kontakt zwischen Anbieter und Investor. Die Idee, über Milk the Sun Anteile an PV-Anlagen anzubieten, kam so auch nicht von uns, sondern von den Anbietern hinter den Projekten.

SB 2.0: Welches Erlösmodell strebt milkthesun an? Wie refinanziert sich die Plattform erfolgreich?

Milk the Sun erhält vom Käufer eine Provision von 5€/kWp bei Projektrechten und Flächen und 10€/kWp bei Bestandsanlagen, sollten diese über unseren Kontakt den Besitzer wechseln. Wir verdienen also nur dann an unserem Marktplatz, wenn auch die Geschäftspartner zu einem zufriedenstellenden Ergebnis gekommen sind. Zudem bedeuten diese Preise eine Provision von gerade mal 0,5% bis 1% des Sachwertes.

SB 2.0: Für welche Vorhaben und Marktsegmente eignet sich das “Crowdfunding der Energiewende von unten”?

Crowdfunding sind im Prinzip keine Grenzen gesetzt. Letztendlich müssen nur die richtigen Köpfe dahinter stehen, und dann kannst fast jedes Projekt über Bürgerhand finanziert werden. Die Energiewende kann damit in vielen verschiedenen Segmenten „von unten“ vorangetrieben werden. Beispielhaft dafür sind die Bemühungen in Berlin, Vattenfall nach Ablauf des Konzessionsvertrages das Stromnetz abzukaufen und in Bürgerhand zu bekommen.

SB 2.0: Bieten derartige neue Geschäftsmodelle auch die Chance zu einer Renaissance der nachhaltigen regionalen Wertschöpfung, etwa via dezentrales Stadtwerkemodell?

Ja. Was die Stadtwerke Schönau schon seit Jahren praktizieren, nämlich über Bürgerbeteiligung Ihre Stromversorgung selbstständig nach dem Willen der Bürger zu organisieren, setzt sich ja mittlerweile auch in anderen Gegenden und Städten durch. So wurden vor kurzem erst die Stadtwerke Stuttgart gegründet, um auf eine dezentrale Zukunft der Energieversorgung hinzuarbeiten.

SB 2.0: Und ein Ausblick: Wo geht hier die Reise hin, steigen hier auch größere Investoren mit ein, oder bleibt das eher etwas für kleinere Vorhaben?

Auf unserem Marktplatz werden kleine Photovoltaik-Anlagen genauso angeboten wie riesige Solarparks. Käufer sind oft auch Privatleute und Privatfonds, die sichere Anlagen suchen und so Teil der Dezentralisierung der Energieproduktion werden. Größere Investoren sind längst Teil der Energiewende, und mehr und mehr Unternehmen verstehen und sehen den Vorteil der Photovoltaik in diesem Bereich. Die Energiewende ist so für jedermann zugänglich, ob mit viel Geld oder mit weniger. Das unterstreicht wiederum die Rolle der Dezentralität, die das große Ziel der Reise ist.

Interview: Lothar Lochmaier

Written by lochmaier

Mai 15, 2013 at 2:22 nachmittags

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Green Crowdfunding: Interview mit Bettervest zum Energiesparen

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Die Macher der Plattform Bettervest setzen derzeit vor allem auf das Energiesparen über LED-basierte Beleuchtungskonzepte. Das Besondere: Ein Teil der durch innovative Technologien erzielten Energieeinsparung fließt in Form einer zusätzlichen Rendite wieder an die Unterstützergemeinde zurück. Geschäftsführer Patrick Mijnals skizziert auf meine Fragen das Konzept ausführlicher.

Social Banking 2.0: Welche Erfolgschancen bieten Crowdfunding-Plattformen zur (dezentralen) Energiewende generell?

Patrick Mijnals: Die Energiewende ist ein Gesellschaftsprojekt, das breite Partizipation erfordert und einen immensen finanziellen Aufwand mit sich bringt. Sie ist nur realisierbar, wenn sie von uns allen aktiv mitgestaltet wird. Demnach sind Plattformen für equity-based Crowdfunding (Crowdinvesting) im Energiesektor eine hervorragende Grundlage für die “Energiewende von unten”.

bettervest im Speziellen baut dabei auf die zweite Säule der Energiewende: die Energieeffizienz. Ohne diese zweite Säule ist eine erfolgreiche Energiewende aus Expertensicht nicht möglich. Laut dem alternativen “Effizienzszenario” des World Energy Outlook 2012, könnte der Anstieg des Primärenergiebedarfs nur durch Einsparungen bis 2035 halbiert werden, wenn die bislang ungenutzten Potenziale erschlossen würden. Unser Schirmherr, Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker, schildert in seinem Sachbuch “Faktor Fünf” eindrücklich, dass die Welt um den Faktor fünf effizienter mit seinen Ressourcen umgehen könnte.

