Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

Archive for Juni 2010

Noa Bank: Hoffnungsträger zieht die Notbremse

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Wo gibt es sowas: “Die Bank, die kein Geld mehr will” (und keiner weiß ganz genau warum) – so titelt es jedenfalls heute n-tv online:

http://www.n-tv.de/ratgeber/anlegensparen/Die-Bank-die-kein-Geld-mehr-will-article954981.html 

Immerhin rund 290 Millionen Euro haben Kunden der Noa Bank in den vergangenen neun Monaten seit Gründung anvertraut. Die anfängliche Euphorie über ein transparentes Banking jenseits von Spekulation und Gewinnmaximierung traf gerade nach der Finanzkrise den Nerv der Zeit und jenen der Anleger. Nun berichtet Nachrichtensender n-tv:

Neu Kunden werden schon seit einigen Wochen nicht mehr akzeptiert. Doch jetzt können selbst Bestandskunden auf ihr Tagesgeldkonto kein Geld mehr transferieren. In der Praxis soll dies dazu führen, dass Überweisungen auf Tagesgeldkonten zurückgewiesen werden und Sparpläne, wo ein monatlicher Betrag zugunsten eines Tagesgeldkontos transferiert wird, ausgesetzt werden. Wie lange dieser Zustand andauert, ist noch unklar.

Quelle: n-tv.de

Fazit: Die Schwierigkeiten, die unternehmerische Wachstumsdynamik produktiv und verlässlich zu managen, scheinen sich nun auszuweiten. Deutlich wird dies in einem Blogeintrag vom 24.06., in dem der Gründer Francois Jozic den Kunden mitteilt, dass die noa bank  “aufgrund des enormen Wachstums  die Festgeldvergabe und die Tagesgeldannahme einfriert”.

Wer sich die Kommentare der irritierten Kunden ganz unten etwas genauer durchliest, wird feststellen, dass die Verunsicherung doch deutlich wächst, weil nicht klar ist, welche unternehmerischen Horizonte die Bank anpeilt.

Ein Grund: Social Media wird nicht regelmäßig und systematisch genug eingesetzt, um die Kunden in die “Black Box Bank” wirklich hinein blicken zu lassen. Das ist aber gerade in der frühen Wachstumsphase notwendig, um das zarte Pflänzchen namens Vertrauen zu binden. Vertrauen muss man sich permanent erarbeiten.

Die Noa Bank teilt jedoch weder genau mit, wann wieder Geld angenommen wird, noch welche sonstigen strategischen Schritte eingeleitet werden, um das Wachstum – und hier vor allem die Kreditvergabe – in Gang zu bringen, um einen Gleichklang zwischen den unterschiedlichen geschäftlichen Aktivitäten herzustellen (einschließlich Noa Factoring).

Die Folge sind weitere Presseartikel, die die Verunsicherung verstärken:

http://www.arbeitsgemeinschaft-finanzen.de/weblog/20100630/noa-bank-setzt-tagesgeldkonto-fuer-neu-und-bestandskunden-aus.php

http://www.tagesgeld-uebersicht.de/news/news_1277871540.htm

Das Bankingportal stellt nun die Frage: Sieht so ein neues Banken-Geschäftsmodell aus?

http://www.bankingportal24.de/finanzredaktion/595/ausverkauft-die-dritte-noa-bank-stellt-festgeld-ein-/

Dieses Weblog hat in den vergangenen Monaten immer wieder versucht, jenseits von Schwarz-Weiß-Malerei das Potenzial aber auch die Kritikpunkte an der Noa Bank aufzugreifen. Mit Blick auf die neuen Entwicklungen muss leider gesagt werden: Hier mangelt es an Transparenz. Folge: Wo konkrete Informationen fehlen, wachsen die Gerüchte.

Nachzulesen ist dies an einer wachsenden Zahl von Kommentaren, die mittlerweile auch die Blogoshäre erreichen:

“Eigentor geschossen” – auf dem Online-portal biallo.de http://www.biallo.de/finanzen/Geldanlage_Fonds/tagesgeld-bei-der-noa-bank-eigentor-geschossen.php    

Eingehende Zahlungen werden also gegebenenfalls zurücküberwiesen. Daueraufträge auf Tagesgeldkonten und Geldeinzüge im Rahmen eines monatlichen Sparplans sind ebenfalls von der Maßnahme betroffen.“

Dies jedoch dürfte der Bank mit derzeit 15.000 Kunden juristische Probleme bereiten. Denn in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) heißt es zum Tagesgeld: „Einzahlungen sind in jeder Höhe (…) möglich“. Einschränkungen sind in den AGB nicht ersichtlich.

Quelle: biallo.de

Auch das Weblog “kurz-nachgedacht” macht sich so seine Gedanken:

Den meisten Kunden war das egal so lange der Zinssatz stimmte, schickten Sie Euro um Euro an die Noa Bank, die nun bei einem Stand von 290 Mio. Euro die Reißleine zieht und ganz einfach keine neuen Kundeneinlagen mehr auf Tagesgeld- oder Festgeldkonto akzeptieren möchte.

