Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Archive for März 2011

Japan (4): Was Ranga Yogeshwar mit Naturkatastrophen verbindet

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Kurz nach Beginn der Atomkatastrophe in Japan wagte sich der deutsche telegene Wissenschafts-Erkläronkel Ranga Yogeshwar - immerhin studierter Physiker, auf allen Medienkanälen präsent, aus der Deckung, und prognostizierte mutig, dass die Bürger vermutlich in drei Wochen wieder in ihre Häuser neben dem AKW in Fukushima einziehen dürften.

Das war gewagt, entspricht aber dem Leitbild des Mainstreamjournalismus, wie die Spekulanten der leichtfertigsten Sorte entweder auf fallende oder steigende Aktien zu spekulieren, statt nachzudenken, nicht zu reden – und erst danach fundiert zu informieren, hier also statt Profilneurose auch mal eine gewisse Zurückhaltung zu üben. 

Kurzum: Eine fundierte Auseinandersetzung mit dem Begriff Risiko würde so manchem mit Worten allzu leichtfertigen “selbst ernannten” Experten gut tun. Wer jedoch seine eigenen Risiken geschickt an die Allgemeinheit outsourct, wird zu solch einer noblen Haltung nie kommen.   

Die Finanzstrukturen werden sich nicht nur in der Energiepolitik ändern, wenn etwa die japanische Regierung die Atomenerige künftig “verstaatlichen” möchte. Nach dem Eisberg-Prinzip, nach der nur die oberste Spitze der Gefahren im Risikomanagement wirklich sichtbar sind, errechneten Spezialisten, analog zu den Rechenmodellen der Rückversicherer, alle Folgeschäden im “Beseitigungsdienst” (Demand Service) – welch ein schöner Fachterminus – nach dem Finanz-Tsunami “hoch”.

Die endgültige Bilanz steht zwei bis drei Jahre später freilich immer noch aus. Wie sieht wohl die um ökologische Kriterien erweiterte Schadensbilanz am Ende in Japan aus? Strahlung kennt keine Landesgrenzen. Vieles, was jetzt in einer dramatisch kurzen Zeitspanne zerstört worden ist, müsste erst wieder mühselig neu aufgebaut werden. Dabei ist jedoch eine klare Zukunftsvision erforderlich. 

“Demand Service” für den Klimaschutz?

Was aber passiert, wenn die Finanzkrise und einige weitere Katastrophen, die die Weltrisikogesellschaft neu definieren – ein durchaus zutreffender Ausdruck vom Soziologien Ulrich Beck, der andeutet, dass lokale Risiken rasch zu Herausforderungen für die ganze Menschheit werden können- tatsächlich dazu führen, bei den Bemühungen um Klima- und Umweltschutz so richtig auf die Bremse zu treten, lässt sich nur vage erahnen.

Denn einen “Aufräumdienst” für etwas auf die Beine zu stellen, was schließlich nur einmal in Form des Planeten Erde existiert, daran wagt sich noch kein Experte in der Wahrscheinlichkeitsrechnung heran. Insofern schließt sich hier der Kreis zwischen dem finanziellen Tsunami der Finanzkrise, der Naturkatastrophe in Japan – und der mittelfristig möglicher weise real drohenden “Naturkatastrophe” nach dem Eisberg-Prinzip, obwohl wir hier keinen abstrusen Weltuntergangstheorien herauf beschören wollen. 

Es stellt sich dennoch “nur” die brennende Frage, ob die Akteure bzw. Eliten dazu bereit sind, die richtigen Lehren aus den “Wirbelstürmen” und tektonischen Plattenverschiebungen der jüngsten Zeit in Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft zu ziehen. Allzu rasch dürfte das Umdenken nicht einsetzen.

Dazu wird es wohl erst kommen, wenn ein neues funktionales und logisches “Geschäftsmodell” vorliegt, nach dem sich alle ausrichteten. Darin wären alle Aktivitäten gegen die neuen Spielregeln eines nachhaltigen Risiko-Managements auch geschäftlich kontraproduktiv.

Eine schöne neue Welt, der vor allem die Vertreter einer nachhaltigen Spieltheorie etwas abgewinnen könnte. Mathematisch ist sie jedoch kaum plan- und beherrschbar. Eine “gesunde” Rendite und ein vitales Wirtschaftswachstum wären nur noch dann zu erzielen, wenn die Spieler dem kritischen Umweltpfad folgten – und nicht nur die Schäden im “Demand Service” für den ausgefallenen oder minimalistischen Klimaschutz nach der nächsten “kleinen Katastrophe” einfach eine Generation weiter reichten.

Allerdings ist es derzeit mehr als fraglich, ob aufstrebende Nationen wie Brasilien, Indien oder China sich zu einem einseitigen, umweltpolitisch und ökonomisch motivierten Bremsvorgang auf ihr jeweiliges nationales Wirtschaftswachstum durchringen. Die Vorbilder aus der westlichen Welt machen dazu schließlich kaum Mut.

Schließlich überließen die Eliten in den fort geschrittenen Ökonomien den renditeorientierten Spielern nur zu bereitwillig das Feld. Die Staats- und Wirtschaftslenker sind jedenfalls (noch) nicht dazu bereit, sich an nachhaltige Spielregeln zu halten oder gar neue aufzustellen. Vielleicht braucht es dazu noch einen weiteren “Tsunami”.

Dann jedoch könnte es zu spät sein, wenn der “wahrscheinliche” Fall eintritt, dass sich dann niemand mehr einen “Demand Service” für die Schadensbeseitigung eines einzigartigen und nicht reproduzierbaren Gutes leisten kann, unseres Planeten Erde.

Im letzten Teil der fünfteiligen Japan-Serie folgt eine Analyse der Risikowahrnehmung im kulturellen Kontext.

Written by lochmaier

März 30, 2011 at 7:14 vormittags

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Japan (3): „Cool Earth 50“ hinterlässt große Erinnerungslücke

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Die Atomenergie steht nach dem historischen Wahlsieg der Grünen in Baden-Württemberg mehr denn je auf dem Prüfstand. Energiethemen sind neben den Banken eines meiner zentralen Themen der letzten Dekade gewesen. Im Handelsblatt habe ich schon Beiträge geschrieben, als die Windenergie in der Redaktion noch belächelt wurde.

Diese Zeiten sind nun wohl endgültig vorbei, das große Rad wird sich anders drehen müssen. Aus aktuellem Anlass habe ich nun  – weil gerade dieses Thema eine Form von Social Banking 1.0 und 2.0 darstellt – ein aktuelles Energiedossier zu Japans Energieversorgung erstellt. Es soll einige kritische Einblicke vermitteln, warum das Land so sehr auf die singuläre Technik Atom gesetzt hat. 

