Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Noa Bank: Insolvenz von Noafactoring stellt Geschäftsmodell in Frage

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Nach Social Banking 2.0 bestätigt vor wenigen Minuten auch Spiegel online die Insolvenz der Noa Factoring. Daniel Bödger von Tagesgeld-news.de berichtet telefonisch, dass die Bafin für morgen weiter gehende Informationen angekündigt hat, deren weitreichende Folgen man dann sicherlich unschwer auf der einschlägigen Homepage der Einrichtung ablesen kann. 

[Mittlerweile hat auch Gründer Francois Jozic auf der Internetseite seiner Bank offiziell bestätigt, dass die gesamten geschäftlichen Aktivitäten der Noa Bank eingestellt werden].

Vorerst lautet das offizielle Statement des Amtsgerichts Düsseldorf so: Die Insolvenz erstreckt sich auf die Noa Factoring (HRB 50167). Welche Konsequenzen möglicherweise betroffene Kunden daraus ziehen sollten, das lässt sich auf geld-magazin.de nachlesen: “Sicherheitsbewusste Anleger ziehen ihre Gelder von dem Tagesgeldkonto ab.”

Dazu ein Kommentar: Dieses Weblog Social Banking 2.0 hat bereits vor dem offiziellen Start der Noabank zum ersten Male über den Newcomer berichtet. Dabei habe ich vor allem handwerkliche Mängel und die mangelnde Transparenz auf den damals kurz vor dem Start präsenten Internetseiten kritisiert.

Daraufhin suchte der Gründer Francois Jozic das Gespräch zu mir. Über dessen Verlauf und die Hintergründe des Starts eines kreativen Newcomers habe ich auf Heise Telepolis in einem längeren Fachbeitrag ausführlich und öffentlich berichtet. Es lag etwas Neues in der Luft… doch endeten nicht schon allzu viele vermeintliche Revolutionen in einer späteren Enttäuschung?

Im Internet und über die sozialen Netzwerkaktivitäten bleibt heute kaum mehr etwas verborgen. Und das ist gut so. Denn während in den Medien die Noa Bank an Popularität gewann und die Journalisten Gefallen fanden an dem “Banker zum Anfassen”, stellte ich im Dezember und Januar – ohne in eine Vorabverurteilung zu verfallen – kritische Fragen zum Firmengeflecht, auf die ich zwar einige gute Antworten kam, die aber letzte Zweifel an der handwerklichen Solidität und strategischen Sorgfalt nicht erschöpfend ausräumen konnten.

Es handelte sich bei der Noabank zweifellos um ein Geschäftsmodell, das die Massen wie auch die Brancheninsider polarisierte, und diese in glühende Anhänger und eifrige Gegner aufspaltete, was eine sachliche Information auch meinerseits zusehends erschwerte.

Und als Leitmedien wie Spiegel online, die FTD und die Süddeutsche Zeitung im April dieses Jahres (endlich) auf die in diesem Weblog bereits mehrfach thematisierte Vorgeschichte der Noa Bank (Quorum und Targas) aufmerksam wurden, kehrte sich das Pendel der Sympathie von nun an gegen den Außenseiter, der mit dem Touch des “Davids gegen Goliath” ein disruptives neues Bankenmodell ins Visier genommen hatte.

Viel scheint davon, so darf man nach der heute eingeleiteten Insolvenz des Factoring-Dienstleisters noafactoring (ehemals Quorum AG) schlussfolgern, nicht mehr übrig geblieben zu sein. Vom Etikett Social Banking bleibt nur der schale Beigeschmack, dass sich die (Banken)welt eben doch nicht so leicht verbessern lässt, wie es auf den ersten Blick nach der Finanzkrise schien und von nicht wenigen Menschen erhofft worden war.

Andererseits, vielleicht haben jetzt durch die kreativen Newcomer in der Finanzwelt auch einige  Banker mehr als so mancher glaubt ihre Lektionen gelernt, was kaum an die Öffentlichkeit dringt.  Der vermeintlich neue Überflieger Noa mit Schallgeschwindigkeit, dem es in kurzer Zeit aufgrund attraktiver Guthabenzinsen gelungen war, fast 300 Mio. Euro bei den Anlegern einzusammeln, scheint jedoch aus großer Fallhöhe abgestürzt zu sein. 

Auch andere Finanzinstitute unterhalten Factoring-Töchter. Dennoch: Die Integration und Vermengung von Quorum in die neue Firmenstruktur der Noabank hätte gar nie erfolgen dürfen, zumal die Vorgeschichte bezüglich des Geschäftsgebarens einige kritische Facetten aufwies. Allenfalls langfristig wäre dieser Schritt denkbar gewesen, wenn ersichtlich gewesen wäre, wohin die Reise der neuen Bank ginge, um die Vertrauensbasis dafür zu schaffen. 