SB 2.0: Inwieweit unterscheidet sich der internetbasierte Ansatz von der “klassischen” Energiegenosssenschaft (rechtlich, strukturell etc.)?

Man könnte bettervest als eine digitale Version 2.0 einer traditionellen Genossenschaft verstehen. Das ist aber keineswegs despektierlich gemeint – die meisten Genossenschaften machen ja einen fabelhaften Job. Wir sprechen aber mit schlankeren, einfacheren Strukturen und der Online-Abwicklung (zum Teil auch ganz) andere Zielgruppen anders an. Wir verstehen uns also auch nicht als Konkurrenz zum Bestehenden – schließlich haben wir ja das gleiche Ziel. Insgesamt sind uns aber nur wenige Genossenschaften bekannt, die sich mit Energieeffizienz statt mit erneuerbaren Energien befassen. Eine Ausnahme bildet der B.A.U.M Zukunftsfonds mit dem wir auch schon im Kontakt stehen. Anders als dieser, wollen wir zunächst vor allem kleine und mittlere Projekte finanzieren (vorerst bis 100.000) und den Investoren die individuelle Wahl überlassen, welches Projekt mit welchen Konditionen unterstützt wird. Bei bettervest sind auch die Einstiegshürden mit 50€ Mindest-Investment weitaus geringer als bei den meisten Genossenschaften. Rechtlich gesehen erwirbt man mit seiner Investition bei bettervest ein Genussrecht oder eine stille Beteiligung, die dem Investor eine Partizipation an den erzielten Kosteneinsparungen der Energieeffizienzmaßnahme einräumen.

Die Projekte auf bettervest setzen darüber hinaus direkt bei etablierten kleinen und mittleren Unternehmen, bei kommunalen Projekten oder solchen von Vereinen und sonstigen Institutionen an – denn quasi jeder kann Energie sparen. Die Crowd bietet den Projektinhabern darüber hinaus keinen Kredit, sondern frisches Eigenkapital. So unterstützen die Investoren nicht nur bei der Verringerung des CO2 Ausstoßes und erhalten eine stattliche Rendite, sondern helfen auch noch die regionale Wirtschaft wettbewerbsfähiger zu machen. Dies auch deshalb, weil lokale Handwerksbetriebe und die wachsende Energieeffizienzindustrie über bettervest an neue Aufträge kommen.

Last but not least, sollte man auch die kommunikative Wirkung eines Crowdfunding-Projektes nicht unterschätzen. Nach dem Motto: “Tue Gutes, und sprich darüber”, haben die Projektinhaber auch die Gelegenheit zahlreiche Unterstützer unter ihren Kunden, Mitarbeitern, Mitgliedern, Bürgern etc. zu finden und sie als aktive Multiplikatoren ihrer ökologischen Bemühungen einzubinden. Auch dabei unterstützt bettervest und unterscheidet sich so grundlegend von den anderen Plattformen.

SB 2.0: Für welche Vorhaben und Marktsegmente eignet sich das “Crowdfunding der Energiewende”?

bettervest konzentriert sich voll und ganz auf Energieeffizienzprojekte. Zu Anfang sind LED-Projekte am besten zu kontrollieren, daher wird hier zunächst der Fokus gesetzt. Später werden – bei entsprechenden Rahmenbedingungen – u.a. folgende Querschnittstechnologien interessant sein: Green IT, Heizungs- und Klimatechnik, Kraft-Wärme-Kopplung, energieeffiziente Mobilitätskonzepte…

SB 2.0: Bieten derartige neue Geschäftsmodelle auch die Chance zu einer Renaissance der nachhaltigen regionalen Wertschöpfung, etwa via Stadtwerkemodell (wenn ja, bitte genauer beschreiben)?

Die aktuelle Stadtwerke-Studie von Ernst & Young zeigt, dass Stadtwerke und regionale Energieversorgungsunternehmen bis zum Jahr 2020 rund 70 Milliarden Euro in die Energiewende investieren werden –  was sie vor große Herausforderungen stellt. In den nächsten Jahren werden sie gefordert sein, ihre Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsmechanismen zu verändern. Sie werden sich immer mehr zu ganzheitlichen Energiedienstleistern entwickeln, die sich um alle Belange in energetischen Fragen kümmern, was auch die Themen Energieeffizienz und eine klimaneutrale Ausrichtung der Kunden mit einschließt. Eine aktuelle Untersuchung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) kommt zu dem Ergebnis, dass schon rund 87 % der Energieversorger kostenlose Energieberatung anbieten.

bettervest positioniert sich vor diesem Hintergrund als Partner der Stadtwerke, der nicht nur eine alternative Finanzierungsform liefert, sondern sich auch als Informations- und Vernetzungsplattform für die gesamte Bandbreite von Akteuren vor Ort (Bürgern, Unternehmen und Institutionen) anbietet.

bettervest ist darauf ausgelegt, dem einzelnen Bürger die gezielte Förderung nachhaltiger Projekte seiner Wahl und – sofern möglich – in seinem direkten Umfeld zu ermöglichen. Damit ist es dem Konzept immanent, nachhaltige, regionale und dezentrale Wertschöpfung zu unterstützen.