Wie das möglich ist – und wie z.B. mit Sparplänen auf Noa Bank Tagesgeld Konten umgegangen wird, ist nicht bekannt. Die Bank hat nach dem überraschenden Schritt eher wenig unternommen um die Irritation der Kunden aufzulösen, dabei wäre es doch so einfach den Kapitalfluss zu mindern: Würden die Tagesgeldkonto Zinsen deutlich sinken, würden viele Kunden die Einlagen wieder abziehen und das Problem wäre beseitigt. Aber das machen ja alle – die Noa Bank ist ja schon auch irgendwie anders,

Quelle: http://www.kurz-nachgedacht.de/geld/noa-bank-nimmt-keine-kundengelder-mehr-an/

Wir bilanzieren: Mehr Transparenz gilt auch für ein neues Geschäftsmodell, das sich fortlaufend weiter entwickelt. Und hier sind seitens der Geschäftsleitung auch die Kanäle zu bedienen, die das Institut selbst ins Leben gerufen hat.

Sicherlich kann auch bei der Noa Bank nicht immer klar sein, wohin die Reise geht, aber eine deutlich profilierte Kommunikation mit mehr Inneneinblick, was die Kunden auf der Zeit- und Agendaachse erwarten dürfen und was eher nicht, wäre wünschenswert, wenn nicht sogar dringend geboten. 

    

Written by lochmaier

Juni 30, 2010 at 11:04 vormittags

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Politik 2.0: Was die Bundespräsidentenwahl mit direkter Finanzdemokratie verbindet

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In seinem Essay “Die entfremdete Republik” analysiert Schrifsteller Richard David Precht das politische Stimmungsbarometer in der innerlich verunsicherten Bevölkerung – und er beschreibt die soziale Kluft zwischen hierarchisch administrierter und den Möglichkeiten einer direkten Demokratie:

Lobbyisten bekommen die Politik, die sie wollen, sei es durch eine Parteispende, durch beharrliche Freundlichkeit oder durch Jobangebote für nebenbei und nachher. Clement, Bangemann, Althaus, Fischer, Schröder, demnächst wohl Roland Koch – dies sind keine Elder Statesmen mehr, sondern Elder Salesmen. 

Quelle: Spiegel online

Der Begriff ” Elder Salesmen ” statt ” Elder Statesman ” passt als Symptombeschreibung für bestimmte Eliten, die sich  längst nicht mehr durch Innovationskraft auszeichnen. Wer kümmert Sich eigentlich um die künftige Generation, die allmählich in die Verantwortungsübernahme rückt? Und hier kommt das Internet ins Spiel. Denn es ist der Resonanzkörper , in dem sich soziale Stimmungen reflektieren und alternative Konzepte erproben.

Ich zitiere den letzten Abschnitt ( S. 140) aus meinem Buchprojekt “Die Bank sind wir ” , der die Ansätze der direkten internetbasierten Demokratie auf die Spielregeln der Finanzmärkte ummünzt:

Wenn die Eliten und Leistungsträger überwiegend auch weiterhin zum „Jägerdasein“ statt zum Gärtnern tendieren, um nur nach der nächsten möglichst hohen Rendite Ausschau zu halten, dann dürfte das Internet zweifellos das globale Amphitheater ohne Dach sein, in dem soziale Verteilungskämpfe künftig stattfinden. Dies betrifft insbesondere die kreativ orientierten mittleren sozialen Schichten mit einem Drang zur Verantwortungsübernahme, die sich verstärkt finanziellen sozialen Netzwerken zuwenden könnten, um darin neue Chancen wahrzunehmen, die ihnen erstarrte Strukturen nicht mehr offerieren. Positiv betrachtet bietet dies viele neue Chancen. Alternative Lebensentwürfe jenseits überholter Dogmen im Umgang mit dem Geld können sich neuen Raum schaffen. Das Social Banking der zweiten Netzgeneration trägt dazu bei, eine dezentral gesteuerte Finanzkultur als soziales Korrektiv in der hiesigen Bankenlandschaft zu verankern.

Quelle: Social Banking 2,0

Zurück zu Richard David Precht und seinem Essay “Die entfremdete Republik ” . Ein weiteres Zitat schlägt die Brücke zu meinen vorherigen Ausführungen:

Der Aufstand der Menschen im Internet und anderswo für “ihren” Bundespräsidentschaftskandidaten Joachim Gauck spricht eine andere Sprache. Er könnte ein Zeichen sein, selbst und gerade dann, wenn Gauck verlieren sollte. Ein Symbol, das größer ist als der Mann. Ein Fanal für den Umbau unseres Staates, gespeist aus der Phantasie und Schwarmintelligenz seiner Bürger. Mehr Verantwortung für alle in den Städten, in den Betrieben und mehr Volksentscheide – dort ist vorn.

