Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Archive for Oktober 2010

Stuttgart21: Wie man Bürger an Großprojekten beteiligen kann …

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Morgen beginnt in Stuttgart erneut der heiße Tanz ums “goldene Kalb”. Sprich, am Freitag wird wieder ins Netz gestreamt und wir sind live Zeuge, wie sich Befürworter und Gegner des Milliardenprojekts Stuttgart21 unversöhnlich bei der Schlichtung gegenüber stehen.

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie man Bürger intensiver an Groß- und Kleinprojekten beteiligen kann, die sich rechnen müssen. Schließlich soll nicht nur das Volk die Gürtel immer enger schnallen, während andernorts die finanziellen Begehrlichkeiten senkrecht gen Himmel ragen.  

Zunächst: Das Großprojekt Stuttgart21 hat mehr mit der Finanzkrise zu tun, als manche glauben. Eine Rolle spielt sicherlich auch eine allgemeine Unsicherheit, welche Investitionen in die Zukunft sich als nützlich und gewinnbringend erweisen und welche nicht. Weisen etwa die Atomenergie und Kohlereviere als “Brückentechnologien” jenseits von ideologischen Glaubenskämpfen den richtigen Pfad ins regenerative Energiezeitalter?

Fragen stellen darf der mündige Bürger ja zumindest. Über das Ausmaß der öffentlichen Geldverschwendung berichtet sogar schon der Focus. Erkennen lässt sich der Wandel vor allem an kleinen Geschichten, die im großen Räderwerk der Medien kaum jemand wahr nimmt. Eine Analogie zu S21 findet etwa im beschaulichen Nagold in Baden-Württemberg statt.

Der Schwarzwälder Bote berichtet über die unendliche Treppengeschichte, und wie in einer ansonsten völlig beschaulichen Kleinstadt ein Volksentscheid zu einem Treppe auf eine Burgruine die Bevölkerung spaltet. So wird eine kleine Provinzposse zur Matrix für ein größeres Ganzes…

Die Welt der Hochfinanz: Wer redet da eigentlich über was?

Vergangene Woche ist auch mir noch einmal ein kleines Licht aufgegangen. Während dem Deutschen Logistikkongress referierte zunächst der Merck-Vorstand Karl-Ludwig Kley, und danach Prof. Peter Kruse. Der eine proklamierte zwar nachhaltige Lehren aus der Finanzkrise, wies aber mit der gleichen Hand auf die S21-Gegner und bezeichnete diese als Blockierer.

Das Resultat: Verhaltener, aber doch deutlich spürbarer Beifall aus dem Podium der Logistikdienstleister. Daraufhin betrat Peter Kruse das Podium, um wieder einmal den Deutschen die Segnungen und praktischen Vorteile des Internets zu erklären. 

Sein Argument: Die S21-Demonstranten seien keine Fortschrittsblockierer, sondern Menschen, die Wirtschaft und Gesellschaft mitgestalten wollten. Kaum Beifall, verhaltene Stille, man hörte im Auditorium fast die berühmte Nadel im Heuhaufen fallen.

Es liegt zweifellos etwas Neues in der Luft. Das merkt man daran, wie vehement und konträr diskutiert wird. Und die Finanzkrise war der letzte unter einigen anderen Auslöser, auch wenn einige das noch nicht wahr haben wollen. Auch Peer Steinbrück nicht, denn auch er präsentierte auf derselben Veranstaltung, zu der sich das who’s who der Logistikbranche versammelt hatte, nur sattsam bekanntes.

So verteidigte Steinbrück die Politikerkaste mit dem scheinbar so eingängigen Argument, wer soll denn sonst die Demokratie “managen”, die Gerontokratie, also die unberechenbare und chaotische Herrschaft der alten Bürger, die den Jungen immer mehr (Lasten) aufbrummen? Oder ein paar von der direkten Demokratie fehl geleitete Gruppen? Da war es wieder, das kleine Gespenst  von zu viel Freiheit und Autonomie des Einzelnen oder kleiner Gruppen. 

Was Peer Steinbrück sagte, war, im historischen Rückspiegel betrachtet, umso merkwürdiger, als dieser ja zu den Architekten der marktliberalen Finanzmarktarithmetik zu rechnen ist, vor über zehn Jahren – immerhin eine der nicht unwichtigen strukturellen Treiber für die Exzesse auf dem internationalen Finanzparkett. 