Damit im „Land der aufgehenden Sonne“ auch in Zukunft die Energiebilanz stimmt, dafür warb ein umfassendes Umweltprogramm der Regierung. So präsentierte Wirtschaftsminister Akira Amari vor vier Jahren zum Start sich nicht nur als damaliges Partnerland auf der Hannover Messe, immerhin die weltweit führende Industriemesse. Er warb für die Grundzüge des neuen „Cool Earth 50 Programms“.

Auch Klaus Töpfer, Chairman des World Energy Dialogue auf der Hannover Messe, lobte damals in diplomatisch wohlklingenden Tönen den Wirtschaftspartner. Im Gegensatz zu vielen anderen Nationen habe das Inselreich überhaupt eine nationale Umweltstrategie definiert, kommentierte der ehemalige Direktor des UN-Umweltprogramms.

Und der damalige Wirtschaftsminister Amari sekundierte ganz flugs: Seit der Ölkrise definiere Japan mit seinen rund 130 Millionen Einwohnern Energieeffizienz „ganzheitlich“, weil strukturelle Elemente die Energiepreise weiter nach oben trieben.

Das klang damals vor dem who-is-who der Energiebranche zwar etwas allgemein formuliert, aber auch einleuchtend. Denn letztlich bedeutete Cool Earth nichts anderes als ein gut geplantes Energieeffizienzprogramm, das das Leitbild der Atomenergie auf ewig fest zementierte. In der Tat kann Japan jetzt nichts anderes tun, als sich auf seine systematische Denkweise beim Energiesparen zu berufen.

Ungeachtet der jetzigen Krise wird die Nachfrage nach Energie weltweit in den nächsten zwei Dekaden um rund 50 Prozent zunehmen, so das Szenario der Internationalen Energieagentur (IEA). Die strategische Lösung aus dem wirtschaftlichen Innovationsdilemma sollte in Japan ein „pragmatischer Energiemix“ bringen.

Der Spagat besagte, die Stromerzeugung durch den Ausbau der Atomkraft zu intensivieren. Die von der Regierung bereits zuvor verabschiedete „Neue nationale Energiestrategie“ sollte sich jedoch nicht im Ausbau der konventionellen Energieträger allein erschöpfen.

Laut Wirtschaftsministerium umfasste das Programm 21 zentrale Bereiche bzw. Technologiefelder. Dazu gehören neben der Elektronik etwa verbrauchsintensive Klimaanlagen – Zielmarke minus 68 Prozent – ebenso wie PKWs, deren CO2-Emissionen laut offiziellen Zahlen bereits von 1995 bis 2008 um über 23 Prozent abgesenkt worden seien.

Daneben sind es die vielen kleinen Schritte, die das Land künftig auszeichnen sollen, etwa im Bereich von Energiesparlampen. Ansonsten reichen die nationalen Bestrebungen, die Importabhängigkeit im neuralgischen Transportsektor weiter zu reduzieren, noch deutlich weiter. Bis 2030 soll bei den Antrieben die Diversifizierung gelingen, etwa durch Wechsel zu Methanol aus Biomasse und Gas-to-Liquid.

Gerade bei diesen Technologien steckt jedoch viel Zukunftsmusik drin, es sind vage Ansätze, oftmals sogar nicht minder in der öffentlichen Kritik stehend, wie die Produktion von Treibstoff aus erneuerbaren Energien. Um die teils heterogenen Aspekte rund um den Gegensatz zwischen Klimaschutz und Wirtschaftswachstum zu harmonisieren, setzte Japan auf einen sektoralen Ansatz in Industrie, Transport und Gewerbe ebenso wie branchenübergreifende Anstrengungen, betont der Wirtschaftsminister. Dazu gehörte bis dato auch die auf maximale Energieeffizienz getrimmte Nutzung der Kohle, die weiter ansteigen soll.

Auch das Zusammenspiel der erneuerbaren Energien wie zwischen Photovoltaik und Windenergie bewertet das Land zumindest in der Theorie als wichtiges Element. Woran es mangelt, waren konkrete Investitionen in neue Verfahren. Im den Fokus rücken die industriellen Kernbereiche. Eine denkbare Option bestand laut Wirtschaftsministerium etwa bei der Stahlerzeugung im teilweisen Ersatz von Koks durch Wasserstoff.

Aber auch dies lässt sich wenige Jahre später nur als Zukunftsmusik ohne großes symphonisches Orchester bezeichnen. Im Land der aufgehenden Sonne sattelt der Fortschritt vor allem auf dem Ausbau und dem Beharren auf den Ressourcen Atomenergie und Kohle. Auch beim G8-Gipfel in Toyako kurz nach Verabschiedung der neuen Initiative schien Japan weit von der selbst zelebrierten Vorzeigerolle entfernt.

Nationale Propaganda beschönigt negative Energiebilanz

Die kritischen Stimmen mehrten sich in den letzten Jahren, die der japanischen Regierung bei weitem keine so gute Noten in der Umwelt- und Energiepolitik ausstellen, wie dies die Verantwortlichen selbst nur allzu bereitwillig tun. Da sich die japanische Regierung mit dem Kyoto-Protokoll noch immer nicht so richtig identifiziere, sehe die Bilanz der Klimaschutzanstrengungen bislang sehr gemischt aus, bilanzierte etwa ein von der Deutschen Bundesagentur für Außenwirtschaft (BFAI) veröffentlichter Länderbericht.

Insgesamt falle die Bilanz im Bereich der Energieeinsparung sogar negativ aus, so das BFAI weiter. Denn gegenüber dem Basisjahr 1990 seien die Emissionen bis 2005 deutlich angestiegen. Um nämlich kosteneffizient einen ausufernden Klimaschutz betreiben zu können, setze Japans Regierung und die Unternehmen vor allem auf den Erwerb von Emissionskrediten durch Umweltschutzaktivitäten in asiatischen und südamerikanischen Ländern.

Gleichzeitig drängt die Europäische Union bereits auf noch deutlich strengere Verpflichtungen für die Zeit nach Ablauf des Kyoto-Abkommens. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich das von der Regierung präsentierte Zahlenwerk als ziemlich lückenhaft. Nach Inkrafttreten des Kyoto-Protokolls im Jahre 1997 glänze Japans Klimaschutz-Bilanz nicht mit den allerbesten Resultaten. Gegenüber 1990 seien die Emissionen im Jahr 2005 um 8,1 Prozent angestiegen, so jedenfalls errechnet es der BFAI. Dabei lege vor allem der Kohlendioxidausstoß seither um 13,9 Prozent zu.