“Überall müssen sich Autorität und Tradition die Frage nach der Rechtfertigung gefallen lassen … Nicht weniger, sondern mehr Demokratie – das ist die Forderung, das ist das große Ziel, dem wir uns alle und zumal die Jugend zu verschreiben haben.” Der das sagte, war ein großer Bundespräsident: Gustav Heinemann. Seine Worte gelten noch immer und wieder neu.

Quelle: Spiegel online

Insofern gilt heute und morgen das Motto: Wir sind nicht das, was ganz am Ende folgt, sondern das Volk sind wir – und die Bank gehört auch dazu, um die Finanzströme wieder stärker auf die dringlich notwendigen Existenzgrundlagen von Wirtschaft und Gesellschaft (Arbeit und unternehmerische Tätigkeit sind die tragenden Säulen) zu fokussieren und in die richtigen kreativen Kanäle lenken.

Oder wie es der alt ehrwürdige Unternehmensberater Roland Berger in einem Interview mit dem  Wirtschaftsblatt so ausdrückt:

Wir müssen zulassen, dass neue Strukturen alte ersetzen: Schumpeters ‘Kreative Zerstörung’ ist aktueller denn je – innerhalb eines Unternehmens wie in der gesamten Volkswirtschaft.

Charakter-orientierte Unternehmen und Menschen sind gefragt, wie es der Wegelin – Anlagekommentar vom 28.06. beschreibt . Deshalb mein Rat : Twittern Sie sich doch einfach Ihren eigenen Bundespräsidenten Gauck oder Wulff zusammen.

Written by lochmaier

Juni 30, 2010 at 6:48 vormittags

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Nimmt BP Boykott-Seiten auf Facebook vom Netz? Social Media und lessons learnt

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Die Meldung macht in der bunten Netzcommunity die Runde: Ölkonzern BP habe den Boycott-Seiten auf Facebook das Leben ausgehaucht, das berichtet jedenfalls CNN:

http://ireport.cnn.com/docs/DOC-466703  

Oder auf deutsch:

http://www.augsburger-allgemeine.de/Home/Nachrichten/Aus-aller-Welt/Artikel,-BP-Facebook-loescht-Gruppe-mit-800000-Mitgliedern-280610-_arid,2181613_regid,2_puid,2_pageid,4293.html

Im Moment sind die Meldungen noch etwas unübersichtlich,  die deutsche Boykott-Seite scheint (wieder oder immer noch) erreichbar:

http://www.facebook.com/pages/Boycott-bpARCO/138332356184294?ref=mf#

Auch das Twitter-Fake, der illegale Klon, der mit 185.000 Lesern weit häufiger frequentiert wird, als das offizielle Account (ca. 15.000 follower), ist immer noch am Netz:

http://twitter.com/bpglobalpr

… Insofern ist mit der ungeprüften amerikanischen Veröffentlichungswut etwas Vorsicht geboten – bevor man dem Ölkonzern ein weiteres (PR-)Desaster andichtet. Eine erste Interpretation bietet IT-Nachrichtendienst golem.de:

http://www.golem.de/1006/76091.html

Die FAZ klärt einen Tag später die außerirdisch unerklärlichen Ereignisse um Lösung und Wiedereintritt in die vernetzte Erdumlaufbahn noch einmal auf.

Wie dem auch sei – ich will ganz kurz die gelernten Lektionen aus Sicht der Öffentlichkeitsarbeit 2.0 andeuten, die ich auch vergangenen Donnerstag in meinem Vortrag zum Thema Social Media und die Banken in Frankfurt schon mit Blick auf BP skizziert habe. Hier die wichtigsten Thesen:

1. Nicht kommunizieren geht nicht mehr 

2. Gängige Paradigmen der zentral gesteuerten Medienarbeit und Kundenkommunikation sind obsolet

3. Soziales Entblättern von Unternehmen bringt unvorhersehbare Resonanzverstärker hervor

4. Unternehmen sind aufgefordert, sich als Teil der Gesellschaft und Wirtschaft strategisch neu zu verorten

5. Gelingt dies nicht, sind  Gegenbewegungen im Netz unvermeidlich, die ganze Geschäftsmodelle in Frage stellen oder gar torpedieren.

6. Corporate Social Responsibility und Umweltengagements sind keine Marketinganhängsel     

7. Fazit:   Das Internet als weiteren Werbe- und Vertriebskanal zu nutzen, ist nicht ausreichend. Denn: Social Media ist Interaktion, Kommunikation, Austausch von Argumenten, Zuhören …

8. Etwas britischer Humor ist auch in schwierigen Situationen beim Gang in das Social Media Universum notwendig, das finden jedenfalls fast 8 Millionen Zuseher dieses Videos, in dem Kabarettisten die Chefetage von BP ziemlich intelligent aufs verbale Korn nehmen

Written by lochmaier

Juni 29, 2010 at 12:21 nachmittags

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Die Bank sind wir: Siemens gründet eigene Bank

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Wer sich von staatlicher Finanzaufsicht oder politischen Gipfelereignissen wie dem G20-Gipfel mit Blick auf die Regulierung der Finanzmärkte und Banken irgend einen kreativen Vorstoß erwartet hatte, der dürfte nun endgültig auf dem Boden der Tatsachen angekommen sein.