Mal ganz abgesehen, dass die Rendite für den mündigen Bürger bei jenen Produkten, die die letzten Regierungen der Finanzindustrie so maßvoll zur Oberregie überlassen hat, oftmals kaum stimmig ist.

Wohl gemerkt, so manches was Ex-Finanzminister Peer Steinbrück jetzt in die Runde wirft, ist durchaus nachdenkenswert. Aber man hat bei einem gewissen Teil der “Eliten”, sorry für diese Pauschalierung, den Eindruck, dass sie die Welt nur noch im Heckwasser ihrer Sommeryachten betrachten. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.   

Das Internet(fernsehen) ist ein globales Amphitheater, in dem der soziale und wirtschaftliche Interessenausgleich künftig verhandelt wird. Das wird daran ersichtlich, wenn die Schlichtungsverhandlungen in den kommenden zwischen S21-Gegnern und Befürwortern live ins Fernsehen und ins Netz übertragen werden. Der Ausgang ist nicht Schicksals entscheidend, denn es wird künftig mehr Stuttgart-Einundzwanzigs geben.

Fakt ist, es handelt sich um eine “seltsame Wiedergeburt der sparsamen schwäbischen Hausfrau”. Denn bei Stuttgart21 geht es längst um mehr als um ein lokales Bauprojekt. Wenn die Kosten aus dem Ruder laufen und der Nutzen umstritten ist, tritt der mündige Finanzbürger auf den Plan und greift unerwartet ins große Räderwerk der Politikmaschine ein. Ist es der Beginn von mehr direkter und “liquider” Finanzdemokratie”, den viele Politiker und Wirtschaftsmanager den Menschen kaum zutrauen?

Oder ist alles nur eine trendige Modeerscheinung, die sich wieder rasch verflüchtigt. Den ganzen Beitrag von mir auf Heise Telepolis kann man hier nachlesen. Darin beschreibe ich einige konkrete Ansätze, wie man mit Hilfe von Bürgerbeteiligungsverfahren einen gangbaren Weg beschreiten könnte.

Es kommt natürlich auf den produktiven Einsatz der Mittel in der direkten Demokratie an, aber klar ist auch, nur wer neue Wege konsequent beschreitet, deutet die Zeichen der Zeit richtig. Die Finanzkrise hat sich zwar oberflächlich betrachtet beruhigt. Dennoch ist der Wandel unverkennbar.

Written by lochmaier

Oktober 28, 2010 at 12:27 nachmittags

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Who (does) finance: Wie genau lassen sich Finanzberater bewerten?

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Die Süddeutsche Zeitung vergibt Noten für Bankberater.  Oder genauer gesagt, tut dies das Portal Whofinance. Und noch genauer bewerten dort die Kunden. Denn auf Internetplattformen wie www.whofinance.de können oder sollen sich kritische Verbraucher bundesweit ein umfassendes Bild über die von anderen – real existenten – Kunden bewertete Qualität einzelner Finanzberater machen.

Es ist ein erster gradueller Schritt zu mehr Transparenz in der Finanzindustrie. Dies geschieht dadurch, dass Kunden ihren jeweiligen Berater anhand eines neutralen Fragebogens bewerten, was die Transparenz bei finanziellen Anlageentscheidungen erhöhen soll. Wirklich nachprüfbar sind diese Bewertungen allerdings nicht. Beispielhaft wird die Problematik anhand der Diskussionen, die es zu meinem letzten Beitrag über die Honorarberatung auf diesem Weblog gegeben hat.