So hatte man von außen den Eindruck, hinter den Kulissen wurden einige Strippen gezogen, und die Kunden bekamen – oder sollten jedenfalls davon nicht allzu viel mitkriegen. Der an sich gute Ansatz, jenseits von Spekulation über Social Media Kredite und Einlagen transparent zu machen, wurde dadurch im Laufe der Zeit massiv konterkariert.

Es gehört zur Gabe eines guten Managers, mögliche Stolpersteine rechtzeitig zu erkennen und sich pragmatisch auf die Entwicklung eines machbaren und soliden Geschäftsmodells zu konzentrieren.  Dies gilt erst recht, wenn es sich um das komplexe Risikomanagement innerhalb einer Ökonomie dreht, die unmittelbar mit Geldströmen handelt.

Ein allzu plumper Drehtüreffekt  – Noa Factoring als Refinanzierungsquelle durch die Einlagen der Noa Bank – spielte den Kritikern mit Recht in die Hände – und man darf sich als Außenseiter dann kaum über die aufkommende mediale Kritik beschweren.    

Und man darf sich ebensowenig über staatliche Regulierungsbehörden wie die Bafin beschweren, die dann eine Erhöhung der Eigenkapitaldecke quasi per amtlichem Beschluss erzwingen, weil die Gründer und Manager der Noabank möglicherweise idealistische, persönliche und geschäftliche Interessen wenig nachvollziehbar ineinander verwoben haben.   

Weitere zentrale Managementfehler der Noa Bank: Dass eine größere Eigenkapitaldecke erforderlich sein würde, das war bereits ca. zwei bis spätestens drei Monate nach dem Start klar. Gründer Francois Jozic kündigte die Erhöhung übrigens mehrfach und schon kurz nach dem Start an, aber bis heute war und ist es offenbar nicht gelungen, externe und solide auftretende Investoren mit ins Boot zu holen.

Spätestens als hier Verzögerungen auftraten, hätte man die Summe der Einlagen nach unten steuern müssen, etwa durch Herabsinken der Guthabenzinsen beim Tagesgeld und bei Festzinsanlagen. So aber wuchs sich die Krise aus, denn natürlich braucht eine solide Kreditvergabe an kleine und mittelständische Unternehmen viel Zeit. Dafür aber war die Bank personell und auch vom Zuschnitt der Risikomanagementsysteme nicht vorbereitet.

Umso mehr hätte das Wachstum drastisch begrenzt werden müssen. So aber bleibt nach der Insolvenz von Noafactoring der Eindruck haften, dass die Gründer leichtfertig mit dem Kapital der Anleger gespielt haben. Und die ewigen Nörgler werden recht behalten. Vielleicht bleibt dadurch eine historisch günstige Chance ungenutzt, dem Bankwesen einen frischen Stempel einzuprägen. Das positive Potential dazu war auf alle Fälle vorhanden, auch darüber berichtete dieses Weblog immer wieder.

Es werden andere kommen, die aus den Erfahrungen der Noabank bzw. Noa Factoring lernen werden. So aber bleibt meine Beschreibung der Noa Bank aus meinem redaktionell im Februar abgeschlossenen Buchprojekt “Die Bank sind wir” wie ein negatives Ausrufezeichen stehen: “Hält das Wachstumstempo weiter an und löst die Noa Bank den Nachweis einer seriösen Alternative zwischen Mainstream-Banking und dem Öko- und Genossenschaftssektor ein, könnte das Institut dem gesamten Bankenmarkt einen neuen Stempel aufdrücken”.

Schon damals wies ich in der Fußnote auf die rechtlich komplexe Firmenkonstruktion hin, die auch in mir immer wieder ein leichtes Bauchgrummeln auslöste. Diverse Formen von “Fehlspekulationen” und Fehlallokationen seitens der Gründer scheinen nun dem auch aus Anlegersicht so wünschenswerten und aussichtsreichen Zukunftsmodell einen Strich durch die Rechnung zu machen.          

Die beim Landgericht Düsseldorf eingeleitete Insolvenz der Noafactoring wirft ein negatives Schlaglicht auf andere kreative Ansätze in der Bankenlandschaft. Die Kritiker werden sagen: Seht her, es gibt doch kein moralisch überlegenes und besseres Banking.

Es werden aber andere kreative Unternehmen vor allem über internetbasierte Ansätze das Terrain betreten, um unter Beweis zu stellen, dass sich die “Black Box Bank” anhand von neuen Geschäftsmodellen doch stärker auf die Kunden und die Bedürfnisse von Gesellschaft und Wirtschaft zubewegen kann als dies manche kritische Zeitgenossen glauben.