Wer sich andererseits mit meiner Publikation “Die Bank sind wir” etwas eingehender beschäftigt hat, der wird feststellen, dass sich in diesem Jahrzehnt trotzdem einiges ändern wird in der Bankenwelt. Das Motto lautet demzufolge nicht mehr: “Wir (die Bank) sind die Bank”, sondern umgekehrt, die Kundenbedürfnisse stehen (wieder) im Vordergrund.

So überrascht diese Meldung kaum noch: Siemens gründet jetzt eine eigene Bank  - und nimmt die Chancen-Risiko-Balance auch stärker in die eigenen Hände, statt blindlings den nicht immer nachvollziehbaren Regeln und der Eigendynamik der Finanzmärkte zu vertrauen. Ein Zitat aus dem Hause Siemens dazu:

Die Verwerfungen der Finanzkrise haben Siemens’ Vertrauen in den Bankensektor offenbar tief erschüttert. “Wir haben vor einiger Zeit eine Banklizenz beantragt”, sagte Finanzvorstand Joe Kaeser der “Süddeutschen Zeitung”. Er hoffe, diese in nächster Zeit von der Bankenaufsicht BaFin zu erhalten. 

Quelle: Spiegel online

Das vollständige Interview gibt es hier online bei der Süddeutschen Zeitung. Hier ein kleiner Auszug aus dem Frage-Antwort-Reigen:

SZ: Noch größere Probleme gibt es um Siemens herum, bei den Banken. Macht Ihnen das Sorgen?

Kaeser: Nein, nicht mehr, aber ich hatte in den turbulenten Wochen nach der Lehman-Pleite auch Tage und Nächte, wo ich unter anderem wegen der Werthaltigkeit unserer Sicherungsderivate die Luft anhielt. Vor drei Jahren kam ich noch nicht einmal auf die Idee, mir Sorgen zu machen, wo wir zum Beispiel unsere Liquidität anlegen, mit wem wir Währungs- oder Zinssicherungsgeschäfte machen. Nach den Erfahrungen der vergangenen zwei Jahre sehe ich hier realen Handlungsbedarf, unabhängig davon, wer im Rahmen der gesamten Finanzmarktturbulenzen Opfer oder Täter war. Man kann im heutigen, in Teilen immer noch intransparenten regulatorischen Umfeld in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn Banken in Schwierigkeiten geraten. Dabei ist es dann irrelevant, wer es verschuldet hat. Darauf wollten wir reagieren.

SZ: Was wollen Sie tun?

Kaeser: Wir haben vor einiger Zeit eine Banklizenz beantragt. Wir hoffen, dass die Bafin die Lizenz in nächster Zeit erteilt.

SZ: Wozu eine Banklizenz?

Kaeser: Wir wollen damit kein Retailgeschäft betreiben, wie mancher Wettbewerber. Stattdessen könnten wir in erster Linie das Produktspektrum unserer Financial Services im Bereich der Absatzfinanzierung mit Unternehmenskunden erweitern. Zudem könnten wir auch bei der Bundesbank selbst Einlagen platzieren und uns zusätzliche Finanzierungsquellen erschließen. Unsere Liquidität liegt derzeit bei fast neun Milliarden Euro, dafür brauchen wir insbesondere sichere Anlagemöglichkeiten. Das könnten wir in Zukunft eben dann selbst mitgestalten. Es ist ja auch wirklich kein Hexenwerk.

SZ: Da werden die Banken aber weinen, wenn sie einen Kunden wie Siemens verlieren.

Kaeser: Naja, so viel Geschäft ist das auch wieder nicht, und keine verlässliche Bank wird deshalb Siemens als Kunden verlieren.

Quelle: sueddeutsche.de

Man sollte das Thema beim genauen Lesen also einerseits nicht überbewerten. Bei Siemens kamen in den letzten Jahren auch zahlreiche hausgemachte Probleme auf die Chefagenda. Dass Siemens ein eigenes “Geldinstitut” gründet, ist auch nicht die große Revolution gegen die Banken.

Aber Konzerne wie Siemens oder auch Bosch haben reagiert. Sie nehmen das Risikomanagement wieder stärker in die eigenen Hände – und schaffen sich parallel dazu neue Spieloptionen. Und damit sind wir bei einer Passage meines Buches angelangt, bei der man (s. Seite 82) quasi zwischen den Zeilen folgendes lesen kann: 

Noch erscheint vielen Menschen der Gedanke als reine Zukunftsmusik, die Bank als zentrale Mittlerinstanz zwischen Parteien und Interessengruppen komplett auszuschalten, etwa bei der Veräußerung von Unternehmen, bei Börsengängen oder bei der Wahl der passenden Unternehmensfinanzierung.    