Es empfiehlt sich, insbesondere die kontroversen Einträge zwischen Quirin Bank und dem freien Finanzberater Dr. Peterreins genauer durchzulesen, denn genau daran lässt sich die Crux mit der Bewertungsermittlung und den damit verbundenen Vergleichsmaßstäben deutlich machen:

http://lochmaier.wordpress.com/2010/10/05/honorarberatung-stiftung-warentest-gibt-positives-teilfazit-ab-kritik-aus-der-branche-am-geschaftsmodell/#comments   

Und:

http://www.geldanlage-finanz-blog.de/2264/quirin-bank-im-vergleich-zu-herkommlichen-finanzberatern-apfel-und-birnen/

Deshalb sollte der Gang zu einem derartigen Portal wie who (does) finance nicht als „Freibrief“ missdeutet werden, durch die Wahl des „richtigen“ Finanzberaters eine schlüssige Renditeprojektion in die Zukunft abzuleiten. Oder wie eine Leserin dieses Weblogs den schwelenden Interessenkonflikt auf den Punkt bringt:

Ich winke immer schon ab, wenn mir ein Banker oder ein Finanzberater versucht, irgendwelche Produkte zu erklären. Ich glaube es hat Methode, dass die es so kompliziert machen. Wenn man das alles schnell verstehen würde, bräuchte man ja keinen mehr, der einem die Finanzprodukte erklärt – und die wären ihren Job los.

Fazit: Ob und in welcher Form finanzielle Monitoringnetzwerke also mit Blick auf die Riege der Anlageberater einen Qualitätssprung bei der Analyse, Information und Ausführung von Anlageentscheidungen ermöglichen, wird erst die Zukunft zeigen, wenn die Angebote über einen längeren Zeitraum an Konturen und verlässlichen Erfahrungswerten gewinnen.

Ein Schritt in die richtige Richtung stellt zweifellos die nach außen dokumentierte transparente Verwendung der Mittel dar. Einen fortlaufenden Überblick über die gesammelten Einlagen und vergebenen Kredite gibt es direkt auf der Homepage einiger Banken einzusehen.

Dies dürfte aber bald schon eine Standardfunktion in der Bankenindustrie sein, die somit künftig für alle Spieler etwas an Strahlkraft verliert. Letzten Endes rücken die kreativ-soliden Verwendungsmöglichkeiten des Geldes in den Vordergrund. Und dort stehen wir vor einem Jahrzehnt, in dem es noch viel Neues zu bestaunen geben wird.

Denn wen wundert es, dass den Kunden als Bittsteller wie bei der Geliebten der persönlich-emotionale Bezug zur Herrschaft oder zur Bank irgendwann abhanden kommt, wie es ein Artikel im Bankmagazin Kunden fehlt der persönliche Bezug zu ihrer Bank nachdrücklich bestätigt und ausführt.

Deshalb  gilt es, die Produkte der Banken und Versicherungen nicht nur vordergründig bunter und illustrer zu machen, sondern tatsächlich “grüner” und “sozialer” auszugestalten, so dass am Ende ein “faires” Geschäft zustande kommt. Zum fairen Deal einschlagen wäre der kleinste gemeinsame Nenner.

Das politisch vollkommen korrekte Investment für beide Seiten dürfte indes eine schwierige Gratwanderung sein: Nehmen wir also lieber die einfachere Variante: Der Berater sollte vor dem Abschluß den “Deal” genau beschreiben, welche Vor- und Nachteile er für die eine oder andere Seite bringt. 

Noch bedenkenswerter ist der von Chris Chard via digitalavantgarde.de vorgeschlagene Ansatz, Kernelemente aus der Crowdsourcing-Philosophie via “Social Media” auch bei den Banken Einzug halten zu lassen. Das Abstract enthält eine wichtige Botschaften.

Mit Blick auf die Finanzberater sähe dieser Kulturwandel dann so aus: “Schließlich beim einzelnen Berater, der im Kundengespräch sagt: Das Produkt, das wir uns hier anschauen, wurde direkt von unseren Kunden gewünscht und (mit)entwickelt!”   Die Realität sieht jedoch noch eher wie weiter unten beschrieben aus.

Für die Frage, wie genau lässt sich die Zunft bewerten, bedeutet dies: Erst wenn Äpfeln und Birnen nicht im selben Korb landen, lässt sich die Qualität von Finanzberatern unabhängig von werbeträchtigen Etiketten zur allgemeinen Fassadenpolitur aus Verbrauchersicht einigermaßen schlüssig und gar glaubwürdig ” amtlich deutsch testieren”.

Bis der Sankt-Nimmerleinstag näher rückt, bis dahin empfehle ich folgende Roadmap: Nämlich dass der König Kunde selbst derjenige sein soll, der das Denken ausnahmsweise mal nicht anderen überlässt, sondern dies in Eigenregie bewerkstellt. Social Banking 2.0 in seiner ursprünglichsten Variante eben.