P.S. Nachtrag – inzwischen hat Noa Bank Gründer Francois Jozic selbst auf den Internetseiten seiner Bank das Ende seiner Geschäftsbemühungen und die Liquidation der gesamten Firma mitgeteilt.  Ein spannendes Experiment findet ein trauriges Ende.

Einige weiterführende Pressekommentare und Einschätzungen zu den Geschehnissen lassen sich hier nachlesen:

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken-versicherungen/oeko-branche-alternativbanken-sind-weiter-gefragt;2638565

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken-versicherungen/alternatives-geldhaus-game-over-bafin-macht-noa-bank-dicht;2638474

http://www.ftd.de/unternehmen/finanzdienstleister/:nach-streit-mit-ba-fin-aufsicht-macht-ethikbank-noa-dicht/50158345.html

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,712565,00.html

http://www.welt.de/finanzen/geldanlage/article9077006/Noa-Bank-beugt-sich-den-dunklen-Maechten.html

http://www.sueddeutsche.de/95T38d/3526048/Aufsicht-schliesst-Noa-Bank.html

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Written by lochmaier

August 18, 2010 at 3:18 nachmittags

Veröffentlicht in Uncategorized

10 Antworten

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  1. Laut Gründertagebuch ist die noa-Bank Geschichte !

    http://www.anderebank.de/blog/artikel/die-aktuellen-geschehnisse/

    Noah

    August 18, 2010 at 3:26 nachmittags

  2. Man darf auf die morgige Antwort der BaFin gespannt sein, in wie weit die NOA Bank von der Insolvenz der Tochter betroffen ist oder nicht.

    Tagesgeld News

    August 18, 2010 at 3:27 nachmittags

  3. Hallo Herr Lochmaier,
    auch ich finde es sehr schade, wie sich der eigentlich sehr gute Grundgedanke jetzt mit handwerklichen Fehlern vermengt, und alles vermutlich in einen negativen “Vollabsturz”, bei dem sich die ewigen Kritiker bestätigt sehen werden, mündet. Ich konnte nur heute auf meinem Portal Geld-Magazin.de den Anlegern raten, ihre Gelder abzuziehen. Wir haben lange und mit allem Pro und Contra objektiv berichtet, doch nun sollten die Anleger – egal ob sie nur wegen des hohen Zinssatzes oder wegen der Strategie “Transparanz, Social” zur noa bank gekommen sind – ihre Gelder schützen. Schade.
    Anette Rehm

    Anette Rehm

    August 18, 2010 at 3:30 nachmittags

  4. Hallo,

    ich habe ein Festgeldkonto bei der Noa Bank. Kann mir jemand schreiben, was ich jetzt tun soll um mein Geld zu bekommen.

    Danke,

    Angela Meyer

    A. Meyer

    August 18, 2010 at 6:35 nachmittags

    • bis zu 50.000,–€ ist das mit dem Einlagesicherungsschein gesichert bzw. versichert. Ich habe auch mein Geld bei dieser Bank, doch wann wir an das Geld wieder ran können steht in den Sternen.
      Grüß
      Drewes

      Stephan Drewes

      August 19, 2010 at 12:39 nachmittags

  5. Sehr schade. Das Konzept und die Grundausrichtung der Bank waren super, all das was ich bei klassischen Banken vermisst habe, sollte bei der noa Bank vereint werden: Transparenz, offene Kommunikation, ethisches Handeln (die Aufteilung in Bereiche Kultur, Soziales, Natur und Regionales beispielsweise war genial einfach, aber einfach genial). Leider sind diese Punkte nur Anfangs erfüllt worden, zuletzt wurden Sie teilweise umgekehrt (wochenlang keine Informationen, nichtmal zu Zinsänderungen etc.). Die Idee noa Bank finde ich nach wie vor toll, insofern geb ich Ihnen Recht, es wäre wünschenswert, wenn die Tatsache aufhorchen lässt, dass innerhalb kürzester Zeit enorme Geldmengen eingesammelt werden konnten (der Bedarf nach einer solchen Bank ist also da!). DIe Umsetzung war jedoch enttäuschend, die eigenen Ansprüche wurden nicht erfüllt. Schade.

    Stefan

    August 18, 2010 at 8:16 nachmittags

  6. […] Noa Bank: Insolvenz von Noafactoring stellt Geschäftsmodell in Frage […]

  7. […] lag vielleicht am Sommerloch, dass die Noa Bank nicht mit ganz so viel Getöse zu Grabe getragen wurde, wie man erwarten würde. Gerade die Social […]

  8. […] Entschädigungsverfahren bei der Noa Bank , über dessen Ursachen und Folgen auf diesem Weblog etwa hier ausführlich berichtet wurde, nach Plan […]


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