Doch neben einigem Schatten gibt es auch einen Lichtstreifen. Andere Emissionen wie Schwefeldioxid und Hydrofluorcarbonat, hätte das Land hingegen im gleichen Zeitraum deutlich zurückschrauben können, so das BFAI weiter. Laut Selbstverpflichtung zielte Japan darauf ab, gemessen am Niveau von 1990 in Höhe von 1,26 Mrd. Tonnen, seine Emissionen im Zeitraum zwischen 2008 und 2012 um 6 Prozent beziehungsweise 76 Mio. Tonnen jährlich verringern. Durch die gestiegene Emissionsmenge an Kohlendioxid sei dieses Ziel jedoch kaum greifbar und realistisch, bilanziert der Länderbericht vom BFAI nüchtern.

Japan implementiert „Low Carbon Society“

Schaut man sich die Aktivitäten des Landes in der Industrie an, so zielten diese bis zum Jahr 2030 darauf ab, landeweit in den unterschiedlichen Sektoren die Energieeffizienz deutlich zu erhöhen. Laut Empfehlungen des Advisory Committee on Energy and Natural Resources soll es in den Jahren zwischen 2005 und 2030 eine Energieeinsparrate von 30 bis 40 Prozent geben.

Allerdings ist dieses Szenario nur mit allergrößtem Optimismus zu betrachten, sprich, wenn alle vorhandenen technischen Lösungen maximal umgesetzt werden. Gerade in Japans Industriesektor, der offenbar zu den energieeffizientesten weltweit zählt, soll gemäß dem „Keidanren Voluntary Action Plan on the Environment“ zu erheblichen weiteren Einsparungen beim Energieverbrauch eingetreten sein.

Nach offizieller Lesart ließen sich mit Blick auf die Stahl- und Chemiebranche, die immerhin zu den größten Energiekonsumenten zählen, durch fortschrittliche Technologien klare Verbesserungen erzielen. Viel Lärm um nicht – denn noch aber gilt es, diese Potenziale überhaupt zu identifizieren und zu heben. Zwar sei die Energieeffizienz, gemessen am Einsatz in der Produktion, zumindest in der Industrie im internationalen Vergleich als sehr gut zu bewerten, so die Experten von der Bundesagentur für Außenwirtschaft (BFA).

Demnach befand sich Japan bereits nach einer Studie der International Energy Agency 2003 auf dem ersten Rang. Jedoch weisen andere Randzonen und Branchen sowie die Privathaushalte eine deutlich schlechtere Bilanz, die wiederum zu gravierenden Rückkoppelungen auf den industriellen Sektor führt. So konnte zwar die verarbeitende Industrie im Zeitraum zwischen 1990 und 2005 ihren Ausstoß an Kohlendioxid für Energiezwecke zwar um 3,2 Prozent senken. Jedoch expandierten parallel dazu die Emissionen des Servicesektors mit 42,2 Prozent.

Ebenso stark nahm der Ausstoß der Haushalte mit 37,4 Prozent und beim Transportsektor mit 18 Prozent zu. Bei den Energieerzeugern war laut Angaben des japanischen Umweltministeriums zudem ein Anstieg um 9,7 Prozent zu verzeichnen, was das gute Bild nahezu vollständig konterkariert.

Die „Energieverschwender“ im Überblick:

  1990 2005
Industrie 482 466
Transport 217 257
Service 164 234
Haushalte 127 175
Energieerzeuger 67,9 74,4
Gesamt 1.059 1.206

 

Quelle: Greenhouse Gas Emissions in Japan 2005/Ministry of Environment (17.10.2006)

Was nun die Aktivitäten in den einzelnen Industriebereichen angeht, so ergibt sich ebenfalls ein recht gemischtes Lagebild. Im Januar 2007 gaben etwa die Stahlhersteller und Energieerzeuger bekannt, dass sie von nun an jährlich Emissionsrechte für 12 Mio. Tonnen Kohlendioxid erwerben wollten, um ihre selbst anvisierten Verpflichtungen zu erreichen.

Immerhin produzieren die beiden Branchen rund 50 Prozent der Treibhausgase vom gesamten industriellen Sektor in Japan. Allein die Elektrizitätsunternehmen verursachen bis dato rund 12 Mio. Tonnen der insgesamt 75,2 Mio. Tonnen an Kohlendioxidemissionen in Japan. Deutlich besser schnitt offenbar die chemische Industrie ab, folgt man zumindest den Angaben der nationalen Behörden.

Einem Bericht der Japan Chemical Industry Association zufolge hatte die Branche bereits im Jahr 2005 eine 15-prozentige Verringerung gegenüber 1990 umgesetzt – und das bei einer Ausweitung der Produktionsmenge um 29 Prozent. Zwar liege der Kohlendioxidausstoß um zehn Prozent höher als im Vergleichsjahr 1990. Jedoch habe die chemische Industrie die Erzeugung von Hydrofluorkohlenstoffen stark zurückgefahren, die 2005 gegenüber 1990 um 15 Prozent niedriger ausgefallen sei.

Selbst im offiziellen Bild relativ negativ beleuchtet wird hingegen der Transportsektor, der zweitgrößte Verursacher von Kohlendioxidemissionen. Insbesondere die Emissionen im  Personentransportverkehr nahmen wegen des privaten Pkw-Verkehrs wie auch der Flugzeugnutzung sehr stark zu. Hingegen konnte der Lastentransport offenbar seine Emissionsanteile verringern. Ein nicht ganz freiwilliger Schritt, denn für Logistikunternehmen kam das nationale Energiespargesetz voll zum Tragen.

Gerade dieses Energiespargesetz verlangt nun von jenen Firmen, deren Transportleistung mehr als 30 Mio. Tonnenkilometer pro Jahr beträgt, dass sie individuelle Energiesparpläne vorlegen – und darin regelmäßig über ihren Energieverbrauch berichten. Daher stehen gerade Logistikunternehmen unter besonderer Beobachtung, weshalb sie danach streben, die internen Distributionssysteme weiter zu optimieren und an ihre Geschäftsstrategien anzupassen, um letztlich den Erfordernissen der Energiesparauflagen überhaupt entsprechen zu können.

Das Cool Earth-Innovative Energy Technology Programm

Im Kern zielt die vom früheren japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe angekündigte Klimaschutzinitiative „Cool Earth 50“ unter Einbeziehung anderer Länder auf eine Halbierung der CO2-Emissionen bis zum Jahr 2050. Um kooperationswillige Entwicklungsländer einzubinden – insbesondere China – sollen die neuen Partner bei der Emissionsbeschränkung unterstützt werden.

Dazu möchte Japan auch neue Finanzierungsmechanismen und Instrumente entwickeln. Das Fernziel besteht in einer „Low Carbon Gesellschaft“, bei der jeder Mensch nur ein Kilogramm CO2 pro Tag produziert. Vieles was Cool Earth als Vision einer klimafreundlichen Gesellschaft aufzeigt, sind zwar innovative Technologien, die sich jedoch allesamt noch im Anfangsstadium der Entwicklung oder gar im Forschungsstatus befinden.