Da werden wir in diesem kleinen Mikrokosmos in diesem Jahrzehnt noch viele neue vor allem internetbasierte Ideen und Konzepte aus den unterschiedlichsten Marktrevieren heran reifen sehen, von denen die eine oder andere irgendwann auch im betriebswirtschaftlichen Makrokosmos ankommen wird. Ob der Finanzberater der Zukunft den Namen iPad trägt, wie es finextra provokativ formuliert, überlasse ich den Lesern.

Mein salomonischer Vorschlag zum Leitmotiv, das jetzt nur die Leser unabhängig bewerten können: Who does finance – we do finance – denn die Bank sind wir! Kehren wir also die im folgenden Video von der diesjährigen Cebit via Computerwoche TV eingangs so visuell und virtuell beschriebene “Struktur- und Machtpyramide” einfach um – created by Finanz Informatik und Sparkassenwelt:

Written by lochmaier

Oktober 27, 2010 at 7:23 vormittags

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Diskussion: Die Blickwinkel von Social Banking 1.0 und 2.0 ausloten …

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… Dazu gibt es zwei Veranstaltungen in Berlin und Frankfurt, an denen ich selbst teilnehmen werde, um mit Branchenvertretern und Insidern zwischen alter und neuer Welt die Zukunft der Bankenindustrie jenseits von “business as usual” auszuloten. Denn die einen machen weiter wie bisher, und andere suchen stattdessen nach neuen Horizonten.

Der erste Veranstaltungshinweis:  Neue Ansätze im Banking

Der Veranstalter kündigt die Diskussionsrunde wie folgt an: Gibt es wirklich neue Ansätze im Banking? Ist der Begriff von der „Bank als Erlebnis“ Inhalt oder Hülle? Sind es Filialkonzepte, wie sie die Deutsche Bank mit Q110 verfolgt, die Kunden an Banken binden? Ist die Filiale überhaupt ein Konzept mit Zukunft, wenn Banken wie die Fidor Bank es schaffen das Thema Social Banking erfolgreich in den Markt hineintragen?

Die Teilnehmer:  Alexander Kapst, Leiter Key Account Management, Deutsche Kredit Bank
Stefan Heine, Abteilungsdirektor Private Banking, quirin bank AG
Lothar Lochmaier, freier Wirtschaftsjournalist
Deutsche Bank AG, Niederlassung Berlin – angefragt
 
Moderation:  Thorsten Hahn, Geschäftsführer und Gründer BANKINGCLUB

Mehr Infos dazu gibt es hier auf der Seite des Bankingclubs:

http://www.bankingclub.de/termine/Podiumsdiskussion-Neue-Ansaetze-im-Banking/

Der zweite Veranstaltungshinweis: Quo vadis, Social Banking?

Der Veranstalter kündigt die Diskussionsrunde wie folgt an: Social Banking ist „in“. Institute, die soziale, ökologische oder ethische Ziele verfolgen oder stark auf das Web 2.0 setzen, erfreuen sich eines großen Zulaufs. Hier firmieren zwei unterschiedliche Geschäftsmodelle unter einem gemeinsamen Namen. Beide Modelle profitieren gegenwärtig auch von der Wertediskussion nach der Finanzkrise.

Wie aber geht es weiter mit der Branche, die jüngst den Zusammenbruch eines Social Banking-Instituts zu verkraften hatte? Welche Chancen und Risiken sind mit diesen Geschäftsmodellen verbunden? Was können konventionelle Banken von Nischenplayern lernen? Und gibt es überhaupt ein gemeinsames Verständnis über den Begriff Social Banking?

