Social Banking 2.0 – Der Kunde übernimmt die Regie

P2P-Kredite: Diskussion zur Studie von DB Research gewinnt Fahrt

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Claus Lehmann von der Plattform P2P-Kredite nimmt dankenswerterweise die Steilvorlage auf, die ich in meiner ersten – weniger inhaltlichen, sondern atmosphärisch gemeinten – Bewertung  zur Studie von DB Research über die Peer-to-Peer-Plattformen wie Smava gestern verfasst habe. Hier nochmals zum Nachlesen:

http://lochmaier.wordpress.com/2009/11/12/welcome-to-the-machine-db-research-nimmt-p2p-lending-ins-kreuzfeuer/

Hier der ganze Kommentar von Claus Lehmann dazu:

Wenn ich mir die sachlichen Aussagen auf Seite 1 des Papers anschaue, dann sind dort folgende Punkte

a) Das US Kreditvolumen im P2P Lending ist nur ein Bruchteil der Konsumentenkredite => völlig richtig und wenig überraschend bei einer Kreditform, die in den USA 2006 eingeführt wurde

b) Es gibt (in D) eine hohe Anlegernachfrage. Hohe Nachfrage ist aus meiner Sicht ein Argument für etwas und nicht gegen etwas

c) Anleger tendieren dazu die Risiken zu unterschätzen Dem stimme ich in Bezug auf Smava ebenfalls voll zu. Ist aber nicht prinzipiell ein Argument gegen p2p Kredite

d) die Gruppen bringen nichts. Auch richtig, aber schon seit 2007 ein alter Hut

e) Shift vom individuellen manuellen Bidding zu Portfolio Ansätzen => das zeigt gerade das die produktgestaltung bei P2P Krediten noch relativ am Anfang steht, die Anbieter aber aktiv daran arbeiten um besser auf die (unterschiedlichen) Wünsche der Anleger einzugehen.

f) Zusammenhang zwischen Beschreibungslänge und Ausfallrisiko das ist aus meiner Sicht die wesentliche neue Erkenntnis die das Paper bringt http://www.p2p-kredite.com/deuten-langere-beschreibungen-auf-ein-erhohtes-kreditausfallrisiko-hin_2009.html

Mein Fazit wäre das das Paper wichtige Aspekte stichwortartig gut zusammenfasst und so die Zielgruppe Banker kurz über einige Trends kurz und knackig informiert.

Vom “ins Kreuzfeuer nehmen” kann ich hier nichts erkennen.

Interessanterweise ist die Deutsche Bank m.E. bisher die einzige deutsche Bank die sich öffentlich mit dem Thema auseinandersetzt und das auch schon länger.

Die anderen Banken ignorieren (zumindest nach außen) das Thema einfach in der Hoffnung es wird schon irgendwann von selbst wieder verschwinden. Das Argument der absoluten Größe und der Nichtrelevanz stimmt zwar Stand heute. Bei Wachstumsraten von z.T. 10-20% pro MONAT kann man aber interessante Berechnungen anstellen, wann es denn relevant wird (siehe vor allem ZOPA UK).

> Soweit der Leserkommentar.

> Im Prinzip sind die von Claus Lehmann angesprochenen Punkte sicherlich richtig und bedenkenswert. Ich selbst habe ja die neuen Modelle durchaus kritisch im Blick, und es geht hier nicht um neue idealtypische Glorifizierungen einer neuen Bankengeneration, die sich natürlich ebenso wie die Alte am Markt beweisen muss. 

Mir geht es aber zunächst noch um etwas anderes: Und zwar um den Aspekt, der Ton macht die Musik, wenn die DB Research mit dem Slogan “Welcome to the Machine” argumentiert, dann ist das relativ miserables und unter unprofessionellen Maßstäben gesehen, sogar höchst kontraproduktives Marketing. Kurzum: Die undurchsichtige “Geldvermehrungsmachine” waren (auch) die Banken selbst, mit ihren ziemlich undurchsichtigen Produkten.