Oder anders ausgedrückt: (Die eigene) Leistung muss sich für die Betriebe und Kunden auch lohnen, gerade bei der Wahl des Finanzpartners. Unternehmen wissen, was Kundenorientierung bedeutet. Vertrauen muss nicht nur erworben und gehalten, sondern auch fortlaufend unter Beweis gestellt werden.

Ansonsten lautet das Motto: Eigenkontrolle des Chancen- und Risikomanagement erscheint zumindest aus Sicht mancher Big Player die bessere Option, als jemandem zu vertrauen, der dieses durch sein Bemühen nicht fortlaufend rechtfertigen kann.

Written by lochmaier

Juni 28, 2010 at 9:54 vormittags

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Banken und Social Media: Eine kontroverse Standortbestimmung

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Der Vertrauensverlust in der Finanzwelt hält angesichts der großen Unsicherheit auf den Kapital- und Geldmärkten weiter an. Mit Blick auf das Private Banking stellt sich für Banken die komplexe Herausforderung, über den Einsatz von “sozialen” Medien im Internet den unmittelbaren Kontakt zum Kunden zu suchen. Welche Rolle spielen neue Netzwerkstrukturen – wie viel “Social Media” braucht und verträgt die Bank?

Dieser Frage bin ich gestern in einem Vortrag vor Branchenvertretern auf einer Veranstaltung der Interactive Data Managed Solution AG nachgegangen, die Anja Kohl von der ARD-Börse moderiert hat. Derzeit ist das Stimmungsbarometer in der Branche, um im Bild zu bleiben, nicht nur mit Blick auf das Private Banking etwas “volatil”.

Der gestrige Tag war für mich ein inspirierender Dialog, bei dem die zentralen Fragen nicht ausgeklammert blieben. Die Offenheit in der Branche ist durchaus erkennbar, sich mit zentralen Fragestellungen auseinanderzusetzen: Was ist Social Media? Wo liegen Chancen und Grenzen der einzelnen strategischen Optionen.

Welche Kanäle (Twitter, Facebook, Youtube, Xing etc.) eignen sich mit welchem Design für welche Zielgruppe? Welche Praxisszenarien machen überhaupt Sinn? Welche neuen Qualifikationsprofile im Social Media Management sind gefragt?  - Diese Fragen habe ich in den offenen Raum geworfen…

Das Thema kann, darf und soll man und frau sicherlich kontrovers diskutieren, vor allem auf welcher strategischen Ebene der “Social Media Ansatz” angesiedelt sein soll. Ich habe das Thema für die Leser von Social Banking 2.0 durch zahlreiche Interviews und Hintergrundartikel immer wieder beleuchtet. 

Worin die zentrale Kontroverse zwischen Selbst- und Fremdbestimmung im kommunikativen Universum des world wide webs besteht, beleuchtet eine aktuelle Studie von Faktenkontor, die zu einem frappierenden Ergebnis kommt: “Deutsche erteilen Social Media-Banking klare Absage.”

Dieser nüchterne Befund sitzt, doch stimmt er wirklich? Ich erarbeite derzeit mit einer versierten Finanzsoziologin auf empirischer Basis anhand eines Samples von 40.000 Haushalten an der komplexen Fragestellung, wie Konsum- und Anlageverhalten, Geldbesitz und Lebensstile unter dem Einfluss neuer Medien zusammen hängen.

Mir scheint es eine ziemlich gewagte These zu sein, dass die Deutschen “Social Media Banking” eine klare Absage erteilen – angesichts der wachsenden Bedeutung sozialer Netzwerke, die ich gestern im Vortrag en detail dargestellt habe. Die Marktforscher ziehen jedoch daraus andere Schlußfolgerungen.

76 Prozent der deutschen Bankkunden können sich laut Faktenkontor offenbar nicht vorstellen, mit ihrem Finanzinstitut künftig über Social Media-Kanäle wie Twitter oder Facebook zu kommunizieren. Kommentar: Das muss nicht verwundern, denn erstens gibt es kaum kreative Angebote, und zweitens ist ein rein von Social Media Marketing getriebener konzeptioneller Ansatz kaum zielführend. Wird jetzt der Bock zum Gärtner gemacht?

67 Prozent wünschten sich dagegen Kontakt über das Internetportal der Bank (29 Prozent), E-Mail (22 Prozent) oder Telefon (16 Prozent). Gut jeder Zweite bevorzuge gar das klassische Gespräch mit dem Kundenbetreuer in der Bankfiliale, so bilanziert die repräsentative Umfrage der Kommunikationsagentur Faktenkontor und dem Marktforscher Toluna unter 1.000 Bundesbürgern.