Also: Quo vadis, Social Banking? am Mittwoch, 24. November 2010, ab 17 Uhr

Ort: Westin Grand in Frankfurt am Main, Konrad-Adenauer-Straße 7

Auch eine neue Studie zum Social Banking soll noch präsentiert werden. Die Veranstaltung ist für jeden Teilnehmer, ob Journalist, oder einfach an dem Wandel der Branche interessierter Zeitgeist offen, anmelden kann man sich direkt hier über das folgende Formular:

http://www.ergo-komm.de/fileadmin/user_upload/newsletter_03_2010/Rueckmeldung_Social_Banking.pdf

An der Podiumsdiskussion teilnehmen werden:

  • Vorstände von fidor, smava, triodos und der GLS Bank
  • Lothar Lochmaier, Journalist
  • Katharina Beck, Social Banking Institute

Written by lochmaier

Oktober 26, 2010 at 1:40 nachmittags

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Targobank: So geht Bank heute (nicht)

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Nachrichtensender n-tv berichtet, wie Banken mit falschen Werbeversprechen bei Ratenkrediten die Kunden gewinnen. Der Effektivzins ist nicht alles, ganz vorne bei den “Blendern” mit dabei ist auch die Targo Bank.

Der Clou: Zum realen Effektivzins sollte man den Nominalzinssatz plus die Bearbeitungsgebühren addieren. So verlangt beispielsweise die Santander Bank 3,5 Prozent des Kreditbetrages als Bearbeitungsgebühr, Deutsche Bank, Postbank und Targo-Bank sind mit drei Prozent dabei.

Siet kurzem läuft die Werbemaschinerie bei der Targo Bank wieder auf Hochtouren.  Mehr zur Werbe- und Fernsehkampagne auch auf dem Weblog diebewertung.de. Also:  Top-Kredit zu günstigen Konditionen gefällig? Dann nehmen wir doch die mehrfach und immer wieder preisgekrönte Targobank (die hieß früher mal Citibank, do you remember?)

Wir sind ganz berauscht vom neuen Markenauftritt in den Filialen, berichtet das Bankmagazin. Wow – und noch einen Schritt weiter in der Filialvision 2.0 der Zukunft geht die Unternehmensberatung Accenture, auch das kann man im Bankmagazin nachzulesen.

Ach so – was ist jetzt eigentlich mit meinem Kredit geworden? Das Leben hält viele Überraschungen bereit, so schreibt die Targo Bank potenzielle Neukunden an. Dem stimme ich gerne zu, vor allem, wenn man sich ungeprüft auf die Beraterkompetenz der Bank verlässt. Aber weg mit dem Bauchgrummeln, es gibt ein Darlehen von 10.000 Euro für 194 Euro monatliche Rate.

Klingt super. Focus Money bestätigt in Ausgabe 12/2010: Sicherster Kredit.

Das klingt sogar bombensicher, es wären bei 60 Monaten Laufzeit bloß 6,16 Prozent effektiver Zins pro Jahr. Obendrein gibt’s zertifizierte Beratung, Flexibilitätszusage, Bestpreis-Garantie und Sicherheitspaket bei Krankheit, Berufsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit. I am deeply impressed. 

Wollen die mir tatsächlich weissmachen, dass ich jederzeit aus dem Kredit raus kann, wenn sich mein Leben gravierend auf den Kopf stellt? Das passiert ja immer häufiger in unserer flüchtigen Gesellschaft, die sich wie ein Zitteraal durchs mit unübersehbaren Risiken gepflasterte Leben windet.

Jetzt werde ich unsicher, soll ich nicht doch nochmal nachfragen, ob irgendwer eine neutrale Bewertung dieses tollen Lockangebots zum sicheren Kredit mit “Vierfachschutz” hat? Doch wo soll ich nachhaken, das ist hier die Preisfrage.

Was mich schon mal nachdenklich stimmt, ist die Tatsache, dass die Targo Bank zu jenen gehört, die bei den Dispozinsen ordentlich zulangen   Da würde ich also schon mal kein Girokonto eröffnen.

Weiter geht’s mit der Recherche im Blindflug durchs Netz. Oh je – die Seite anwalt.de berichtet über einen Verbraucherkredit mit Restschuldversicherung, ein besonders perfides Instrument der Verbraucherirreführung.  Aber kein Problem – das betraf ja noch die alte Citibank, die ja hoffentlich aus der Finanzkrise und den Lehman-Zertifikaten gelernt hat, die sie ihren Kunden früher angedreht hat.