SB 2.0: Und ein Ausblick: Wo geht hier die Reise hin, steigen hier auch größere Investoren mit ein, oder bleibt das eher etwas für kleinere Vorhaben?

Unser Konzept ist grundsätzlich nach oben offen skalierbar, zunächst gibt es im noch jungen Crowdfunding/-investing Markt aber einige gesetzliche Restriktionen. In den letzten Monaten haben wir viele Gespräche mit Projektinhabern, Energieberatern, großen und kleineren Investoren, Genossenschaften, Politikern usw. geführt und mussten feststellen, dass das Interesse an Crowdfunding und Energieeffizienzprojekten bei den unterschiedlichsten Beteiligten durchweg hoch ist. Beachtenswert ist auch, dass die Umsetzung einer energieeffizienten Volkswirtschaft in Deutschland schon relativ weit fortgeschritten ist, sich dennoch enorme Potentiale bieten. Global betrachtet steckt das Thema aber noch in den Kinderschuhen, wie die Prognosen renommierter Beratungsinstitutionen immer wieder bestätigen.

Wir denken bereits jetzt über ein um “Co-Funding” ergänztes bettervest 2.0 nach, in dem auch größere, institutionelle und nachhaltige Investoren eine Rolle spielen können.

Interview: Lothar Lochmaier

Written by lochmaier

Mai 13, 2013 at 7:13 vormittags

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Grünes Crowdfunding: Interview mit Dirk Völker von GreenVesting

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Wie vor kurzem angekündigt, folgen nun zur Serie über die Zukunftsperspektiven beim Green Crowdfunding einige Originaltöne. Im Interview mit Dirk Völker, Geschäftsführer der GreenVesting Solutions GmbH, kommen die Chancen der von unten beflügelten Energiewende zur Sprache.

Social Banking 2.0: Welche Erfolgschancen bieten Crowdfunding-Plattformen zur Energiewende generell?

Dirk Völker: Durch Crowdfunding steigt die Akzeptanz für die Energiewende, da die Energieproduktion von wenigen Oligopolisten weg verlagert wird hin zu vielen dezentralen Anlagen, an denen sich eine Vielzahl von Bürgern bereits mit kleinen Investitionen beteiligen können. Der Zugang zu Crowdfunding steht über das Internet jedermann offen und letztendlich entscheidet die Crowd, ob ein Projekt erfolgreich gefundet und umgesetzt wird. Crowdfunding wird daher neben institutionellen Anlegern (wie z.B.  Pensionskassen, Versicherungen, Fonds etc.) sowie privaten Investoren, die eigene Anlagen betreiben, einen immer größeren Beitrag zur Energiewende leisten. Mit dem steigenden Bekanntheitsgrad dieser Finanzierungsform in Deutschland  wird auch der Anteil der über die Crowd finanzierten Energieerzeugungsanlagen zunehmen. Dadurch wird die Energieversorgung letztendlich von wenig großer hin zu vielen kleinen Energieproduzenten verlagert.

Inwieweit unterscheidet sich der internetbasierte Ansatz von der “klassischen” Energiegenosssenschaft?

An den Projekten von Greenvesting.com beteiligt sich der Investor mit einem sog. partiarischen Darlehen. Die Zinszahlung für das jeweilige Jahr ist bei einem partiarischen Darlehen an eine erfolgsabhängige Komponente geknüpft. Im Fall der Photovoltaikanlage ist dies die produzierte Energie aufgrund der Sonneneinstrahlung. Der Investor beteiligt sich mit Mezzanine-Kapital, also Kapital das nachrangig zum Bankdarlehen aber vorrangig zum Eigenkapital der Gesellschaft ist am jeweiligen Projekt. Im Unterschied zur klassischen Energiegenossenschaft besteht darin, dass der Investor bei Greenvesting.com Gläubiger und kein Eigenkapitalgeber ist. Weiterhin gibt es fest definierte Zinszahlung in Abhängigkeit des erzielten Stromertrages. Bei einer Genossenschaft müssen die Genossen zunächst über die Mittelverwendung in der Generalversammlung entscheiden. Die Höhe der in Ausschüttung muss dort jährlich neu festgelegt werden. Aus steuerlicher Sicht hat der Investor bei beiden Formen Einkünfte aus Kapitalvermögen, die mit 25% Abgeltungssteuer (zzgl. Solidaritätszuschlag) besteuert werden.