Die Bankfiliale, so heißt es weiter, sei “erstaunlicherweise auch der Ort, an der die Deutschen Informationen zu Finanzfragen und Möglichkeiten der Geldanlage besonders glaubwürdig finden.” 42 Prozent der Befragten geben demnach das persönliche Gespräch mit dem Kundenbetreuer als seriöseste Quelle an.

Faktenkontor bilanziert: “Von so einem Ergebnis kann beispielsweise die Autoindustrie nur träumen. Denn dass ein Autoverkäufer als glaubwürdigste Quelle in Mobilitätsfragen angesehen wird, dürfte deutlich seltener vorkommen.”

Welche Schlußfolgerungen lassen sich ziehen? Knapp 30 Prozent der Bankkunden setzen laut Faktenkontor in Finanzangelegenheiten auf Informationen aus dem Internet. Und ganz am Ende kommt nun der kleine Haken an dieser Studie – denn, so Faktenkontor in seiner Pressemitteilung, “jeder Vierte findet in Geldfragen die Glaubwürdigkeit von Freunden und Bekannten am größten.” Es geht also nicht darum die Bank direkt in Facebook hinein zu verlagern.

Da haben wir die “kleine”, kontroverse Standortbestimmung. Denn in meinem gestrigen Vortrag bin ich zu anderen Ergebnissen gekommen. Social Media bedeutet “user generated content” – die Leitfragen sind doch etwa diese hier: Wem vertrauen die Menschen, wie wird es gewonnen? Durch Transparenz, durch aktive Beteiligung, auch im Bankwesen. Die Bank nimmt den Kunden ernst und kommuniziert auf Augenhöhe, dann erübrigen sich derartig einseitige Befunde, dass die Deutschen Social Media Banking eine pauschale Absage erteilen.  

Social Media, so habe ich es gestern ausgeführt, ist demzufolge keine Technik, sondern eine permanente Aktion, um die Gespräche zwischen Bank und Kunden auf gleicher Augenhöhe zu unterstützen. Starre Hierarchie wird somit durch einen Geist der (nicht immer gleichberechtigten, jedoch moderierten) Kooperation abgelöst. Märkte sind Gespräche mit offenem Ausgang.  Kommunikation, Austausch von Argumenten, Zuhören… Motto: Überzeugen statt überreden.

Die Innovationstreiber mit Blick auf die kreative Verschmelzung von Banken und Social Media sind die neuen “Social Banks”, die die neuen Medien konsequent anwenden und in den Mittelpunkt ihrer Geschäftsphilosophie stellen. Auch sie müssen sich noch erproben, wachsen und reifen – von diesem Lernprozess können wir aber alle lernen und profitieren.

Schließlich sind wir alle “Social Banker”, denn die Bank sind doch wir, jeder einzelne, der versucht mit seinem Geld vernünftig und kreativ zu arbeiten. Oder wie hat es Deutsche Bank-Vorstand Josef Ackermann kürzlich ausgedrückt: “Wir können in einer parallelen Welt nicht existieren”. Social Media ist das kreative Bindeglied, um zwei bislang unverbundene Elemente wieder miteinander zu verknüpfen. Dann brauchen auch wir Deutschen dem “Social Media Banking” keine Absage mehr zu erteilen. 

Im Juli werde ich in einem Vortrag auf der Summer School des Instituts for Social Banking in Florenz zum Thema “Banking on Values” der spannenden Fragestellung nachgehen:

Social Banking 2.0 – the future of Finance? – Das ist natürlich eine etwas provokative Zuspitzung. Aber sicherlich wird es ein wichtiger Bestandteil unserer Zukunft sein, vielleicht sogar ein essentieller.  Oder anders ausgedrückt: Die Bank der Zukunft findet ohne kreative Verschmelzung mit “Social Media” gar nicht statt.

Written by lochmaier

Juni 25, 2010 at 7:24 vormittags

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ZEW: Social Banking ist mehr als eine Modeerscheinung

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In einem Interview in den VDI nachrichten bewertet ein Unternehmensberater die Zukunftsperspektiven von “Community Banking” wie folgt:

Zusammenfassend denke ich, dass sich das Zeitfenster, in dem sich die jungen Firmen als ernsthafte Wettbewerber hätten etablieren können, schon wieder schließt. Ihr Geschäftsmodell ist lediglich vom Zeitgeist getrieben.

Quelle: VDI nachrichten

Diesem Befund, dass es sich bei Community bzw. Social Banking der zweiten (auch internetbasierten Generation) um eine Modeerscheinung handelt, dem widersprechen jedoch sogar die Finanzmarktexperten selbst.  

Zu diesen Schlußfolgerung gelangt jedenfalls eine aktuelle Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim unter 236 Experten aus dem Finanzsektor im Rahmen des monatlichen ZEW Finanzmarkttests.

Die Ergebnisse zeigen, dass wir es mit einem nachhaltigen Paradigmenwandel jenseits von rein Zeitgeist getriebenen Modeerscheinungen zu tun haben. Banken, die laut ZEW ihre Geschäftsstrategie an sozialen, ethischen und ökologischen Zielen ausrichten, werden ihren Marktanteil in Deutschland weiter steigern. Dies geht vor allem auf das verstärkte Interesse der Öffentlichkeit an sozialen und ökologischen Themen zurück.