Haben die wirklich dazu gelernt? Warum drucken eigentlich die meisten “Verbraucherportale” nur die (besten) Konditionen der Banken ab, hoffen auf möglichst viele Klicks, recherchieren kaum. Da blickt doch keiner mehr durch …

Den alten wie neuen Trend zur Undurchsichtigkeit der Angebote bestätigt auch die Infoplattform tagesgeld-news.de – und zwar am Beispiel  der AXA Bank: Nach nicht einmal 17 Tagen habe die Bank das Angebot wieder vom Markt genommen – still und heimlich. So würden (keine )guten nachhaltigen Produkte geschaffen, lässt sich nüchtern bilanzieren.

Auch bei der Citibank, die ihren Wein fortan in die Schläuche der Targobank einfüllt, sind wir gespannt auf die weitere Entwicklung, Rückverwandlung – oder kommt doch jenseits von plakativen Werbeslogans, wie die Bank heute (nicht) vorwärts geht, eine produktive Verwandlung der hierarchischen Kundenbeziehung zustande?

Written by lochmaier

Oktober 25, 2010 at 7:05 vormittags

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Social Media: Finanzbranche investiert viel Geld und bündelt Ressourcen

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Die Banken in Deutschland werden bis 2013 ihr Engagement in Social Media deutlich verstärken. 40 Prozent der Institute plant konkret in soziale Netzwerk-Präsenzen zu investieren. Vor allem der Auftritt in beruflichen Web-2.0-Netzen soll forciert werden. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie Branchenkompass 2010 Kreditinstitute von Steria Mummert Consulting in Zusammenarbeit mit dem F.A.Z.-Institut.

Klar sind sich so gut wie alle Entscheider darüber, dass der Vertrauensverlust der Bankkunden keine kurzfristige Erscheinung darstellt, sondern tiefe Spuren in der Kundenbeziehung hinterlassen hat und wird. Auf der anderen Seite sind rund 70 Prozent der Entscheider überzeugt, dass der Nachhaltigkeitstrend die Geschäftsmodelle der Banken grundlegend beeinflussen, wenn nicht sogar verändern wird.  

Die Fakten zum Einsatz neuer Medien im Vertrieb in aller Kürze: Knapp jede dritte Bank will bei Anbietern wie Xing oder LinkedIn Geld ausgeben.  Erster spontaner Kommentar: Ob gerade Business-Netzwerke für Mitmachaktivitäten der richtige Kanal sind?

Wischen wir die Bedenken aber erstmal beiseite und beleuchten die einzelnen Trendbefunde. Der Einstieg ins Mitmach-Internet sei dabei Teil einer breit angelegten Vertriebsoffensive, so die Studienautoren. Denn das Budget für das Kunden- und Vertriebsmanagement mache in den kommenden drei Jahren den größten Anteil der Gesamtausgaben der Banken aus, so die Experten weiter.

Neben den beruflichen Netzwerken zählen laut der Studie auch private soziale Plattformen wie Facebook oder StudiVZ zu den Zielgebieten des “operativen” Bankvertriebs. Knapp jedes vierte Institut will hier in einen Auftritt investieren. Darüber hinaus plant offenbar rund jedes fünfte Institut die Einrichtung eigener Communities, wie Bewertungsportale, Diskussionsgruppen, Wikis oder Blogs.

Das allerdings nicht leicht zu realisierende Ziel besteht hier beispielsweise darin, mit “Ratschlägen” (oder sind es doch nur werbliche Verkaufsempfehlungen) für das private Finanzmanagement die Bank- und Vertriebsspezialisten sichtbar werden zu lassen.

Wen wundert es, dass auch die Nutzung von Twitter in den Vertriebsplanungen von immerhin rund 16 Prozent der Finanzdienstleister auftaucht. Der Groschen ist hier bei den Entscheidern nach längerem Abwarten offenbar gefallen in diesem Jahr. Die Frage lautet nur: Wo laufen wir denn jenseits des Postens von fein säuberlich abgestimmten Pressemitteilungen hin?

Die Studie macht somit folgendes deutlich: Das Augenmerk liegt dabei insbesondere auf dem Vertrieb. Kann diese Strategie aufgehen – oder ist dieser Ansatz zu kurz gesprungen? Etwas verklausuliert liest man nämlich folgendes: Für die Produktentwicklung sei ein frühzeitiger Abgleich mit den Bedürfnissen der Kunden ein Wettbewerbsvorteil für die Banken.