Daraus eine klare Roadmap für die industrielle Entwicklung abzuleiten, erscheint auch nach der Atomkatastrophe mehr als gewagt. Vor allem wenn man bedenkt, dass das konkrete Planszenario auf dem forcierten Ausbau der Atomenergie fußt – und möglicherweise auch weiter basieren wird. Auch die Intention der Regierung, das Einbinden von Drittländern als zentrale Voraussetzung zu beschreiben, um die ambitionierten Klimaziele zu erreichen, erscheint gewagt.

Zwar unterhält Japan sicherlich stabile Wirtschaftsbeziehungen zu China. Jedoch dürften gerade aus dem Reich der Mitte erhebliche politische Widerstände bei der konkreten Einbindung in europäische und sonstige Klimaschutzziele nach dem Kyoto-Protokoll zu erwarten sein.

Das im März 2008 veröffentlichte Programm bietet deshalb in seiner Zusammenfassung von 58 Seiten vor allem eine nationale Plattform bzw. Leistungsschau, einerseits mit Blick auf die einheimische Umwelttechnik, so etwa die Photovoltaik, energieeffiziente Autoantriebe oder die Brennstoffzellenentwicklung.

Neben kleinen Positionsleuchten gibt es allzu viele lange Schatten in der Historie. Denn das Papier beschränkt sich weitgehend darauf, den Status Quo bzw. die Fortschritte in der allgemeinen wirtschaftlichen Prozessinnovation zu beschreiben, so etwa in den industriellen Kernbereichen wie Chemie- und Stahlindustrie.

Einige Experten feiern die Geothermie als die Lösung für Japan. Aufgrund der Erdbebengefahr und der technischen Komplexität aber alles andere als ein Selbstläufer. Vor allem gilt: Nach der schleichenden Atomkatastrophe und dem möglicherweise eintretenden massiven Vertrauensverlust in der Bevölkerung steht diese freundliche Umarmungspolitik hier wie dort angesichts einer ausschließlich renditemaximierenden Lobby mehr denn je auf dem Prüfstand.

— Im vierten und fünften Teil schließe ich die Japan-Serie mit zwei Beiträgen zum facettenreichen Begriff des Risikomanagements ab —

Written by lochmaier

März 28, 2011 at 7:14 vormittags

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Umweltkatastrophe in Japan (2): Lernen von der Natur

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Den Rückversicherern fällt die Aufgabe zu, mit theoretischen Modellen die Wahrscheinlichkeit einer Naturkatastrophe möglichst präzise vorauszuberechnen. Denn die entsprechenden Versicherungspolicen setzen genau auf jenen mathematischen Berechnungsgrundlagen auf, die auch die Basis für die Ermittlung der individuellen Risikoprämien bilden.

Via ARD-Börse gibt es eine Übersicht über die Schadensermittelungen der Rückversicherer zur Katastrophe in Japan. Offiziell bewegen wir uns noch in einem einstelligen Milliardenbereich. Jedoch lassen sich auch hier – ähnlich zum Finanz-Tsunami – die Effekte nur eingeschränkt abbilden, beziehungsweise in einem konsistenten Simulationsszenario voraus berechnen. So hat der Hurrican Katrina im Jahr 2005 in den USA zwar mit 50 Mrd. Euro durchaus ein vorhersehbares Schadensvolumen ergeben.

Jedoch sahen sich die Rückversicherer damit konfrontiert, zusätzliche Schäden an den Ölplattformen in Höhe von weiteren mehr als zehn Mrd. US-Dollar als Mehrbelastung verkraften zu müssen. Das ist trotzdem nur ein kleines “Restrisiko”, ähnlich wie bei einem Baum, der das Dach eines privaten Einfamilienhauses beschädigt hat. Denn der Folgeschaden infolge der Turbulenzen an den Finanzmärkten bewegt(e) sich im Vergleich dazu in einer ganz anderen, nämlich Schwindel erregenden Dimension.

Mit den Worten eines Buchhalters kann man es so ausdrücken: Ein historischer Wirbelsturm oder Erdbeben verursacht höchstens ein Achtel bis ein Viertel der Schadenssumme, die uns voraussichtlich der nächste Tsunami am Finanzmarkt bescheren würde. Von einer wesentlichen Lektion nach dem Wirbelsturm Katrina an der US-Küste, dem “Störfall” von BP im Golf von Mexiko, oder eben den aktuellen Geschehnissen, kann die Finanzwirtschaft deshalb zweifellos schon heute lernen. Und vom “Störfall” in Japan noch deutlich mehr.  

Die gängigen mathematischen Modelle zur Risikomodellierung unterschätzen nämlich sowohl die Reparatur- als auch die Wiederbeschaffungskosten. Die reine Zufallswahrscheinlichkeit von Naturereignissen stellt – selbst beim Klimawandel – keine entscheidende Hürde dar. Man könnte sie ja theoretisch voraus berechnen bzw. als Risikoprämie in die Versicherungspolice “ein- preisen”.

Hingegen bringt die im Fachjargon der Rückversicherer relativ harmlos als “Demand Service” bezeichnete volks- und betriebswirtschaftliche Beseitigungsarbeit nach gewaltigen Katastrophen die Forscher vor neue und bislang ungeahnte Herausforderungen – gerade mit Blick auf den Transfer von Modellen aus der Natur in die Finanz- oder Realwirtschaft. Sprich: Wie erstellt man ein Risikomodell für etwas, was es, wie die Erde, leider nur einmal auf der Welt gibt?

Natürlich könnte man selbst die Folgekosten eines Umzugs der Erdbevölkerung auf andere Planeten in einem Rechenmodell erfassen. Jedoch führten derartige “Black-Box-Modelle” definitiv in die Irre, denn nicht jeder Erdbürger wird sich diesen Umzug finanziell leisten können, wie das Beispiel Japan eindrücklich belegt, so wie Milliardäre sich heute durchaus mal rasch einen kleinen Flug in den Orbit gönnen.

Kurzum: Lassen sich 40 Mio. Menschen aus Tokio so einfach evakuieren? Und wenn ja, wohin, von der Ersten in die Dritte Welt?

Als entscheidendes Kriterium bei der Modellierung von realen Risiken mit Blick auf die Folgen des Klimawandels und anderer “Naturphänomene” ist ein eher simples Hilfskonstrukt anzusehen, nämlich vor allem die vorhandene Datenqualität beim Anwender. Denn allein eine Mischung aus klassischer Differentiallehre, Stochastik und Statistik steht auf tönernen Füßen.

Man kann es auch mit einer besonderen Variante der mathematischen Spieltheorie prägnant so ausdrücken: Ebenso wie bei der Errechnung einer mathematischen Zufallsauswahl in der Online-Heiratsvermittlung oder bei der Versteigerung einer UMTS-Lizenz kommt es am Ende nicht unbedingt auf die wissenschaftliche Methode an, sondern eher auf den gesunden Menschenverstand – jenseits aller gängigen Methodenlehre.