Worauf sollten die Plattformbetreiber achten, damit der Kunde hier nicht in waghalsige Investitionsvorhaben mit ungewissem Ausgang hinein gelockt wird?

Wir bei Greenvesting.com bieten ausschließlich Beteiligungen an bereits realisierten Projekten an. Der Investor trägt daher nicht das Bau- und Umsetzungsrisiko, sondern ist an bereits Energie-produzierenden Anlagen beteiligt. Bei Photovoltaikanlagen sind die zukünftigen Erträge besonders gut planbar, zum einen da die Sonneneinstrahlung relativ genau prognostiziert werden kann und zum anderen, da über die Einspeisevergütung der erzeugte Strom für 20 Jahre zu einem festen Preis vergütet wird. Die Erträge der Anlagen können zudem täglich im Portal abgerufen werden und bieten somit größtmögliche Transparenz.  Anleger sollten darauf achten, dass sich einzelne Projekte rechtlich abgegrenzt in möglichst eigenen Gesellschaften befinden und die Einflussfaktoren für die Ausschüttung der Erträge transparent und nachvollziehbar offengelegt werden.

Für welche Vorhaben und Marktsegmente eignet sich das “Crowdfunding der Energiewende”?

Prinzipiell kann Crowdfunding für nahezu alle regenerativen Energieprojekte eingesetzt werden. Zunächst werden wir uns bei Greenvesting.com allerdings auf Photovoltaik und Windenergie fokussieren. Biogas- und Wasserkraftwerke sowie Maßnahmen zu Energieeffizienz, können aber genauso hierüber finanziert werden.

Bieten derartige neue Geschäftsmodelle auch die Chance zu einer Renaissance des Stadtwerkemodells?

Der Trend geht sicher hinzu der dezentralen Stromversorgung, wozu viele kleine Energieerzeuger nötig sind. Für die Verteilung des Stroms werden jedoch weiterhin überregionale Stromnetze benötigt. Wir sehen Stadtwerke als wichtige Impulsgeber für eine dezentrale Stromversorgung. Das Ziel von GreenVesting ist es jedoch nicht mit diesen zu konkurrieren, da die Ziele unterschiedlich sind. Uns geht es vor allem darum, einer breiten Öffentlichkeit nachhaltige und lokale Investitionen anzubieten. Damit erlangen Projekte mehr Akzeptanz und die Wertschöpfung bleibt in der Region.

Und ein Ausblick: Wo geht hier die Reise hin, steigen hier auch größere Investoren mit ein, oder bleibt das eher etwas für kleinere Vorhaben?

Das Ziel von Greenvesting.com ist durchaus auch größere Investitionen über die Crowd zu finanzieren. Das geht selbstverständlich nicht am Anfang, da man erst einen gewissen Bekanntheitsgrad und die entsprechende Userzahl erreichen muss um auch größere Beträge funden zu können. In der Pipeline haben wir aber bereits ein weiteres Photovoltaikprojekt, das mit 2,8 MW fast 10 Mal größer ist als unser aktuelles Projekt auf Usedom.

Neben den PV Projekten sind auch Windenenergieanlagen prädestiniert für Bürgerbeteiligungen über die Crowd. Oftmals werden Windparks erreichtet bei denen meist Fonds oder wenige Gutverdienende in Form von Kommanditisten die Investoren sind. Die Bürger, in deren Gemeinde die Windräder gebaut wurden, sind in den meisten Fällen nicht am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt. Die Akzeptanz der Bürgert für neue Anlagen ist daher meist nicht gegeben und es formiert sich Widerstand in Form von Bürgerinitiativen gegen Windkraft. Bei GreenVesting.com haben wir die Möglichkeit zunächst ausschließlich Bürgern aus den entsprechenden Gemeinden eine Beteiligung an „Ihren“ Anlagen zu ermöglichen.

Sollte die notwendige Fundingsumme innerhalb einer bestimmten Frist nicht erreicht werden, dann kann die Einschränkung entfallen und ist somit offen für alle Investoren. Gerade im Bereich der Windenergie scheitert die Bürgerbeteiligung oftmals am nicht vorhandenen Beteiligungskonzept und führt dann zu Unmut bei den betroffenen  Bürgern.

Interview: Lothar Lochmaier

Written by lochmaier

Mai 10, 2013 at 8:27 vormittags

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