Der Begriff “Social Banking” weite sich damit aus. Aber die Studie erteilt einigen Hypes auch eine klare Absage. Dazu gehören Apps, denen die Entscheider aus den Banken überwiegend keine zentrale strategische Bedeutung in der Pflege der Kundenbeziehung beimessen. Auch die Honorarberatung wird überwiegend als eine Art “Modeerscheinung” zurück gestuft, die sich kaum auf breiter Front durchsetze.

Außerdem: Auch gehe vom “Peer-to-Peer-Lending” – die Vorreiter sind hier Smava, Zopa und Lending Club - keine nennswerte Gefahr für das Kern(kredit)geschäft von Banken aus. Darüber lässt sich sicherlich auf längere Sicht hinweg debattieren, ob sich hier ein kleiner oder aber ein signifikanter “Massennischenmarkt” ergibt. 

Was jedoch die Einführung von Social Banking Plattformen generell laut Auffassung der meisten befragten Top-Entscheider aus den unterschiedlichen drei Säulen des deutschen Bankwesens behindere, seien datenschutzrechtliche Bedenken.  Hier kann man natürlich auch argwöhnen, dass es doch eher um einen Machtverlust geht, als um datenschutzrechtlich relevante Belange, wo man sich nur allzu leicht hinter Compliance-Regeln verschanzen kann.

Wer und was also machen das Rennen? Dieses Weblog Social Banking 2.0 greift die virtuelle Steilvorlage auf, und hat sich die Studie etwas genauer angesehen – die Beratungsgesellschaft  Faktenkontor aus Hamburg hat freundlicherweise einige wichtige Graphiken zur Verfügung gestellt (bitte die Copyrights beachten), die ich hiermit für die Leser zugänglich mache, um sich ein eigenes Bild jenseits eines überhitzten Hypes rund um den Themenkomplex Social Media und Social Banking zu verschaffen:

  

Written by lochmaier

Oktober 21, 2010 at 7:40 vormittags

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Noa Bank: Entschädigung läuft nach Plan

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Ein Sprecher des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) bestätigt soeben gegenüber Social Banking 2.0, dass das Entschädigungsverfahren bei der Noa Bank , über dessen Ursachen und Folgen auf diesem Weblog etwa hier ausführlich berichtet wurde, nach Plan läuft. 

Die Mehrzahl der Anleger, die nicht mehr als 50.000 Euro bei dem vor allem an sich selbst gescheiterten Newcomer deponiert hatten, sei bereits entschädigt worden. Der BdB rechnet mit einem Abschluß des Verfahrens bereits in den kommenden Wochen. Anders sieht es hingegen für diejenigen aus, die mehr als 50.000 Euro deponiert hatten.

Ihnen bleibt der Umweg mit offenem Ausgang über den Insolvenzverwalter nicht erspart. Allerdings handle es sich dabei, so bestätigt auch der Bankenverband, nur um eine dreistellige Anzahl von betroffenen Kunden. Konkret dürften dies etwas mehr als 100 Personen sein.

Zu den Hintergründen des Verfahrens äußert sich der Bankenverband offiziell nicht, der die Aktivitäten der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH (EdB) koordiniert.  Jedoch bestätigt auch die Stiftung Warentest den planvollen und strukturierten Verlauf des Entschädigungsverfahrens.

Written by lochmaier

Oktober 19, 2010 at 12:35 nachmittags

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Factoring 2.0: Debitos vermakelt Forderungen übers Netz

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“Banken waren gestern, wir sind heute”, lautet der griffige Werbeslogan. Zur Einführung: Dass Web 2.0-basierte Geschäftsmodelle die Welt der Banken und Finanzen erreicht haben, ist kein Geheimnis. Wie aber sieht es mit Unternehmen aus, bei denen sich der virtuelle Griff ins Portemonnaie doch deutlich komplizierter darstellt als bei Services für den privaten Endkunden?