Im Klartext: Die Realität verläuft analog zu einer Ehe oder auch bei den in Deutschland oder Großbritannien versteigerten UMTS-Lizenzen etwas anders, als es ein prognostiziertes Chancen-Risiko-Modell voraussehen kann. Letzten Endes ist jede Methode “per se” falsch oder unzureichend” – und somit lediglich als theoretisches Hilfskonstrukt zu verstehen.

Im übertragenen Sinne sind somit auch Ansätze wie Value-at-Risk oder Basel II nur als Annäherung an eine jeweils mehr oder minder transparent definierte Realität gedacht. Oder, um auf die historischen Wurzeln des Begriffs “Risiko” zurück zu kommen, man muss die Methoden – wie beim Untergang der Titanic – konsequent auf die Gefahren unterhalb der Wasseroberfläche anwenden. Auch dort überlebten überwiegend die gehobenen Schichten, während die Armen in den unteren Decks untergingen. So würde es auch bei einer ausufernden Katastrophe in Japan sein.

— Fortsetzung folgt — 

Written by lochmaier

März 23, 2011 at 1:59 nachmittags

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Nuklearkatastrophe in Japan (1) – und die ungelernten Lektionen

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Wer den heute erschienenen Beitrag im Blicklog gelesen hat, warum das Unglück in Japan definitiv kein Schwarzer Schwan war, der erahnt, was ein Unglück ist, mit dem niemand gerechnet hat, und mit dem vielleicht doch irgendwann zu rechnen war. Anders gefragt: Was ist wirklich “wahrscheinlich” in dieser Weltrisikogesellschaft? 

Die Umwelt- und Atomkatastrophe in Japan hat viele Fragen aufgeworfen, wie Finance 2.0 es beleuchtet. Was wäre ein konstruktiver Kapitalismus? Für die einen ist es der Beginn des regenerativen Zeitalters, für die anderen ist Japan nur ein technischer Einschnitt in die Reaktorsicherheit. Wiederum andere sehen Einstiegsmöglichkeiten in gefallene oder gestiegene Aktien.

Ob man Jodtabletten in Deutschland bunkern oder gar einnehmen muss, lasse ich mal dahin gestellt. Es sollen hier ohnehin keine ergänzenden aktuellen Informationen zu dem medial ohnehin dauerpräsenten Ereignis präsentiert werden, sondern eine Betrachtung anhand des Leitbegriffs “Risikomanagement” erfolgen – und zwar mit Blick auf die Umwelt und die Finanzmärkte. Dies geschieht in vier Teilen, der letzte Beitrag rundet das Thema dann kurz und prägnant aus einer kulturellen Wahrnehmungsperspektive ab.

Der Begriff Social Engineering beschreibt vereinfacht ausgedrückt, dass Menschen die “falschen” Risiken als reale Bedrohung wahr nehmen. So stellt sich immer wieder aufs Neue die Frage, ob Menschen überhaupt in der Lage sind, die Wahrnehmung von Chancen und Risiken überhaupt nach ihrer objektiven Relevanz zu bewerten, etwa den sozialen und umweltpolitischen Sprengstoff, der sich in der extrem ungleichen Verteilung des Machtmittels Gelds wider spiegelt.

Man kann diese Zusammenhänge aber auch, statt einen ausufernden akademischen Diskurs über Geldtheorien zu führen, was die Welt im Innersten trennt oder zusammen hält, weit banaler beschreiben: Aus dem Krisenmanagement gibt es ein aktuelles Beispiel: Wer etwa zum Urlaub in die USA reist, denkt wohl zunächst eher an das potentielle Risiko eines Terroranschlags als an eine zusätzliche Auslandskrankenversicherung.

Eine Art allgemeine menschliche Betriebsblindheit zeichnet uns aus. Das Problem: Während innerhalb der Europäischen Union auch im Ausland die Kosten etwa bei einem Krankenhausaufenthalt übernommen werden, sieht es im Land der unbegrenzten Möglichkeiten etwas anders aus. Ein mehrtägiger Aufenthalt kann bereits Kosten in Höhe von mehreren zehntausend Dollar verursachen.

In den USA, in einem Land also ohne ein ausgeprägtes, staatlich gesteuertes soziales Auffangnetz, ist Gesundheit nur teuer zu erkaufen. Wer denkt schon an diese verborgenen “systemischen” Risiken, die letztlich nur von Menschenhand gestaltete Konstrukte darstellen, wenn der Reisende sich irgendwo zwanglos im Urlaub bewegen möchte?

Deutlich mehr Menschen sterben auch im Haushalt als auf der Straße oder in einem brennenden Flugzeug. Ein schräges Bild der Risikowahrnehmung entsteht, das die Medien durch eine selektive Berichterstattung und “proprietäre”, sprich zielgeleitete Kommunikationskanälen noch weiter verzerren oder zumindest in die eine oder andere Richtung verstärken. So wie derzeit bei der Diskussion um die Atomenergie der Fall. Wird es jenseits von rhetorischen Floskeln hier ein Umdenken geben?

Rückversicherer kalkulieren Jahrhundertrisiken

Wir nehmen also die subjektiv “falschen” Risiken wahr, das hat der GAU in Japan, potenziert durch ein Erdbeben und einen Tsunami verdeutlicht. Banale Risiken, wie ein defektes Kabel im Computernetzwerk, das immense Schäden verursachen kann, werden unterschätzt, und Risiken, die permanent im Fokus der Öffentlichkeit stehen, sind vielleicht deutlich überbewertet.

Wie komplex die Risikomodellierung in der Praxis für die Spezialisten tatsächlich ausfallen kann, lässt sich am Beispiel einer Rückversicherung sichtbar machen. Die Rückversicherer sind dazu da, Jahrhundertrisiken zu bewerten. Meist tun sie dies von der Öffentlichkeit ziemlich unbemerkt. Sie haben auch das World Trade Center in New York gegen Erdbeben versichert, wohl kaum aber die Gefahr eines Terroranschlags voraussehen können, wie er sich am 11. September 2001 ereignet hat.

Aber auch der “Finanz-Tsunami” hatte weniger etwas mit der Gewalt einer sich in einem halbwegs regelmäßigen Zyklus ereignenden Naturkatastrophe gemein. Der wahrscheinliche Eintritt eines Erdbebens oder Wirbelsturms lässt sich noch halbwegs prognostizieren, nicht aber eine singuläre Finanzkrise, die sich kaum mit jener von 1931 oder 1987 oder 2001 vergleichen lässt (siehe: Grafiken der Hannover Rückversicherung).