Ein weiterer Grund ist die Verunsicherung der Bankkunden aufgrund der Bankenkrise und das daraus resultierende Misstrauen gegenüber der Anlagestrategie traditioneller Banken. Bereits in den vergangenen Jahren haben Social Banks hohe Wachstumsraten erzielt und ihren Marktanteil ausgebaut.

Nach Ansicht von rund 43 Prozent der vom ZEW befragten Experten ist dieser Trend nachhaltig und wird auch in den kommenden Jahren anhalten. Eine Minderheit von gut einem Drittel der Experten ist dagegen der Meinung, dass Social Banking nur ein kurzfristiges Phänomen darstellt. Weniger als ein Viertel der Experten geben keine Einschätzung zu den Zukunftsaussichten sozialer Banken ab.

Der wichtigste Grund für die wachsende Bedeutung des Social Banking ist laut Angaben vom ZEW das erhöhte Misstrauen der Kunden gegenüber den Kreditinstituten. Mehr als 80 Prozent der Experten sind der Meinung, dass soziale Banken davon in den vergangenen Jahren profitiert haben. Sie konnten verunsicherte Kunden anderer Institute anziehen. Auch das verstärkte Interesse der Kunden an sozialen und ökologischen Themen ist für rund zwei Drittel der befragten Experten ein wichtiger Erfolgsfaktor des Social Banking.

Ferner sind die Experten der Ansicht, dass das Vertrauen der Kunden in soziale Banken, die gute Reputation dieser Institute sowie ihre hohe Transparenz die Expansion dieses Geschäftsmodells begünstigen. Nach Dafürhalten der Finanzmarktexperten gehen soziale Banken darüber hinaus geringere Risiken ein, da sie nachhaltiger investieren.

Trotz des sichtbaren Erfolgs sozialer Banken sind rund 43 Prozent der Experten skeptisch, dass auch andere Banken in Zukunft ihre Strategie und ihre Produkte stärker an ethisch-ökologischen oder sozialen Zielen ausrichten werden. Dies liegt den Experten zufolge daran, dass ethisch und ökologisch motivierte Produkte häufig eine geringe Rendite abwerfen und unattraktiv für preissensitive Kunden sind. Im Gegensatz dazu halten es 57 Prozent der Experten für wahrscheinlich, dass andere Banken dem Beispiel der Social Banks folgen werden und in der Zukunft ebenfalls ihre Geschäftsmodelle stärker an ethisch-ökologischen oder sozialen Kriterien ausrichten werden.

> Wer diese Ergebnisse nüchtern bilanziert, wird feststellen, dass wir vor einem größeren Wandel und Umbruch stehen. In einem weiteren Artikel der VDI nachrichten “Liquide dank vieler Cents und Grips en masse” lässt sich die ungefähre Dimension des Wandels erahnen, der sich aus unterschiedlichen Strömungen speist, die sich allmählich zu einem größeren Gesamtbild verdichten. 

Wie ist die Reaktion der Banken? Das beleuchtet eine aktuelle Studie von msgGillardon und dem Handelsblatt mit dem Titel banking insight – Vertrauen aufbauen: Emotionalisierung als Schlüssel zum Erfolg im Retail-Banking”:

Die Zögerlichen: 50% der Banken haben Standardisierung und Emotionalisierung als Erfolgsfaktoren erkannt, zögern aber noch mit der Umsetzung in der Bankpraxis.

Die sachlichen Standardisierer: 22% der Banken geben sich immer noch möglichst sachlich in der Kundenansprache und bieten ihren Kunden möglichst viele Standardprodukte.

Die Bank der 2000er Jahre: 10% der Banken sind in der Zeit „stehen geblieben“. Den Trend zur emotionalen Bank haben sie noch nicht erkannt.

Quelle: msgGillardon

Fazit: Es darf weiter trefflich darüber spekuliert werden, worin die (glaubwürdige) “Emotionalisierung” von gängigen Bankprodukten künftig bestehen könnte. So bleibt in der oben erwähnten 36-seitigen Studie von msgGillardon der sinnvolle Einsatz von “Social Media” als Bindeglied (Stichwort: Transparenz und Partizipation) zwischen Kunden und Bank praktisch ausgeblendet.

Eine “Emotionalisierung” von Bankprodukten kann m.E. nur auf Augenhöhe mit dem Kunden gelingen (bottom-up statt top-down). Substanzielle Verbesserungen in der “Beratungsqualität” wird es zudem nur geben, wenn nicht nur formal Kundenbeiräte in den Bankgremien am Tisch sitzen, sondern der Kunde den Gestaltungsprozess einer Bank tatsächlich aktiv mit beeinflussen kann.