Springen wir statt der großen Theorie doch gleich in die Praxis. Der Begriff Debitos stammt aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie “Forderung”. Auch beim Online-Anbieter www.debitos.net handelt es sich um Forderungen, und zwar insbesondere jene von Unternehmen.  Schauen Sie doch mal selbst auf die Internetseiten, wie das Maklermodell 2.0 funktioniert. Oder auf diesem Video:

Das neu gegründete Unternehmen legt allerdings Wert auf die Feststellung, dass es sich dabei um kein “Maklermodell” handelt: “Wir bieten „TrueSale“ an, das heißt Verkauf mit Kosten- und Risikoübernahme ohne Finanzierungsfunktion. Unsere Gebühren liegen zwischen 1 und 3% auf die transferierte Summe – und wir sind kein Makler”, sagt Geschäftsführer Timur Peters von debitos.net.

In der Tat, das Thema Factoring, der Forderungsverkauf von Unternehmen, mit dem Ziel liquide und handlungsfähig zu bleiben, ist vielschichtig. Es findet ein Marktwachstum statt, aber gleichzeitig auch eine drastische Marktkonsolidierung und -bereinigung. Dies eröffnet einerseits neuen Spielern wie eben debitos.net die Option, mit einem adaptiven Geschäftsmodell in den Markt einzutreten.

Erst kürzlich hat sich das Start up in München auf einem Event von Tech Crunch präsentiert. Professionelle Unterstützung ist auch mit im Boot, etwa vom Unibator der Goethe-Universität. Dennoch bleibt ein gewisses konzeptionelles Wagnis. Denn der Markt ist etwas in Verruf geraten durch Geschäftemacher, die den Unternehmen allzu hohe Gebühren aufbrummen, so dass sich der Forderungsverkauf als Retourkutsche erweisen kann. Rein volkswirtschaftlich gesehen ist jede weitere Zwischenstation, so auch beim Factoring, eine Art von Risikoverlagerung, deren Chancen und Grenzen es sorgfältig auszuloten gilt.

Hinzu kommen unseriöse Trittbrettfahrer, wie die Bundesfinanzaufsicht (Bafin) kürzlich am Beispiel der holländischen sefa factoring feststellte, die sich erdreistete, mit falschen Informationen in Deutschland um Kunden zu werben. Ungeachtet dessen hat sich Factoring als ergänzendes Finanzinstrument etabliert, und rückt auch bei mittelständischen Unternehmen ins Visier.  

Ein Beleg hierfür ist das “Web 2.0-basierte” Geschäftsmodell der Fidor Bank AG, die erst im August dieses Jahres ein Forderungsportfolio in Höhe von rund 35 Mio. Euro vom Factoring-Spezialisten Vantargis Gruppe in München angekauft hat. Man darf gespannt sein, ob es hier auch gemeinsame Roadmap mit einem analogen Geschäftsmodell wie Debitos geben wird. 

Aber auch anders herum betrachtet aus Kundensicht ist Factoring kein Selbstläufer: Denn die Unternehmen schummeln auch immer wieder und machen falsche Angaben. Kurzum, ein ausgeprägtes professionelles Chancen-Risikomanagement ist eine unverzichtbare Bedingung für den Erfolg aller Beteiligten.

Das gilt selbstredend auch oder gerade für Web 2.0-basierte Modelle, die den Versteigerungsmechanismus auf eine flexible neue Grundlage stellen. Im Netz lässt sich (fast) jedes Angebot mit der Nachfrage in Verbindung bringen.

Wer auf der Homepage von debitos.net einen Blick riskiert, stellt fest, dass die Bandbreite der angebotenen Forderungen recht groß ist, von Mietschulden, Forderungen aus einem Mobilfunkvertrag, bis hin zu Unternehmenskunden, so etwa für medizinische Geräte oder eine Gastraumausstattung.

Der Mix zwischen privaten Forderungen und Unternehmenskunden scheint dabei eine der zentralen Herausforderungen an der Schnittstelle Factoring 2.0 zu bilden, der für den Erfolg der Plattform das virtuelle Eingangstor bildet. Man darf gespannt sein, ob sich genügend Kunden und nachweisbare Track Records (auch durch leistungsstarke Kooperationen) suchen, finden und bilden lassen, um die Plattform mit nachhaltigem Leben zu füllen.

Wie dem auch sei – den fortlaufenden Aktivitäten von debitos.net kann man hier über Twitter folgen. Dort ist der Newcomer recht aktiv.

Written by lochmaier

Oktober 19, 2010 at 6:55 vormittags

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