— Fortsetzung folgt —

Written by lochmaier

März 21, 2011 at 9:02 vormittags

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Teil IV: (Business) Crowdfunding mit seedmatch

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Im letzten Teil der vierteiligen Serie zum Thema Crowdfunding (plus voran gegangener Einführung) erläutert nun Geschäftsführer Jens-Uwe Sauer von seedmatch in Dresden den neuen geschäftlichen Ansatz, der sich am besten mit dem Begriff “Business Angels 2.0″ beschreiben lässt:  

Social Banking 2.0: Ist dies ein neues Geschäftsmodell, das auch die Welt der Unternehmensfinanzierung nachhaltig tangieren wird, oder bleibt es ein Randbereich für Mikrospenden und Einzelprojekte?

Jens-Uwe Sauer: Crowdfunding für Startups wird eine wichtige Säule für die Finanzierung  junger Unternehmen werden. Einerseits weil Frühphasenkapital in Deutschland  – insbesondere im internationalen Vergleich – eine Mangelware ist. Und andererseits auch,  weil Menschen, die nicht über das Portemonnaie eines Business Angels verfügen, sich mit kleinen Tickets an spannenden Unternehmenskonzepten beteiligen können. Damit demokratisiert Crowdfunding den Venture Capital Markt.

Social Banking 2.0: Welchen Einfluß hat es auf die Geschäftswelt?

Mit Crowdfunding liegt die Entscheidung, ein Startup zu finanzieren, nicht mehr bei einem Investmentmanger oder einem kleinen Investmentteam. Es sind die Verbraucher, die mit ihrem „Mikro-Engagement“ über eine Finanzierung abstimmen und damit vorab ein Marktresearch über die Attraktivität eines Produktes abliefern.

Der Einfluss der Crowd auf die positive Entwicklung eines Startups wird ein zentraler Mehrwert sein, den das Startup durch Crowdfunding erlangt. Die Crowd erzeugt Buzz, indem sie über ihr Startup spricht, es weiterempfiehlt und dessen Produkte selbst konsumiert.  

Social Banking 2.0: Welche Rolle könnte dabei seedmatch spielen, gibt es evtl. bereits konkrete und vorzeigbare Projekte?

Seedmatch wird den Bereich der Eigenkapitalfinanzierung von Startups abdecken. Der Fokus liegt dabei auf jungen Unternehmen mit Innovationskraft und skalierbaren Geschäftsmodellen. Idealerweise hat das Gründerteam ein fertiges Produkt vorzuweise oder steht kurz vor dem Markteintritt.

Seedmatch hat sich teilweise selbst durch Crowdfunding aus den auf der Plattform registrierten Usern finanziert. Damit hat Seedmatch gezeigt, dass Mikroinvestments in Deutschland funktionieren (Proof of Concept gezeigt), auch ohne dass ein persönlicher Kontakt besteht. Die ersten Projekte auf Seedmatch wird es in Q2 geben.

Social Banking 2.0: Blockt der CFO eine derartige Initiative aufgrund von Compliance, aber auch dem drohenden Machtverlust, eher ab?

Die jungen Gründer sehen einen hohen Kommunikations- und Verwaltungsaufwand auf sich zukommen, der sich allerdings in Grenzen hält, wenn das Startup ohnehin Social Media als eine wichtige Säule seiner Marketingaktivitäten identifiziert hat. Der anfallende Verwaltungsaufwand wird überschätzt, weil Seedmatch entsprechende Schnittstellen für die steuerliche Abrechnung usw. bietet.

Einen größeren Machtverlust als gegenüber einer Business-Angels- oder VC-Finanzierung gibt es nicht. Im Gegenteil, Crowdfunding bringt mit der Crowd ein hohes Potential an Aufmerksamkeit usw. mit.

Social Banking 2.0: Brauchen wir erst eine andere Unternehmenskultur, oder spricht hier der Markt seine eigene Sprache?

Crowdfunding braucht eine Orientierung hin zu Social Media, eine Bereitschaft zu Transparenz und die Überzeugung, dass mit der Einbindung der Crowd in die Unternehmenskommunikation mehr erreicht werden kann. Ohne diese drei Voraussetzungen sollte das Startups nicht bei Crowdfunding nicht anklopfen.

Social Banking 2.0: Bis in welche Größenordnungen könnte “Business Crowdfunding” vorstoßen, bleibt es bei kleineren Finanzierungen für einzelne Personen oder Start ups, oder lässt sich das Modell auch weiter nach oben skalieren? 

Crowdfunding für Startups kann leicht Summen von 500.000 Euro für ein einzelnes Projekt zusammentragen. Allerdings ist auch diese Form der Eigenkapitalfinanzierung teurer als jeder Hausbankkredit. Eine intelligente Unternehmensfinanzierung sollte daher niemals Fördermittel und günstige Fremdkapitalkredite außer Acht lassen.

Interview: Lothar Lochmaier

Written by lochmaier

März 17, 2011 at 7:57 vormittags

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Teil III: (Business) Crowdfunding mit cofundit

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Mit von der Partie in dieser Folge der kleinen Serie zum Thema Crowdfunding ist auch die Schweizer Plattform Cofundit. Business Development Manager Gerrit Sindermann erläutert im Schlagabtausch mit Social Banking 2.0 den konzeptionellen Ideenansatz.

Social Banking 2.0: Ist dies ein neues Geschäftsmodell, das auch die Welt der Unternehmensfinanzierung nachhaltig tangieren wird, oder bleibt es ein Randbereich für Mikrospenden und Einzelprojekte?

Gerrit Sindermann: Crowdfunding hat gute Chancen, auch einen Marktanteil bei Unternehmensfinanzierungen einzunehmen. Insbesondere fuer Transaktionen, die für institutionelle Investoren entweder zu klein oder zu „unberechenbar“ sind, können Klein(st)beitraege von individuellen Investoren eine interessante Alternative darstellen.

Diese können andere Risiken akzeptieren als Investoren, die treuhänderisch Vermögen verwalten. Auch spielen beim Privatinvestor sicherlich häufiger geographische Nähe und Begeisterung für das Unternehmen eine stärkere Rolle als bei einer traditionellen Finanzierung.

Ein wichtiger Erfolgsfaktor im Reifeprozess des Crowdfunding wird die systematische Unterstützung der Crowdinvestoren bei ihrer vor Entscheidungsfindung – sowohl vor wie nach dem Investment, durch Finanzkennzahlen oder auch Unterstützung in der Frage, welchen Zinssatz der Investor von einer Firma verlangen kann oder sollte.

Social Banking 2.0: Welchen Einfluß hat es auf die Geschäftswelt?

Für Unternehmer ergeben sich neue Chancen und Herausforderungen. Erkenntnisse aus dem Umgang mit Social Media Marketing lassen sich zu einem guten Teil übertragen. Ein selbstbewusster und offener Umgang mit durch Crowdfunding Plattformen erreichbaren Nutzern, Kunden oder Investoren kann in erheblichen Reichweitenvorteilen resultieren.