Um noch etwas präziser zu werden, damit wir hier nicht von Schwarz-Weiß-Malerei und Klischees reden, sondern von harten und belastbaren Fakten: In einem früheren Weblog-Eintrag habe ich selbst die Beratungsqualität in einer großen Filiale der Deutschen Bank in Berlin getestet. Mein damaliges Fazit, das durchaus dem Motto “Welcome to the Machine” entspricht, können Sie hier nachlesen:

http://lochmaier.wordpress.com/2009/11/03/bild-dir-deine-meinung-wie-serios-sind-bankenrankings/

Warum also im Glashaus sitzend mit Steinen werfen? Warum mit Kanonen auf Spatzen zielen? Da muss doch psychologisch betrachtet ein wahrer Kern dran sein, wenn  man zu solchen Headlines greift, jenseits der technischen Analyse.

Ich weiß, man kann nicht alles verdammen. Aber so schaufeln sich “die” Banken ihr eigenes Grab. Hätte DB Research die sachlichen Punkte, die Claus Lehmann durchaus richtig adressiert,  in fundierter Weise – auch in der Wahl der Überschriften –  herausgestellt, dann kämen auch die Fakten besser rüber.

So aber bleibt der Eindruck bestehen, dass es sich dabei um ein recht zweigleisiges Schwert handelt: Einerseits soll der Kunde und mündige Bürger ernst genommen werden, gleichzeitig spricht man ihm jegliche Rechte auf Selbstbestimmung ab, indem man die neuen Plattformen als maschinell gesteuerte Wesen darstellt.

Ich halte es da gern mit dem Volksmund: Getroffene Hunde bellen.

Das “Bild der Maschinen” ist übrigens nebenbei bemerkt eine komplett falsch getaktete sozialhistorische Analyse der Lage der Nation. Hier wäre dringender Veränderungsbedarf in der Außendarstellung für DB Research anzumahnen, auch oder gerade was die Nutzung von Social Media angeht. Ein kleines Getwitter der Bank macht noch keinen deutschen Sommer.

Ich selbst sehe die Debatte übrigens recht gelassen. Der Markt wird es richten. Märkte sind Menschen. Und Menschen sind Gespräche. Mit dieser Auffassung bin ich nicht mal ganz alleine. Dirk Elsner vom Blicklog kommentiert die Studie kurz und trocken so:

Ist ja sehr interessant, dass die Deutsche Bank das Peer-to-Peer-Banking mit Aufmerksamkeit adelt.

Neue Dinge bahnen sich sowieso ihren Lauf. Versuchen wir es zum Abschluß mal etwas undeutsch mit einer Prise Humor. Hier kommt das Wort zum Freitag -ein erfolreicher kabarettistischer Querschlag zur “Scheinheiligkeit gottesfürchtiger Banker” ist dem Bayerischen Rundfunk mit diesem Video gelungen.  Hier geht es zur “Kraft des Erlöses”:

http://blog.br-online.de/quer/index.php?/quer-Schlaeger-Die-Kraft-des-Erloeses_12112009.html

Und zum Abschluß noch das Original, nicht das Fake – Welcome to the Machine – in der Performance von Pink Floyd – In diesem Sinne – schönes Wochenende an alle Leser:

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Written by lochmaier

November 13, 2009 at 11:27 vormittags

Veröffentlicht in Uncategorized

2 Antworten

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  1. […] Deutsche Bank Research, wenn sie das Social Lending (da steckt auch Social Media drin) als „Welcome to the Machine“ bezeichnet. Soweit ich weiß, sind auf Plattformen wie Smava doch Menschen unterwegs, die sich […]

  2. […] sie keine bahnbrechenden neuen Erkenntnisse darstellen – und hatte dies auch als Kommentar in Lochmaier’s Blog […]


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