Neue Wege und gute Ideen sind dazu gefragt. Mit griffigen Schlagworten und viel Marketingblendwerk allein wird es keine krisenfeste und innovative “Bank der Zukunft” geben, die sich das Reizwort “Kundenorientierung” tatsächlich ganz oben auf die Chefagenda schreibt.

Written by lochmaier

Juni 23, 2010 at 7:16 vormittags

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Kreative Mittelschicht: Statuspanik und alternative Anlagekonzepte

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Was der Mittelschicht das Leben vermiest, das beleuchtet Analyst Franz Walter im Spiegel. Die Wogen in der öffentlichen Diskussion halten weiter an, seitdem das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in einer neuen Studie (es müsste eigentlich Untersuchung heißen) der Mitte unseres Landes eine Art “Statuspanik” prognostiziert.

Sprich: Die Angst vor dem sozialen Abstieg grassiert.  “Schwarz-Gelb” schüre die Statuspanik, bilanziert jedenfalls Nachrichtensender n-tv:

Nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung wird das Sparpaket der schwarz-gelben Koalition die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland weiter wachsen lassen. Sozialverbände, Gewerkschaften und Opposition forderten daher, das Sparpaket in der jetzigen Form zu stoppen und Gutverdienende stärker zu belasten.

Das DIW sieht darin eine gefährliche Entwicklung. Selbst wenn sie nur als Bedrohung wahrgenommen werde, könne bei den mittleren Schichten dadurch “Statuspanik” entstehen. Dies wiederum könne zu diskriminierenden Einstellungen führen – die Bindekraft der Gesellschaft nimmt ab. “Eine starke Mittelschicht ist aber wichtig für den Erhalt der gesellschaftlichen Stabilität”, sagen die DIW-Experten Martin Gornig und Jan Goebel.

Quelle: n-tv.de

Führen wir die Debatte mal jenseits der medialen Aufgeregtheiten etwas weiter – wie ein derartiger Befund sich auf den Umgang mit dem Geld in den Mittelschichten auswirken könnte. Zum einen wird weniger konsumiert. Das ist aber noch nicht alles – die Philosophie und Einstellung zur Geldanlage wird zunehmend vom Wandel erfasst.  

Meine These: „Liquide“ Demokratie mit dem Transmissionsriemen der Mittelschicht erfasst auch die Finanzen und en Umgang mit den Banken. Zumindest die innovative bzw. kreativ- unternehmerische Mitte der Gesellschaft erkennt ihr strategisches Potenzial und ihre Bedeutung als Brückenkopf zwischen Unter- und Oberschicht.

Der kreative und anspruchsorientierte Teil der Mitte ordnet seine Geldströme neu, wohin es vielleicht fließen sollte, und wohin eher nicht. Auf dem Prüfstand stehen die Leistungen bzw. die “Kosten-Nutzen-Bilanz von Banken und Versicherungen.

Sofern den meist hohen “Transaktionskosten” keine realen Leistungen und keine gute Performance gegenüber stehen, wird es eng für Standardprodukte. Der gesellschaftliche Paradigmenwandel treibt neue Geschäftsmodelle voran, neben Social Banking können vor allem kleinere Banken durch individuelle Dienstleistungen punkten.

Wer sich jedoch nur darauf verlässt, als “Black Box Bank” nicht über die eigenen Geschäfte zu reden, keine Transparenz der Geldflüsse herzustellen, und den Kunden nicht produktiv in die Wertschöpfungskette einbindet, der könnte bald schon zu den Verlierern gehören. Dass die Rechnung mit “business as usual” aufgeht, darauf sollte sich in der Finanzindustrie niemand mehr verlassen.

Oder anders ausgedrückt: Das Alleinstellungsmerkmal von Banken und sonstigen Finanzdienstleistern war es bislang, gerade in der Intransparenz einen zentralen Wettbewerbsvorteil zu sehen.  

Die “Statuspanik” der Mittelschicht wird nicht in ungezügelter Form kommen, sondern die Anleger haben erkannt, dass Intransparenz eine Schwäche ist, die sie künftig als negatives Selektionskriterium bei der Wahl ihrer Partner heranziehen. Sofern neue Alternativen, die es ja bereits am Markt gibt, sich erfolgreich unter Beweis stellen, wandelt sich die (angebliche) “Statuspanik” in die Suche nach einem alternativen Entwurf der individuellen Vermögensanlage um.  

Für die einen nimmt die Beratungsresistenz weiter zu. Anspruchs orientierte Anleger hingegen folgen den Trendsettern aus der kreativen Mitte, die das Thema Umgang mit Geld auch anhand von digitalen Wertschöpfungsketten neu besetzen. Und das ist doch eine spannende Entwicklung, die wir vor uns sehen, oder? 

Und hier noch ein nicht ganz ernst gemeintes Video über das “letzte Mitglied der status- gefährdeten Mittelschicht”.

 

Written by lochmaier

Juni 21, 2010 at 8:12 vormittags

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