Während Unternehmen in der Vergangenheit zumeist von der wohlwollenden Beurteilung einiger weniger Finanzintermediaere abhingen, können sie nun mit Investoren in  Kontakt treten, die bisher keinen direkten Zugang oder Mitentscheidung bei der KMU-Finanzierung hatten.

Wichtig ist für Unternehmen, eine Crowd-Finanzierungsrunde ähnlich sorgfältig zu behandeln wie PR. Besser gesagt, Crowdfunding ist dann am erfolgreichsten, wenn es viel (positive) Aufmerksamkeit erzeugt. Interessant ist überdies der angenehme „Nebeneffekt“, dass der breite Aufruf an mögliche Investoren auch gleichzeitig kommerziellen Werbeeffekt hat.

Ein Kreislauf kann entstehen, wenn Kunden mit solch einer Aktion zu Investoren werden und umgekehrt. Eine grössere Anzahl an Direktinvestoren hat schliesslich den Vorteil, dass diese allein schon im Eigeninteresse den Namen des Unternehmens verbreiten, um zum Geschäftserfolg – und somit auch dem des eigenen Investments – beizutragen.

Social Banking 2.0: Welche Rolle könnte dabei cofundit spielen, gibt es bereits konkrete Projekte?

Cofundit hat bereits eine erste Platzierung von CHF 170.000 erfolgreich abgeschlossen – fuer Faction Skis (www.factionskis.com), einen jungen aufstrebenden Skiproduzenten aus Verbier. Faction war die letzten zwei Jahre dank Angel-Startfinanzierung bereits stark gewachsen. Fuer die Saison 2010/11 war nun das Orderbuch zu gross, um den Einkauf der Basisstoffe aus eigenen Mitteln vorzufinanzieren. Dieser Liquiditaetsbedarf über 6 Monaten wurde über die Cofundit Plattform bei sieben Investoren innerhalb eines Monats platziert.

Die nächste potentielle Finanzierungsrunde steht nun mit KeyLemon an, einer jungen Firma, die eine sehr nutzerfreundliche Zugangssicherungssoftware auf Basis von Gesichtserkennung entwickelt hat. Neben erstem erfolgreichem Retailverkauf hat die Firma schon einen grossvolumigen OEM-Vertrag für einen Pilotmarkt abschliessen können. KeyLemon wird in den kommenden Wochen gemeinsam mit Cofundit für einen mittleren sechsstelligen Betrag nach Investoren suchen.

Social Banking 2.0: Crowdfunding bleibt wohl – direkt in der Unternehmensfinanzierung angesiedelt – zunächst noch ein Randphänomen, unter anderem wegen diverser Regularien. Blockt der CFO eine derartige Initiative aufgrund von Compliance, aber auch dem drohenden Machtverlust, eher ab?

Cofundit fokusiert sich auf die Vergabe von Darlehen, wodurch die mit Eigenkapital verbundenen Mitentscheidungsrechte der Investoren wegfallen. Deshalb ist ein drohender Machtverlust nur bedingt ein (wirklicher) Grund. Im Gegenteil, geschickt addressiert, kann ein sprunghaft angewachsenes Beziehungsnetzwerk mit verstreut angesiedelten Individuen durchaus die eigene Position und Reichweite stärken. Ausserdem verschafft sich der CFO eher einen zusätzliche Verhandlungsspielraum gegenüber konventionellen Finanzierungshaüsern. Allerdings wird in den neuen Kanälen häufig eine deutlich offenere, direktere und schnellere Kommunikation erwartet.

Social Banking 2.0: Sprich, brauchen wir erst eine andere Unternehmenskultur, oder spricht hier der Markt seine eigene Sprache?

Crowdfunding wird nicht jeden Manager ansprechen, erfordert es doch einen neuen Denkansatz und eine in der Vergangenheit selten geübte Transparenz und Offenheit voraus. So werden sich anfänglich zumeist jüngere Unternehmenslenker an Crowdfunding heranwagen, die bereits mit Social Networks und ähnlichen Phänomenen aufgewachsen sind. Werden mehr und mehr Erfolge durch Crowdfinanzierung bekannt, wird dann aber auch ein Teil der „anderen“ Unternehmer nachziehen. Wichtig ist dafür aber auch, ein Mindestmass an Diskretion von vertraulicher Information zu gewährleisten, z.B. durch geschützte Bereiche in denen detailliertere Finanzinformationen zur Verfügung gestellt werden.

Außerdem ist eine der Herausforderungen für Crowdfundinganbieter, Lösungen zur Verfügung zu stellen, die eine effiziente Kommunikation zwischen Unternehmen und Investoren ermöglichen wie zum Beispiel Cofundit Investor Webcast oder Live Events – kein CFO kann (oder sollte) Einzelanfragen von 50, 100 oder mehr Investoren beantworten.

Social Banking 2.0: Bis in welche Größenordnungen könnte “Business Crowdfunding” vorstoßen, bleibt es bei kleineren Finanzierungen, oder lässt sich das Modell auch weiter nach oben skalieren?

Einige Modelle für die Web 2.0 Bank, wie zum Beispiel Fidor, gibt es ja schon. An sich ist die Crowdfunding Branche wie andere Industrien darauf angewiesen, Skaleneffekte zu realisieren, um nachhaltig profitabel zu arbeiten. Allerdings ist dabei zu beachten, dass die Konzentration der Kreditvergabe in der Vergangenheit auch zu einer Verknappung der Kreditmittel für junge Unternehmen geführt hat, da Großbanken häufig die Tuchfühlung mit diesem Segment verloren und als zu riskant eingestuft haben.

Crowdfunding hat das Potenzial, eine bevorzugte Finanzierungsquelle werden für Unternehmen die alternative Brückenfinanzierungen auf Darlehensbasis suchen. Es ist deshalb ein attraktiver Ansatz für neue Geschäftsmodelle in der Finanzintermediation oder Mittelallokation – als dauerhafte Alternative zur Bankfinanzierung.

Interview: Lothar Lochmaier

Written by lochmaier

März 14, 2011 at 2:25 nachmittags

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Teil II: (Business) Crowdfunding mit startnext

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Und hier geben die Macher der Internet-Plattform startnext, über die Künstler, Kreative und Erfinder ihre Projekte finanzieren lassen können, einen Einblick hinter ihre Kulissen: 

Social Banking 2.0: Ist dies ein neues Geschäftsmodell, das auch die Welt der Unternehmensfinanzierung nachhaltig tangieren wird, oder bleibt es ein Randbereich für Mikrospenden und Einzelprojekte?

Denis Bartelt | tyclipso.net]: Spätestens seit den politischen Veränderungen in der Arabischen Welt verursacht durch Social Networks, erkennen auch Konsumenten mit geringerer Internet-Affinität, dass sich hier etwas verändert hat. Wird diese neue Macht erst einmal im Bereich Produktenwicklung erkannt, werden große Marken an Gewicht verlieren, weilen ihnen zum Teil die Dynamik für schnelles Handeln fehlt.

Es wird definitiv eine Verschiebung zugunsten solcher Projekte geben, bei denen sich die Crowd einbringen kann. Die Masse macht‘s! Es gibt aber Bedingungen: Ein Geschäftsmodell oder eine Idee muss wirklich so gut und nachvollziehbar sein, dass es der Konsument sofort versteht, für notwendig hält und braucht.

Ist dies der Fall, funktioniert Crowdfunding in Zukunft auf jeden Fall und wird viele Geschäftsprozesse und Entstehungsgeschichten von Unternehmen beeinflussen. Crowdfunding gleicht einem Elevator-Pitch: Mit nur wenigen Mitteln muss das Projekt verstanden sein, Fans müssen generiert werden, der „Aha-Effekt“ möglichst groß sein. Wer eine Community mitbringt, ist klar im Vorteil. Projekte in den USA haben aber gezeigt, dass man auch durch das Anzapfen existierender Communities sein Ziel erreichen kann. Am Beispiel von „Apple“-Accessoires, die immer wieder hunderttausende Dollar einspielen. Leichtes Spiel für Produktdesigner.

Social Banking 2.0: Welchen Einfluß hat es auf die Geschäftswelt?

Denis Bartelt | tyclipso.net]: … Mehr Transparenz, mehr Kapital, weniger Spekulation, bessere Involvierung der Geldgeber. Der Prozess selbst ist Teil des Produktes und deshalb unterhaltsam. Klassische Marketingfloskeln werden hinfällig. Das Produkt wurde durch die Crowd bereits „geadelt“.

„Schau mal, im Laden steht ein neuer Rasierer! Ich habe dessen Entwicklung begleitet, Ideen gegeben, Geld geben und bin ein Teil der Idee.“

Social Banking 2.0: Welche Rolle könnte etwa startnext spielen, gibt es evtl. bereits konkrete Projekte, die auch über den rein künstlerischen Bereich hinausgehen, die Grenzen zwischen Kunst und Geschäft sind ja ohnehin fließend, da jeder irgendwie sein Geld verdienen will und muss?

Denis Bartelt | tyclipso.net: Es gibt diese Projekte bei Startnext. Die Vorbereitungen dazu sind jedoch enorm und werden noch einiges an Zeit brauchen. Derzeit werden Erfindungen und größere Produktionen in den Bereichen 100.000-300.000 € geplant, die vor allem Endkunden ansprechen werden.

Social Banking 2.0: Schließlich könnten auch die Unternehnen selbst für bestimmte definierte Projekte sich die finanzielle Unterstützung aus der großen “Firmencommunity” zusammen stellen, was somit indirekt die Finanzstrukturen tangieren würde. Allerdings bleibt der Trend Crowdfunding – direkt in der Unternehmensfinanzierung angesiedelt – zunächst noch ein Randphänomen, unter anderem wegen diverser Regularien. Blockt der CFO eine derartige Initiative aufgrund von Compliance, aber auch dem drohenden Machtverlust, eher ab?

[Denis Bartelt | tyclipso.net]: Die Macht der Crowd im Zusammenhang mit Finanzierungen ist heute noch schwer abschätzbar. Geldgeber konnten schon immer auch Einfluss und womöglich Veränderung von Produkten und Zielen in einem Unternehmen erreichen. Bisher war dies kontrollierbar, weil nur wenige Zugang zu den sensiblen Bereichen erhielten. Sollte die Crowd entscheiden, was morgen in einen BMW verbaut wird, eigenes Kapital dafür einsetzten, dann wären wir bei Elektrofahrzeugen und Softwareschnittstellen schon 5 Jahre weiter.

Bei der aktuell agierenden Manager-Generation sehe ich Probleme hier kurzfristig Akzeptanz zu entwickeln. Von der gewonnenen Macht muss definitiv abgegeben werden, damit das Prinzip funktioniert. Es wird sich zeigen, dass Crowd getriebene Unternehmen in Zukunft viel weniger Marketing-Budget aufwenden müssen, weil schon der Finanzierungsprozess Marketing ist und das Markenbewusstsein auf einer anderen Ebene stattfindet.

Interessant ist auch, wie Banken auf diese Veränderung reagieren. Die teuren Kredite im Bereich unter 1 Mio. Euro werden womöglich gegen Vorkassezahlungen der Crowd ersetzt. Produkte werden billiger, weil Zinsen nicht gezahlt werden müssen.

Social Banking 2.0: Brauchen wir erst eine andere Unternehmenskultur, oder spricht hier der Markt seine eigene Sprache?

[Denis Bartelt | tyclipso.net]: In Deutschland muss sich zuerst die Unternehmenskultur verändern und Öffnung dahingehend zulassen. Die Angst vor Einfluss hat schon häufig dazu geführt, dass andere schneller und innovativer waren. Junge neue Unternehmen werden die Marktveränderungen aber erkennen und somit den Druck auf bestehende Unternehmen erhöhen. Wer heute von der Uni kommt und etwas eigenes aufbauen will, kann diese Option schon in Betracht ziehen.

Social Banking 2.0: Bis in welche Größenordnungen könnte “Business Crowdfunding” vorstoßen, bleibt es bei kleineren Finanzierungen für einzelne Personen oder Start ups, oder lässt sich das Modell auch weiter nach oben skalieren? (Wird die Hausbank also künftig aus einer Art Web 2.0 Community bestehen, oder ist dies zu hoch gegriffen?)

[Denis Bartelt | tyclipso.net]: Ich halte Business Crowdfunding in den nächsten 3-5 Jahren für absolut in der Lage Finanzierungsfragen bis 500.000€ zu klären. Offen bleibt, ob der jeweilige Supporter dafür einen Anteil am Unternehmen oder eher ein individuelles Dankeschön (das jeweilige Produkt) haben möchte. Ein Nebeneffekt, Crowdfunding ist damit auch in der Lage konservative Geldanlagen zu ersetzen, denn mit etwas Geschick kann der „Supporter aus der Crowd“ mindestens die gleiche Rendite erreichen, hat dabei jedoch noch Spaß, beschäftigt sich aktiv an Prozessen, beeinflusst sein Portfolio, fiebert mit und wird es weitererzählen! Es ist im Grunde kinderleicht und dem Menschen angeboren.

Interview: Lothar Lochmaier 

Hinweis: Das Thema Crowdsourcing wird auch auf der Konferenz co:funding am 15.04.2011 (eine Subkonferenz der re:publica) diskutiert. www.cofunding.de

Written by lochmaier

März 10, 2011 at 7:28 vormittags

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